Zweites Leben auf der Schiene: Mit der Hamsterbacke durchs Land
Seit Jahren begeistert die Kolumne "Moin Cuxhaven" die Leserschaft der Cuxhavener Nachrichten und der Niederelbe-Zeitung. Inzwischen sorgt die Rubrik auch auf cnv-medien.de für Unterhaltung. Heute: Gebrauchtmarkt für Züge.
Kürzlich erlebte ich auf einem Bahnsteig irgendwo in Deutschland eine Überraschung, als am Gleis gegenüber ein Zug mit der Aufschrift "DB Gebrauchtzug" einfuhr. Die Waggons muteten ein bisschen schäbig an, wirkten aber eigentlich eher nostalgisch. Es gibt also eine Gelegenheit, sich einen Gebrauchtzug zu kaufen und diesem ein zweites Leben einzuhauchen? Wer macht so was und vor allem: Was gibt der Markt denn da so her? Antworten gibt es auf der Seite www.db-gebrauchtzug.de, aufgeteilt in Güter- und Personenzüge und -Lokomotiven. Ich bin weder Zug- noch Modellbau-Expertin, aber so eine süße Lokomotive BR 143 aus den Jahren 1987 bis 1991, Höchstgeschwindigkeit 120 km/h, geeignet zum Ziehen leichter bis mittelschwerer Güterzüge, Autotransporte oder KV-Züge (fragen Sie nicht nach, was das ist) hat schon was. Eine neue Welt, voll mit Drehgestellflachwagen, Tragwageneinheiten, kurzgekuppelten Doppelstock-Autotransportwagen-Einheiten und offenen Selbstentladewagen, tut sich vor mir auf. Bei den Personenzügen dann "Große Neuigkeiten von DB-Gebrauchtzug": Fünf neue Pakete mit insgesamt 96 mehrspannungsfähigen Reisezugwagen kommen auf den Markt, aber auch Klassiker wie die Baureihe 218, die Triebwagen "Anna und Maria", drei Dieseltriebwagen vom Sylt-Shuttle, mehrere Speisewagen oder der Elektrotriebzug ET 442 "Talent 2", genannt "Hamsterbacke", können erworben werden. Doppelstock-Wendezuggarnituren, druckertüchtige und nicht druckertüchtige Abteil- und Großraumwagen, Sparbeleuchtung und seitenselektive Türsteuerungen wabern vor meinen Augen. Natürlich wird sich kaum jemand privat so einen Trumm in den Vorgarten stellen wie einst der "Nichtraucher" im Fliegenden Klassenzimmer (bitte bei Erich Kästner nachlesen); es sind zumeist Bahngesellschaften, die hier einkaufen und die historischen Stücke wieder zum Laufen bringen. Die Kosten stehen leider nicht dabei; sie sollen vom reinen Materialwert bis zu Millionenbeträgen für ganze Zugreihen reichen.
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