Neues aus dem Tierheim Cuxhaven: Dramatische Katzenrettung in Hechthausen
CUXHAVEN. Was tut sich im Tierheim Cuxhaven? Wer ist neu? Wer ist ausgezogen? Wie geht es den Tieren? Immer sonnabends gibt es die Rubrik "Neues aus dem Tierheim Cuxhaven". Heute geht es um ein Katzenkind, das zweimal hintereinander aus einer Hohlschicht der Hauswand gerettet werden musste.
Wie eine Hausbesitzerin aus Hechthausen eine Katzenrettung schildert:
Dienstagmorgen hörte ich das Mauzen einer kleinen Katze, einer sehr kleinen Katze. Ich war mir sicher es käme vom Garagenboden. Gemeinsam mit meiner Schwester schaute ich oben nach und tatsächlich, da saß eine hübsche getigerte Katze mit einem Jungtier in der Dämmung unterm Dach. Was tun?
Ich rief beim Tierschutz Stade e. V. in Hechthausen an und bekam die wichtige Information, dass Fundtiere sofort bei der Gemeinde gemeldet werden müssten und dann vom Tierheim versorgt werden. Das wusste ich gar nicht. Also, Ordnungsamt in Hemmoor angerufen, dann das Tierheim Cuxhaven kontaktiert. Hier wurde mir erzählt, was ich machen kann, bis die Katzen abgeholt werden. - Muttertier bitte anfüttern, damit sie den Standort nicht wechselt und Vertrauen aufbaut. Dann ist der Transport für alle etwas stressfreier. Termin der Abholung konnte noch nicht gesagt werden. Kein Problem. Da ich vor Jahren selbst Katzen hatte und beim Verlust meiner letzten geliebten Katze 2017 mir gesagt habe- das war es, kein Tier mehr. Habe ich alle Katzenutensilien verschenkt. Außer einem Katzenklo, einer Transportbox und Näpfe. Na gut, das Spielzeug habe ich auch noch. Nur für den Notfall habe ich damals gesagt.
Jetzt war der Notfall da. Das Anfüttern funktionierte hervorragend. Ich war wieder voll im Katzenmodus. Die Mutterkatze superlieb und mega hungrig. Katzenklo und Näpfe waren auf dem Dachboden positioniert und auch ein zweites Kätzchen wurde gesichtet. Alles klar!
Am späten Nachmittag und Abend saß die Katzenmama immer unten vor der Hauswand. Sie ließ sich streicheln und strich um meine Beine. Merkwürdig war, dass sie knurrte, schnurrte und miaute. Dann hockte sie wieder an der Wand und knurrte. Zum Füttern kam sie wieder über das Dach auf den Boden. Nachts hörte ich das Mauzen von oben. Und fand es merkwürdig, dass die Kleinen so laut sind, wenn doch die Mutter da ist.
Am Mittwochmorgen, bevor ich zur Arbeit fuhr, saß die Katze schon unten vor meiner Tür. Ich wollte sie oben füttern, doch sie knurrte und schnurrte um meine Beine. Also lockte ich sie nach oben zum Fressen. Draußen hörte ich das Mauzen.
Als ich am späten Nachmittag nach Hause kam und gleich wieder zur Katze wollte, hörte ich draußen das Mauzen. Oben auf dem Boden sah ich die kleine Katzenfamilie ruhig liegen und hörte nichts. Von draußen kam aber das Gejammere. Und mir war sofort klar, da steckt irgendwo noch ein Baby und das hatte sie mir gestern sagen wollen.
Wer konnte da helfen? Wer kann retten, löschen, bergen, schützen? Ein Feuerwehrmann! Auf dem Dorf kennen wir uns und so rief ich einen guten Bekannten an, der bei der freiwilligen Feuerwehr ist, und bat um Hilfe. Er kam sofort, ist selbst Katzenbesitzer und hat ein großes Herz für Mensch und Tier.
Erstmal machte er sich ein Bild von der Situation. Es hörte sich an, als ob das Kätzchen oben unterm Dach gefangen wäre. Doch es kam anders! Sie saß in der Hauswand ganz unten in der Hohlschicht. Das Schlimmste was man sich vorstellen kann. Sofort rief er den "Maurer seines Vertrauens an" und auch er kam sofort. Es wurde beraten und dann ein Stein aus der Hauswand geflext und gestemmt. Nach liebevollem Locken kam die kleine Katze zu dem Loch und "mein Feuerwehrmann" hatte den Knirps in seinen Armen. Sie war unverletzt und wurde sofort von ihrer Mama gesäugt. Ein einmaliges Wunder und großartige Rettungsaktion dieser beiden Männer, die nichts dafür haben wollten außer die gesunde Katze. Das sind freiwillige Feuerwehrleute. Immer für andere da.
Ich konnte das Glück gar nicht fassen. Zwei Tage saß die kleine in der Wand und rief bis zur Rettung ganz kräftig und mutig um ihr Leben.
Am Donnerstag rief ich wieder beim Tierheim an und bat darum doch eiligst die Tiere zu holen. Denn die drei kleinen fingen ja schon an durch die Gegend zu krabbeln und ich hatte keine Möglichkeit sie woanders unterzubringen. Am nächsten Tag, also Freitagnachmittag, sollten sie abgeholt werden. Donnerstag war die Welt in Ordnung. Alle da, alle satt, alle gesund. Freitagmorgen das gleiche Bild, ich freute mich auf die Mitarbeiterin Laura des Tierheimes und dass die Katzenfamilie es guthaben wird.
