Heute vor 50 Jahren: Erwin Heiber aus Hemmoor wird Deutscher Meister im Boxen
Der gebürtige Hemmoorer Erwin Heiber, früher Boxer des TSV Eiche Warstade, feierte vor 50 Jahren seinen ersten nationalen Erfolg. Am 8. Juni 1973 wurde er Deutscher Meister. Später machte er Karriere in Hamburg, war Profi, boxte um den EM-Titel.
Heute vor 50 Jahren wurde Erwin Heiber in Hemmoor ein großer Bahnhof bereitet. Der damals 17-Jährige war gerade zurückgekehrt von der Deutschen Juniorenmeisterschaft. Und das Talent vom TSV Eiche Warstade hatte sich den DM-Titel gesichert. Das war sein erster nationaler Titel - und somit der Grundstock für eine besondere Boxkarriere, die im Erwachsenenalter dann fast mit dem EM-Titel der Berufsboxer gekrönt worden wäre.
Erwin Heiber hat sich buchstäblich durchs Leben geboxt. Er wuchs zusammen mit neun Geschwistern, vier Brüder und fünf Schwestern, und seinen Eltern im Hemmoorer Stadtteil Westersode auf - die ersten Jahre direkt neben dem Sportplatz, dann ab 1960 in einem selbst gebauten Eigenheim. Es hat nicht lange gedauert, bis der Boxsport ins junge Leben von Erwin trat. "Wir Jungs haben ja schon zu Hause damit angefangen. Eben mal die Möbel beiseite gerückt, und dann ging's los", schildert der seit 32 Jahren in Stade lebende Ex-Sportler. Zum vereinsmäßigen Boxen hat ihn sein älterer Bruder Albert gelotst. Mit gerade einmal acht Jahren hat Erwin 1965 in der erst kurz zuvor gegründeten Abteilung des TSV Eiche Warstade begonnen.
Der erste Kampf ließ nicht lange auf sich warten. Gegen seinen vier Jahre älteren Bruder Fred musste Erwin in den Ring steigen. Wie üblich wurde dieser Einlagekampf unentschieden gewertet. Heiber ergänzt mit seinem typischen, verschmitzten Lächeln: "Dafür gab es ‘ne Tafel Schokolade." Sein Talent wurde gefördert von seinem Trainer Manfred Ulrich, der ihn bis zur Deutschen Juniorenmeisterschaft im Jahr 1973 brachte.
Wechsel nach Hamburg als junger Mann
"Danach musste ich raus, um mich weiter zu entwickeln", erklärt der heute 67-Jährige seine Entscheidung, 1974 mit gerade einmal 18 Lenzen zum Boxclub Heros nach Hamburg zu wechseln. Heiber musste sich schon umstellen: "Das war schon was ganz anderes. Das war knallhartes Training. Wir mussten erst draußen acht Mal 400 Meter laufen, erst dann ging es rein - dann ging es mit Sandsack-Arbeit und Sparring weiter."
In der Hansestadt hatte der junge Mann ein Zimmer, aber irgendwann zog es ihn noch einmal zurück nach Hemmoor. Der gelernte Maurer musste zur Bundeswehr. Während seines Wehrdienstes entschied er, Profi werden zu wollen. Mittlerweile pendelte er zwei- bis dreimal pro Woche für das Training von Hemmoor nach Hamburg. "Mein Bruder Albert war damals schon auf dem Kiez und hatte Kontakte zur Ritze. Da habe ich dann trainiert", beschreibt Heiber, warum er den Weg in den berühmten Boxkeller gefunden hatte.
Zunächst Boxen nur ein Hobby
Für seinen ersten Profikampf im Jahr 1976 erhielt er 800 Mark. "Wenn man den ganzen Aufwand abrechnet, dann war das doch unterm Strich nur Hobby. In der Zeit konntest Du auch nicht das große Geld verdienen", so Heiber, der dann jedoch Anfang der 1980er-Jahre schon etwas mehr verdiente.
Richtig spürbar hoch ging es mit den Gagen ab 1983. Der nur 1,72 Meter große Faustkämpfer gehörte eigentlich dem Weltergewicht an (bis 66,75 Kilogramm) an, doch mehrere bedeutende Fights lieferte er eine Gewichtsklasse darüber (Halbmittelgewicht, bis 71 Kilogramm) ab. Im Juli 1983 verlor er seinen ersten Titelkampf als Profi nach Punkten. Es ging um die Deutsche Meisterschaft der Berufsboxer im Mittelgewicht. Er unterlag Jean-André Emmerich nach Punkten. Doch Heibers zweite Chance kam schon im Februar 1984. In der Alsterdorfer Sporthalle in Hamburg gab es die Revanche. Der Hemmoorer siegte vor fast 2000 Zuschauern nach Punkten. "Das war eine enge Kiste, aber absolut zu vertreten", tritt Heiber dem Vorwurf von Emmerich entgegen, dass das Ergebnis ungerecht ausgefallen sei.
Berufliche Veränderung
Dieser Titelgewinn fiel in die Zeit, als er sich beruflich veränderte. Der Maurer wechselte vom Bau zum Hemmoorer Bauhof. Nun war es so, wenn er sich intensiv auf einen großen Kampf vorbereiten wollte, dass er für das aufwendige Training ein paar Wochen unbezahlten Urlaub nehmen musste. So unter anderem bei der beeindruckenden Titelverteidigung im Mai 1987 gegen Jürgen Broszeit. Ein technischer K.o. in der zweiten Runde beendete diesen Kampf, der damit auch beste Werbung für höhere Aufgaben, sprich internationale Einsätze, war. Im August endete ein Kampf gegen den Niederländer John van Elteren, immerhin Benelux-Meister, remis, obwohl Heiber hier zweimal zu Boden ging.
Die Voraussetzungen waren aber nicht optimal. Zwar war Heiber voll im Training, aber wegen der Kurzfristigkeit litt er nach dem Flug von Florida nach Hamburg unter dem Jetlag und er musste wieder eine Gewichtsklasse höher antreten. Dennoch lieferte er eine engagierte Leistung in dem über zwölf Runden angesetzten Fight vor 2000 Fans in der Alsterdorfer Sporthalle. "Ich hatte ihn auch angeschlagen, aber dann kam sein Konter an mein Kinn", erinnert sich der heute in Stade lebende Boxer. "Die Wirkung des Schlags habe ich noch lange gespürt, aber K.o. gegangen bin ich nicht, das bin ich als Profi nie. Einmal als Amateur traf es mich." In der elften und vorletzten Runde warf Heibers Ecke das Handtuch als Zeichen der Aufgabe. "Ich war stehend K.o., obwohl der Kampf bis dahin relativ ausgeglichen war", so die Einschätzung des Unterlegenen.