Wegen eines heftigen Unwetters in der Nacht musste der Zeltplatz am Deich evakuiert werden – übrig blieb verstreute Ausrüstung. Foto: May
Wegen eines heftigen Unwetters in der Nacht musste der Zeltplatz am Deich evakuiert werden – übrig blieb verstreute Ausrüstung. Foto: May
Heftiges Unwetter

470 Kinder evakuiert: Beachhandball-Turnier in Cuxhaven abgesagt

von Denice May | 20.06.2026

Ein heftiges Unwetter hat das Zeltlager des Beachhandball-Turniers in Duhnen verwüstet. Rund 470 Kinder und Jugendliche mussten evakuiert werden, einige Zelte flogen sogar bis in die Nordsee. Das Turnier wurde anschließend abgesagt.

Wo am Freitagabend noch Vorfreude auf ein Wochenende voller Beachhandball herrschte, bot sich wenige Stunden später ein völlig anderes Bild. Ein heftiges Unwetter verwüstete das Zeltlager des Beachhandball-Turniers des Handballverbands Niedersachsen-Bremen (HVNB) am Strand von Duhnen. Das für das Wochenende geplante Turnier wurde daraufhin abgesagt.

Betroffen waren rund 470 Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Alter von acht bis 14 Jahren. Die jungen Sportler wurden mitten in der Nacht aus dem Schlaf gerissen, als heftige Windböen über den Zeltplatz vor dem Deich hinwegfegten. Bereits am Freitag hatten die Verantwortlichen die Wetterentwicklung aufmerksam verfolgt. "Es hieß, es könnte geringen Niederschlag geben", berichtet Detlef Kortstegge vom HVNB. Als er in der Nacht die Wetterlage auf dem Radar beobachtete, bemerkte er jedoch, dass sich etwas zusammenbraute. "Erst kam etwas Regen und dann heftiger Wind. Es blitzte, aber donnerte erst nicht."

Eine leere Sparkassen BeachArena statt Beachhandball-Action: Nach dem heftigen Unwetter musste das Turnier abgesagt werden. Foto: May

Innerhalb kurzer Zeit verschärfte sich dann aber die Lage. Die starken Böen rüttelten die Zelte massiv durch. "Das Zelt wurde vom Wind richtig hochgedrückt, obwohl da zehn Kinder drin waren", schildert ein Vater aus Seelze die Situation und ärgert sich: "Es gab keine Warnung vom Wetterdienst." Auch sein Sohn erinnert sich noch genau an den Moment, als die Nacht plötzlich zur Ausnahmesituation wurde: "Ich bin wach geworden, weil geschrien wurde, dass wir alle aus den Zelten müssen und evakuiert werden."

Um 1.40 Uhr begann die Evakuierung des Zeltlagers. Unterstützung erhielt die Turnierleitung von der Feuerwehr. "Dabei lief alles gesittet ab. Die Feuerwehr ist dazugekommen und hat uns bei der Evakuierung unterstützt", sagt Detlef Kortstegge. Bereits im Vorfeld seien Notfallabläufe kommuniziert worden. "Wir hatten ja vor zwei Jahren schon mal eine Evakuierung. Deswegen waren wir dieses Mal besser vorbereitet und deutlich besser strukturiert."

Die Kinder und Jugendlichen wurden in bereitstehenden Bussen auf dem Turnierparkplatz sowie im Hotel "Windjammer" untergebracht. Einige Eltern holten ihre Kinder ab und nahmen sie mit in ihre Unterkünfte. Parallel wurden die Handballmannschaften kontaktiert, um sicherzustellen, dass niemand fehlte. Gegen 2.30 Uhr waren alle Teilnehmer in Sicherheit.

Die Pokale blieben unberührt und bleiben bis zum nächsten Turnier im August in den Kartons. Foto: May

Das ganze Ausmaß der Schäden wurde erst bei Tagesanbruch sichtbar. Zahlreiche Zelte waren aus ihren Verankerungen gerissen worden. Gepäck und Ausrüstung lagen verstreut auf dem Gelände. "Zelte sind teilweise bis in die Nordsee geflogen", berichtet Detlef Kortstegge.

Die Verantwortlichen entschieden sich am Morgen zur Absage des Turniers. "Bei der Evakuierung durften die Kinder nur ihre Wertsachen mitnehmen und hatten teilweise nicht mal ein T-Shirt an, weil es so warm war. Alles war durchnässt und sie haben fast gar nicht geschlafen. Und am Samstag hätten sie dann wieder bei so hohen Temperaturen spielen sollen. Deshalb haben wir uns dazu entschieden, das Turnier abzusagen", erklärt Detlef Kortstegge.

Für viele der jungen Teilnehmer war die Entscheidung dennoch eine große Enttäuschung. Der Vater aus Seelze zeigt Verständnis, sieht die Absage aber mit gemischten Gefühlen: "Die Turnierabsage ist verständlich, aber nicht im Sinne der Kinder. Viele sind darüber sehr unglücklich." Auch sein Sohn hätte gerne gespielt. "Die Sachen sind in der Sonne doch alle wieder getrocknet", sagt er. Immerhin sorgten einige Trainer spontan für einen kleinen Lichtblick und organisierten auf den Sandplätzen ein improvisiertes Spaßturnier. "So war die Anreise nicht völlig umsonst", berichtet der Vater. Die Familie wollte trotz allem zunächst bleiben. "Aber wir fahren jetzt erst einmal ins Hotel und holen Schlaf nach."

Kaputte Zelte und andere Ausrüstungsüberreste wurden nach dem heftigen Unwetter in Containern entsorgt. Foto: May

Auch den Organisatoren fiel die Entscheidung schwer. "Mir tun die Kinder leid und es tut mir in der Seele weh, dass wir das Turnier absagen mussten", sagt Detlef Kortstegge. Sein Blick richtet sich aber schon wieder nach vorn. Bereits im August steht das nächste Beachhandball-Turnier für die E- bis C-Jugend in Cuxhaven an. Die Resonanz ist groß, wie Detlef Kortstegge weiß: "Es gibt jetzt schon so viele Anmeldungen wie nie zuvor." Nun hoffen die Verantwortlichen, dass dann auch wieder ausschließlich der Sport im Mittelpunkt steht - und nicht das Wetter.

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