Kulinarischer Extremsport am Deich
Seit Jahren begeistert die Kolumne "Moin Cuxhaven" die Leserinnen und Leser der Cuxhavener Nachrichten und der Niederelbe-Zeitung. Inzwischen sorgt die Rubrik auch auf cnv-medien.de für Unterhaltung. Heute: der große Krabbenbrötchen-Test.
Ich liebe Krabben. Wirklich. Aber zehn Krabbenbrötchen innerhalb weniger Tage? Das ist keine Verkostung mehr, das ist kulinarischer Extremsport. Dabei klang der journalistische Auftrag zunächst äußerst verlockend: an den Hafen und auf den Deich fahren, Krabbenbrötchen essen und anschließend urteilen. Andere Menschen müssen für ihr Geld Akten wälzen, Tabellen ausfüllen oder endlose Meetings überstehen. Ich dagegen sollte Brötchen essen. Mit Krabben. Ich fühlte mich vom Leben endlich verstanden. Das erste Brötchen war ein Genuss. Beim zweiten begann bereits die Analyse: Stimmte das Verhältnis von Brötchen und Belag? Ergänzte die Remoulade die Krabben oder überdeckte sie deren Geschmack? Spätestens beim sechsten Brötchen verfügte ich über ein beachtliches Fachvokabular. Ich notierte "feine Salznote", "angenehme Saftigkeit" und "überzeugende Brötchenstruktur". Beim achten Brötchen verschwammen die Unterschiede. Überall Krabben. Überall Brötchen. Die Notizen wurden schwieriger. Dennoch kaute ich konzentriert und versuchte, jedem Exemplar gerecht zu werden. Das zehnte Brötchen war tatsächlich sehr gut. Trotzdem blieb eine Erkenntnis: Auch kulinarische Vorlieben haben eine Belastungsgrenze. Mein nächstes Krabbenbrötchen bestelle ich jedenfalls nicht vor Ablauf einer angemessenen Regenerationsfrist.
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