Manches reist besser allein: Schicksal am Gepäckband
Seit Jahren begeistert die Kolumne "Moin Cuxhaven" die Leserinnen und Leser der Cuxhavener Nachrichten und der Niederelbe-Zeitung. Inzwischen sorgt die Rubrik auch auf cnv-medien.de für Unterhaltung. Heute: Ein Koffer geht eigene Wege.
Der Sitz ist gebucht, der Boardingpass griffbereit, der Koffer rechtzeitig aufgegeben. Man sitzt am Fenster, schaut gedankenlos aufs Rollfeld und beobachtet, wie das Gepäck eingeladen wird. Einer nach dem anderen verschwindet im Flugzeug. Bis plötzlich einer stehen bleibt. Genauer gesagt: der eigene.
Kurz wird er noch bewegt, dann nicht mehr. Alle anderen fahren weiter, nur dieser eine nicht. Aus der Entfernung erkennt man ihn ziemlich eindeutig. Und während man noch überlegt, ob das wirklich gerade passiert, setzt sich das Flugzeug schon in Bewegung.
Es ist kein besonders schöner Moment, das kann ich Ihnen sagen. Beim Start geht der Blick noch einmal hinaus, dorthin, wo er ungefähr noch stehen müsste. Dann ist er weg. Und natürlich denkt man sofort an das, was jetzt folgen dürfte: Formulare, Nachfragen, vielleicht ein bisschen Ärger.
Genau an dieser Stelle möchte ich dazu ermutigen, das Schicksal ab und an einfach mal machen zu lassen. Denn im Rückblick lässt sich sagen: Ohne Koffer reist es sich erstaunlich leicht. Kein Ziehen, kein Heben, kein umständliches Rangieren zwischen Bahnsteig und Gepäckablage. Und vor allem ein Ankommen ohne die Begleitung der eigenen, inzwischen doch recht beanspruchten Garderobe.
Warum sich der Koffer entschieden hat, die Heimreise ohne seine Besitzerin anzutreten, ist bis heute nicht ganz geklärt. Vielleicht hatte er andere Pläne. Fest steht: Zwei Tage später stand er erstaunlich unkompliziert vor der Haustür. Manches findet seinen Weg eben auch allein. In diesem Fall sogar ziemlich zuverlässig.