Kitesurfer Jannis Maus sichert Deutschland einen weiteren Startplatz bei Olympia
Jannis Maus ist bei der Europameisterschaft der olympischen Kitesurfer vor Portsmouth ein Coup gelungen: Der 27-jährige Oldenburger, der für die Cuxkiters startet, hat als Vierter zwar den Sprung aufs Podest verpasst, darf sich aber trotzdem freuen.
Maus sicherte sich dafür aber den wichtigen Nationenstartplatz für die deutschen Kiter bei Olympia 2024. "Hätte man mich vor der EM gefragt, ob ich lieber die Medaille oder den Nationenstartplatz will, hätte ich den Nationenstartplatz gewählt", sagte er nach den Rennen überglücklich.
Verrückt spielende Winde, Strömung, Seegras - die historische Stadt Portsmouth in Großbritannien stellte die insgesamt 112 Fahrerinnen und Fahrer aus 28 Nationen vor so manche Herausforderung auf dem Weg zur Europameisterschaft. Der Fokus lag allerdings nicht nur auf den Siegern des Wettkampfes, sondern vor allem auf dem Nationenticket für die Olympischen Spiele 2024, das es bei der EM zu ergattern galt. Und mittendrin war ein junger Mann, der für die Cuxkiters startet.
Weltmeister und mehrfacher Deutscher Meister
Jannis Maus gehört seit mehr als zwei Jahren offiziell zum Perspektivkader des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB). Durch die Aufnahme in den Perspektivkader erhält Jannis Maus eine Förderung - auch finanzieller Art. Zudem steigen die Chancen für ihn, 2024 in Paris dabei zu sein.
Es wäre ein weiterer Traum für den Oldenburger, der dann in Erfüllung ginge. Denn schon in den vergangenen Jahren hat Maus zahlreiche Titel gesammelt im sogenannten Kiteracing. Er wurde 2015 bereits Weltmeister und zudem mehrfacher Deutscher Meister. Mittlerweile hat sich Jannis Maus auf das Foilracing spezialisiert. Dabei hebt ein Flügel das Board aus dem Wasser. So können die hohen Geschwindigkeiten bis zu 80 Stundenkilometer erreicht werden. Auch in Cuxhaven packt Maus sein Hydrofoil immer öfter aus - je nach Wind- und Wetterlage. Vor mehr als acht Jahren stieg Maus auf diese Boards um. Vor allem weil es "viel, viel schneller" ist, wie er selbst sagt.
Gute Bedingungen am letzten Tag
Bei der EM In Portsmouth war er einer der schnellsten auf dem Board. Die Vorhersage für den letzten Renn-Tag vor den Medaillenrennen zeigte einen sonnigen und stetig windiger werdenden Tag an, sodass alle Fahrerinnen und Fahrer noch einmal ihr bestes abrufen wollten. Jannis Maus und Riccardo Pianosi (ITA), die sich weit abgesetzt hatten vor dem Rest der Flotte, lieferte sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen. "Auch wenn es das erste Rennen des Tages war, hat dieses Rennen einen Schalter in meinem Kopf umgelegt. Ich habe gesehen, dass ich Rennen gewinnen kann und unglaublich viel Zuversicht und Motivation aus dem Rennen gezogen", so Maus.
In den Halbfinals sollte sich entscheiden, wer einerseits ins Finale einziehen darf, aber auch wer sich den Nationenplatz sichern sollte. Jannis Maus bewies Nervenstärke und sicherte sich einen Platz im Finale. Im Endlauf waren es dann Riccardo Pianosi und Ellie Aldridge, die ihr Können eindrucksvoll unter Beweis stellten und die Europameisterschaft für sich entschieden. Sowohl Gisella Pulido als auch Jannis Maus zeigten sich nach den Rennen aber mehr als glücklich: "Auch wenn ich das Podium um einen Wimpernschlag verpasst habe, der Nationenplatz war glaube ich der weitaus wichtigere und schwierigere Part", so Maus.
Die erfolgreichsten Kiter des German Sailing Teams können sich nun auf ihre nationale Ausscheidung konzentrieren. Die deutschen Kite-Männer werden auskämpfen, wer den Nationenstartplatz bei der olympischen Regatta 2024 vor Marseille besetzen und für Deutschland starten darf. Denn: Der gesicherte Nationenstartplatz bedeutet nicht automatisch auch die Qualifikation für den Athleten oder die Crew, die ihn gesichert hat. Das individuelle Ticket wird in der nationalen Ausscheidung und bei Erfüllung der Kriterien des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) ersegelt.
Ein Teil der Flotte startet nun nach einer langen und intensiven Wettkampfzeit in eine kleine Pause, für den Rest geht es allerdings bereits nächste Woche bei der World Series am Traunsee weiter.
Für Jannis Maus ist der Traum von Olympia noch ein Stück nähergekommen. Ob er wirklich dabei ist, wird sich schon bald entscheiden.