Doch es sollte anders kommen. Am Mittag hörte ich lautes Miauen vom Dachboden und erwischte einen großen, nicht kastrierten Kater, der gerade in den Dachboden sprang. Über die Leiter hinterher, gelang es mir ihn zu verscheuchen. Durch diese Aufregung war meine Katzenfamilie nicht komplett zu sehen. Meine kleine Mauerkatze fehlte. Aber ich dachte, warte mal ab, die kommt gleich wieder aus ihrem Versteck. Also ließ ich die Katzen erstmal allein und wartete auf das Tierheim. Um 15 Uhr war es so weit. Die Katzen sollten in Sicherheit. Doch der Schock war groß! Es war nur noch das Muttertier da! Nach längerem Suchen fanden wir mit Laura ein Kätzchen. Dann war Stille. Die Mutter ließen wir auf dem Dachboden laufen, in der Hoffnung sie würde uns ihre restlichen Kinder zeigen. Doch das war erfolglos. Sie suchte selbst, knurrte und war aufgeregt. Wir suchten alles ab. Sogar draußen suchten meine Schwester und ich. Nach anderthalb Stunden suchen und in absoluter Stille horchen, hörte die Tierpflegerin Laura plötzlich ein ganz leises Miauen und sie arbeitete sich durch die gesamte Glaswolle mit vollem Körpereinsatz. Unter Brettern versteckt fand sie dann das 2. Kätzchen. Jetzt suchten wir die dritte. Das kleine graue Mauerkätzchen. Wir leuchteten auch in die Hohlschicht, wo sie ja vor 2 Tagen schon einmal reingefallen war. Aber nichts. Ich entschied, die Mutter und die beiden Kätzchen abzutransportieren. Ohne ein Zeichen der Kleinen würden wir sie niemals finden. Wir vereinbarten, dass ich den Abend und die Nacht aufmerksam nach ihr horchen würde. Und mich bei Erfolg sofort melde und am nächsten Tag das Tierchen nach Cuxhaven bringe. Aber die Hoffnung war gleich Null. Wie sollte ein knapp 4 Wochen altes Katzenbaby, dass schon 2 Tage ohne Muttermilch in der Wand gefangen war, jetzt so einen "wilden" Tag überstehen. Und wenn es wieder in die Hohlschicht gefallen war, dann wäre es bestimmt jetzt tot. Denn wir hörten nichts. Nach zweieinhalb Stunden fuhr die nichtkomplette Katzenfamilie Richtung Tierheim Cuxhaven in Sicherheit. Ich suchte wieder den Dachboden ab. Horchte, leuchtete mit der Taschen Lampe,- Nichts. Es war vorbei. Meine Schwester sagte noch, dass es ein riesiges Wunder wäre, wenn wir sie noch lebendig finden würden. Um 20:20 Uhr stand ich draußen, habe geraucht, schaute auf den rausgelösten Mauerstein und wollte dem Katzenretter von Mittwoch die traurige Nachricht schreiben, dass wir sie verloren haben. Und dann hörte ich sie mauzen!!!! Aus der Wand!!! Stein weg, einmal rufen und sie antwortete. Sehr schwach, sehr leise, aber war sie da! Wieder in der Hohlschicht! Ich rief sofort meinen Katzenfreund an. Der war baff, aber kam sofort!
Jetzt wurde es sehr ernst. Das Kätzchen war sehr schwach und die Hoffnung sie wieder mit Rufen zum Loch zu locken wurde immer kleiner. Jetzt wurde wieder der zweite Retter gerufen. Es mussten mehr Steine aus der Wand. Wir kamen sonst nicht an sie ran. Von oben wurde durch die Schicht mit einem verlängerten Zollstock das Kätzchen in Richtung Loch geschubst und von unten lockte ich mit "komm hierher" in den höchsten Locktönen, wie Frauen das eben können! Und sie kam! Und dann drehte sie um und krabbelte in die andere Richtung. Sie folgte aber immer wieder meinen rufen. Unser Maurermeister nahm einen zweiten Stein weg und vergrößerte das Loch. Es war jetzt 21:30 Uhr. Als der Lärm verstummte, saß das Kätzchen genau hinter dem Stein! Und der Retter von Mittwoch konnte zum zweiten Mal den kleinen Mauersitzer aus dem Loch holen und in seine Arme schließen. Es war unverletzt und quicklebendig! Um 21:40 Uhr standen 3 erwachsene, glückliche Katzenretter ungläubig vor einem Minigeschöpf. Das war ein unerwartetes riesiges Wunder!
Sie kam sofort in eine dicke, warme Kuscheldecke. Die Notfalltransportbox war ihr Bettchen. Und dann schlief sie auch schnell ein. Sie blieb in meinem Schlafzimmer, wo ich neben ihr schlief und Wache hielt. Am Samstagmorgen brachte ich sie nach Cuxhaven. Um 8:15 Uhr wurde sie zu ihrer Mutter gesetzt, die sie auch sofort wieder annahm! Was für ein Abenteuer! Welche Katze hat so etwas schon mal erlebt und überlebt! In einer Woche zwei Mal in eine Hauswand fallen und immer mutig um Hilfe zu rufen!
Ich habe aus diesem Erlebnis vieles mitgenommen. Es gibt so großartige Menschen, die, ohne zu zögern helfen. Man muss nur sagen, dass man Hilfe braucht. Und man selbst kann so viel mithelfen, wenn man auf Hilferufe hört. Wir sind alle schon mal in eine Hohlschicht gefallen, steckten fest, wussten nicht wo wir hinsollen und wo der Ausweg ist. Doch wenn wir mutig bleiben und nicht aufgeben, dann ist da Licht am Ende der Hohlschicht und wir müssen nur der Stimme folgen. Auch wenn es eine quietschendhohe Frauenstimme ist! "Komm hierher"!
Das war eine großartige Zusammenarbeit mit allen Beteiligten für die Rettung des zweimal verunglückten Katzenkind.
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