Cuxhaven vor 50 Jahren: Heute Unfassbares war damals Realität
Seit Jahren begeistert die Kolumne "Moin Cuxhaven" die Leserinnen und Leser der Cuxhavener Nachrichten und der Niederelbe-Zeitung. Inzwischen sorgt die Rubrik auch auf cnv-medien.de für Unterhaltung. Heute mit einem Blick zurück in die Kindheit.
In den letzten Tagen war ich wie im Tunnel. Unterwegs in einer anderen Welt oder doch zumindest einer anderen Zeit, nämlich 1976, dem Gründungsjahr der Cuxhavener Nachrichten. Während ich sämtliche Zeitungsausgaben des Jahres durchblätterte, gingen die Gedanken ständig zurück in die eigene Kindheit. Denn vieles, was dort stand, hatte eine enge Beziehung zu meinem Leben: Jahrhundertsturmflut, Baden im Baggerloch vor Duhnen, Super-Tanker am Steubenhöft, Eislaufen auf dem Schleusenpriel.
Ich gehörte als Zehnjährige zu den geburtenstarken Jahrgängen, die sich gerade in den Cuxhavener Schulen drängten. Ohne dass ich es ahnte, war es der letzte direkte Wechsel von der Grundschule aufs Gymnasium vor Einführung der Orientierungsstufe in Cuxhaven. Gleichzeitig wurde an "GSC" und "GAC" (den Gymnasien Schulstraße und Abendrothstraße) die reformierte Oberstufe etabliert, in der auch ich später einmal mein Abitur machen sollte.
Völlig unfassbar wirkt es hingegen aus heutiger Sicht, dass erst ab Mitte 1976 Cuxhavens Abwässer nicht mehr ungeklärt bei der Seebäderbrücke in die Elbe geleitet wurden oder dass die Einführung des Tempolimits von 100 km/h auf Landstraßen und der Gurtpflicht als Aufreger empfunden wurden. Die Gurtpflicht galt anfangs nur für die Vordersitze - es war das Zeitalter, in dem am Ende eines Kindergeburtstags alle Gäste ins Auto (natürlich inklusive Kofferraum) - geladen und nach Hause gebracht wurden.
Beim Blick auf die damals in weiten Kreisen als völlig selbstverständlich hingenommenen Rollen von Mann und Frau bin ich allerdings froh darüber, dass sich in 50 Jahren doch einiges gewandelt hat. Eine noch intensivere Zeitreise erwartet demnächst auch Sie - in unserer Jubiläumsausgabe am kommenden 2. Mai.