Der lange Weg nach Mittelerde
Seit Jahren begeistert die Kolumne "Moin Cuxhaven" die Leserschaft der Cuxhavener Nachrichten und der Niederelbe-Zeitung. Inzwischen sorgt die Rubrik auch auf cnv-medien.de für Unterhaltung. Heute geht es um Literaturgeschichte.
Mitternacht. Eine Schlange vor der Buchhandlung. Klappstühle, Thermoskannen, Vorfreude. Wer das hört, denkt vermutlich zuerst an Harry Potter oder an Twilight. Bücher, für die Fans stundenlang anstanden, nur um die ersten Seiten noch in derselben Nacht zu verschlingen.
Heute wirkt das fast nostalgisch. Schließlich genügt oft ein Klick - und das E-Book landet auf dem Lesegerät. Doch die Begeisterung für große Geschichten ist älter als Hogwarts.
Am 29. Juli 1954 erschien in London der erste Band von J. R. R. Tolkiens "Der Herr der Ringe". Schlangen gab es damals sicher nicht vor den Buchhandlungen. Tolkien wurde erst nach und nach zum weltweiten Phänomen.
In Deutschland hätte es beinahe niemand lesen können. Mehrere Verlage lehnten das Werk zunächst ab. Zu umfangreich, zu ungewöhnlich, zu wenig Erfolg versprechend. Erst Anfang der 1970er-Jahre wagte der Klett-Cotta Verlag die deutsche Übersetzung. Eine Entscheidung, die Literaturgeschichte schrieb.
Manchmal irren sich selbst Experten. Gut, dass sich am Ende doch jemand traute. Sonst wären Frodo, Gandalf und der eine Ring vielleicht nie zu den bekanntesten Figuren der Literatur geworden.
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