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Reitmeister Christoph Hess beobachtet aufmerksam Constanze Weber im Viereck des Hadler Reitclubs, während er seine Philosophie der klassischen Reitlehre und des partnerschaftlichen Umgangs mit Pferden vermittelt. Foto: May
Reitmeister Christoph Hess beobachtet aufmerksam Constanze Weber im Viereck des Hadler Reitclubs, während er seine Philosophie der klassischen Reitlehre und des partnerschaftlichen Umgangs mit Pferden vermittelt. Foto: May
Reitsport

Rückkehr zu den Wurzeln: Reitmeister Christoph Hess coacht den Hadler Reitclub

von Denice May | 05.10.2026

Reitmeister Christoph Hess kehrt mit einem Coaching-Besuch ins norddeutsche Cuxhaven zurück und begeistert den Hadler Reitclub mit seiner Philosophie der klassischen Reitlehre und dem partnerschaftlichen Umgang mit Pferden.

Es war ein handgeschriebener, dreiseitiger Brief, der den Stein ins Rollen brachte. Sylvia Benz-Mesecke vom Hadler Reitclub griff zum Stift, fasste sich ein Herz und schrieb Christoph Hess, einer der einflussreichsten Persönlichkeiten des modernen Pferdesports: "Ich habe ihn darin einfach gefragt, ob er nicht die ländliche Reiterei fördern möchte." Und tatsächlich: Irgendwann klingelte bei Sylvia Benz-Mesecke das Telefon - am anderen Ende war Christoph Hess mit einer Zusage. "Der Brief war super nett formuliert", erinnert sich der 76-jährige Reitmeister. Im Verein waren alle völlig aus dem Häuschen. Für zwei Tage kehrte der international gefragte Ausbildungsbotschafter der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) nun dorthin zurück, wo seine lebenslange Liebe zu den Pferden begann.

Prägende Kindheit zwischen Duhnen und Altenbruch

Für Christoph Hess war der Besuch nämlich auch eine Reise in die Vergangenheit. Er besuchte als Kind die Gorch-Fock-Grundschule in Cuxhaven und ging danach ein Jahr lang auf das Gymnasium für Jungen, das heutige Amandus-Abendroth-Gymnasium. Die allererste Begegnung mit Pferden verdankt er einem benachbarten Kutscher in Duhnen: "Da habe ich ein Pferd zum ersten Mal von Nahem gesehen."

Wenig später saß er im Altenbrucher Reitclub im Sattel - damals lag die Anlage noch mitten im Ortskern in der heutigen Straße An der alten Reithalle. "Die Zeit in Cuxhaven war eine prägende Zeit", blickt Hess zurück. Obwohl er später die weltweite Reitsportszene prägte, blieb die Verbindung zur Küste bestehen. Wenn er in den vergangenen Jahrzehnten zurückkehrte, dann meist nur selten und im Privaten, um sich mit Familienmitgliedern zu treffen und in alten Erinnerungen zu schwelgen.

Ein Leben im Dienst der Ausbildung und des Spitzensports

Die berufliche Laufbahn des 1950 in Delmenhorst geborenen Christoph Hess ist eng mit der FN verbunden. Fast vier Jahrzehnte lang, von 1978 bis 2016, stellte er sein Wissen in den Dienst des Verbandes. Mehr als 30 Jahre lang leitete er die Abteilung Ausbildung und drückte der deutschen Reiterlandschaft damit seinen Stempel auf. Zudem stand er rund 20 Jahre lang als Leiter an der Spitze des Bundesleistungszentrums Reiten in Warendorf, wo er maßgeblich an der Förderung von Spitzen- und Nachwuchstalenten beteiligt war.

Auch im internationalen Spitzensport hinterließ Hess tiefe Spuren. Über 30 Jahre lang war er als internationaler Richter in den Disziplinen Dressur und Vielseitigkeit im Einsatz. Er richtete auf den prestigeträchtigsten Turnieren der Welt, darunter bei den Olympischen Spielen, Welt- und Europameisterschaften sowie dem CHIO in Aachen. Bis heute ist er dem Richterstuhl treu geblieben und richtet national weiterhin Prüfungen bis hin zur schweren Klasse (Grand Prix). Für seine herausragenden Verdienste wurde ihm 2019 das Reiterkreuz in Gold verliehen, eine der höchsten Auszeichnungen der FN.

Seine allererste Begegnung mit einem Pferd hatte Christoph Hess vor 66 Jahren in Cuxhaven. Foto: May

Vom Funktionär zum weltweiten Ausbildungsbotschafter

Mit dem Wechsel in den Ruhestand im Jahr 2016 wurde es um Christoph Hess aber keineswegs ruhiger. Die FN ernannte ihn zum offiziellen "Ausbildungsbotschafter". Er reiste um den Globus, um Lehrgänge zu geben, Seminare zu leiten und Vorträge zu halten, und engagierte sich aktiv in der Vorbereitung auf die Weltreiterspiele 2026 in Aachen sowie die Olympischen Spiele 2028 in Los Angeles.

Um sein Wissen der nächsten Generation zugänglich zu machen, nutzt er intensiv digitale Medien, veröffentlicht Online-Trainingsprogramme und Videos in den sozialen Medien, und erklärt in seinem eigenen Christoph-Hess-Podcast die Prinzipien der feinen Hilfengebung.

Fokus auf die Basis im Viereck

Nun stand das Wiedersehen in Cuxhaven ganz im Zeichen der praktischen Basisarbeit. Insgesamt 18 Teilnehmerinnen und Teilnehmer - die meisten von ihnen vom Hadler Reitclub - kamen in den Genuss, von dem renommierten Experten gecoacht zu werden. Wer ein elitäres Training nur für die schwere Klasse erwartet hatte, kennt die Philosophie des Reitmeisters nicht. Das Besondere an seiner Arbeit: Hess holt jeden Reiter dort ab, wo er steht.

Christoph Hess mit Constanze Weber und Sylvia Benz-Mesecke vom Hadler Reitclub. Foto: May

Die Basis seiner Arbeit bildet die klassische Reitlehre, kombiniert mit einem tiefen Verständnis für die Natur des Pferdes. Hess verficht den Grundsatz, dass das Pferd niemals als Sportgerät, sondern stets als Partner auf Augenhöhe betrachtet werden muss. Sein wohl bekanntester Leitsatz lautet: "Reite Dein Pferd vorwärts und richte es gerade!" Im Cuxhavener Training übersetzte er dies praxisnah: "Mein Credo ist, zu gucken, ob die Basis zwischen Pferd und Reiter in Ordnung und im Gleichgewicht ist", betont Hess.

Am liebsten wäre der prominente Gast noch länger an der Nordseeküste geblieben. "Der Plan war eigentlich, länger zu bleiben", gesteht er, doch der volle Terminkalender und seine aktuellen Verpflichtungen "zwingen" ihn zur schnellen Rückreise. Der kurze Abstecher hat sich für beide Seiten dennoch mehr als gelohnt. Für die Reiter der Region war es eine Stern- und Lernstunde im Viereck - und für Hess eine emotionale Erkenntnis: "Je älter man wird, desto mehr merkt man, wie prägend diese Zeit in Cuxhaven war. Ich bin froh, hier sein zu dürfen, und es macht mir großen Spaß."

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Denice May

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