Allein nach Mallorca: Tennistalent aus Cuxhaven lebte als Zwölfjährige ihren Traum
Mit zwölf Jahren zog Alva Zander aus Cuxhaven allein nach Mallorca, um ihren Traum von einer Tenniskarriere zu verfolgen. Die Rafa Nadal Academy bot ihr die Chance, sich sportlich und persönlich weiterzuentwickeln.
Als andere Zwölfjährige nach der Schule ihre Hausaufgaben erledigten oder sich mit Freunden trafen, packte Alva Zander ihren Koffer. Nicht für eine Ferienfreizeit oder einen Familienurlaub, sondern für einen Umzug - allein nach Mallorca. Dort, auf dem Campus der Rafa Nadal Academy in Manacor, sollte 2024 für die damals Zwölfjährige ein neues Kapitel beginnen. Nun hieß es: eine neue Schule, jeden Tag Hochleistungssport und das Zusammenleben mit Jugendlichen aus aller Welt. Und all das weit weg von ihrer Familie in Deutschland. "Ich musste zuerst einen Aufnahmetest auf Englisch machen und Tennis-Videos von mir einschicken", erinnert sich Alva.
Dass sie überhaupt diese Chance bekam, war das Ergebnis jahrelanger Arbeit. Mit sechs Jahren begann sie beim TC Rheinstadion Düsseldorf Tennis zu spielen. Ihre ältere Schwester spielte bereits, und zunächst war Tennis einfach ein Hobby. Doch schnell wurde deutlich, dass in Alva mehr steckte. Schon mit acht Jahren gewann sie ihren ersten Titel. Mit elf Jahren wechselte sie an die Spencer Academy für leistungsorientierte Nachwuchsspieler: "Dort werden Jugendliche einfach intensiver gefördert."
Aufnahmetest und Tennis-Videos für die Zusage
Die Erfolge ließen nicht lange auf sich warten. Alva gewann die U11-Verbandsmeisterschaft des Tennisverbands Niederrhein und gehörte zu den stärksten Spielerinnen ihres Jahrgangs. Doch sie wollte mehr. Mit zwölf Jahren wagte sie einen Schritt, den selbst viele Erwachsene nicht leicht finden würden: Sie zog ohne ihre Familie nach Spanien, um dort auf die renommierte Rafa Nadal School zu gehen. "Ich musste zuvor einen Aufnahmetest auf Englisch machen und Tennis-Videos von mir einschicken", erinnert sich Alva.
Die Rafa Nadal International School verbindet Unterricht mit professioneller Tennisausbildung. Vormittags stand Schule auf dem Stundenplan, nachmittags mehrere Stunden Tennis-, Athletik- und Fitnesstraining. Sonnabends wurden Matches oder Turniere gespielt, sonntags blieb Zeit zum Durchatmen. Jugendliche aus den USA, Kanada, Japan und vielen weiteren Ländern lebten und trainierten gemeinsam auf dem Campus. Englisch wurde zur Alltagssprache. Und eine wichtige Sache gehörte auch dazu, um dem Heimweh keine Chance zu lassen: "Ich habe dort sehr schnell Freunde gefunden." Auch abseits des Trainings legte die Akademie großen Wert auf Gemeinschaft. An den freien Tagen organisierte das Betreuerteam gemeinsame Freizeitaktivitäten, sodass die Jugendlichen nicht nur sportlich, sondern auch persönlich zusammenwuchsen. Für Alva wurde die Academy in kurzer Zeit zu einem zweiten Zuhause.
Tägliches Training und Turniere im Ausland
Auch aus sportlicher Sicht sorgte das Jahr auf Mallorca für die heute 14-Jährige für einen großen Entwicklungsschritt. Alva trainierte täglich unter professionellen Bedingungen und spielte regelmäßig gegen internationale Spitzentalente ihres Alters. Während ihres Aufenthalts nahm sie an Turnieren in Griechenland, der Türkei, Spanien, den Niederlanden und Polen teil. "Das war cool, weil wir sehr viel gereist sind." Die vielen Reisen bedeuteten zwar wertvolle internationale Erfahrung, hatten aber auch einen Nachteil: Während sie auf der Tennis-Europe-Tour gegen die besten Nachwuchsspielerinnen Europas antrat, konnte sie keine Punkte für die deutsche Rangliste sammeln.
Vor ihrem Wechsel nach Mallorca belegte sie bereits Rang 14 ihres Jahrgangs in Deutschland. Nach ihrer Rückkehr war sie bis auf Platz 50 zurückgefallen. "Innerhalb von acht Monaten habe ich mich dann wieder nach vorne gearbeitet." Heute steht sie bereits wieder auf Rang 23 - Tendenz steigend.
Rund 65.000 Euro - ohne Stipendium
Eigentlich wäre Alva gerne länger auf Mallorca geblieben. Viele Schülerinnen und Schüler absolvieren dort ihren Highschool-Abschluss und wechseln anschließend mit einem Sportstipendium an ein College in den USA. "Aber meine Eltern wollten, dass ich für das Abitur nach Deutschland zurückkomme." Auch die Finanzierung spielte eine Rolle. Ein Jahr an der Rafa Nadal Academy kostet ohne Stipendium rund 65 000 Euro - inklusive Schule, Unterkunft und Training.
Seit dem vergangenen Sommer lebt Alva in Cuxhaven bei ihrer Mutter und ihrer Schwester und besucht das Amandus-Abendroth-Gymnasium. Parallel trainiert sie beim Club zur Vahr Bremen sowie zusätzlich in Cuxhaven, Otterndorf und Bremerhaven. Dass sie Schule und Leistungssport unter einen Hut bekommt, wirkt beinahe selbstverständlich. Dabei umfasst ihr Alltag oft mehrere Stunden Training, Fitness und lange Fahrten zu den Trainingsstätten.
Die an Nummer drei, zwei und eins gesetzten Spielerinnen besiegt
Aber auch das machte sich schnell bezahlt. In diesem Jahr gewann Alva sowohl den Einzel- als auch den Doppeltitel bei den U14-Landesmeisterschaften des Tennisverbands Niedersachsen-Bremen. Auf dem Weg zum Titel besiegte sie die an Nummer drei, zwei und eins gesetzten Spielerinnen des Turniers. "Das war für alle eine große Überraschung."
Kurz darauf folgte jedoch der erste größere Rückschlag ihrer Karriere. Ein Bänderriss zwang sie zu einer Trainingspause. Mittlerweile steht sie wieder auf dem Platz. Zuletzt durfte sie einige Tage an der TennisBase Hannover, dem Bundesstützpunkt des Tennisverbands Niedersachsen-Bremen, mittrainieren. "Es hat mir dort sehr gut gefallen. Wir überlegen gerade gemeinsam, wie es weitergehen könnte." Ihr kurzfristiges Ziel ist klar: "Ich möchte erst einmal in die Top Ten der deutschen Rangliste kommen." Und danach? "Ich würde gerne College-Tennis in den USA spielen und hoffe, dass ich nochmal zurück an die Academy nach Mallorca darf, um die Chance dafür zu bekommen." Denn Alva Zander hat einen Traum: "Natürlich wäre es schön, Profi zu werden - aber dafür muss schon vieles zusammenpassen."
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