Der Moment des Triumphes: Christopher tom Wörden fährt bei den Deutschen U17-Meisterschaften als Erster über die Ziellinie. Foto: shotbyhille
Der Moment des Triumphes: Christopher tom Wörden fährt bei den Deutschen U17-Meisterschaften als Erster über die Ziellinie. Foto: shotbyhille
Rudern

Schlag für Schlag Richtung EM: Otterndorfer Ruder-Talent greift an

von Jan Unruh | 05.03.2026

Mit zehn Jahren kenterte er bei seiner Premiere im Einer, heute gehört Christopher tom Wörden zu Deutschlands stärksten Nachwuchsruderern. Der U17-Meister aus Otterndorf startet nun in der U19 - mit klaren Zielen und einem vollen Wettkampfkalender.

Als Zehnjähriger blieb Christopher tom Wörden regelmäßig am Hadelner Kanal stehen und beobachtete die Boote auf dem Wasser. Wenige Wochen später saß er selbst darin - und kenterte prompt bei seiner ersten Fahrt im Einer. "Ich bin sofort ins Wasser gefallen", sagt der 17-Jährige und lacht. Heute zählt der Otterndorfer zu den besten Nachwuchsruderern Deutschlands.

Im vergangenen Jahr gewann tom Wörden den deutschen Meistertitel im Einer in der Altersklasse U17. Es war der bisher größte Erfolg seiner noch jungen Karriere. Zudem sammelte er beim Baltic Cup erstmals internationale Erfahrung im Trikot der deutschen Nationalmannschaft. Nun steht der nächste Schritt an: der Wechsel in die U19 - und damit in eine Altersklasse mit teils deutlich älterer Konkurrenz.

Sein Otterndorfer Trainer Martin Ramm erkannte früh das Talent seines Schützlings. Doch Talent allein reicht nicht. Sechs bis sieben Trainingseinheiten absolviert tom Wörden pro Woche. Nach der Schule oder dem Praktikum geht es fast täglich direkt weiter zum Ruderhaus am Kanal - Krafttraining, Ergometer, Laufeinheiten oder Wassertraining stehen auf dem Plan. "Es ist ein Gefühl von Freiheit", sagt er über die Einheiten im Boot. Gleichzeitig ist es harte Arbeit.

Eine echte Winterpause gab es nicht. Während der Kanal zufror oder das Wetter keine Ausfahrten zuließ, trainierte er im Kraftraum am Ergometer. Der Aufwand ist hoch, die Belastung ebenfalls. "Man muss lernen, mit Druck umzugehen", sagt der 17-Jährige. Gerade in der U19 geht es nicht nur um Siege, sondern um Perspektiven im nationalen Leistungssystem.

Der Otterndorfer Christopher tom Wörden gehört zu den besten Nachwuchsruderern Deutschlands. Foto: shotbyhille

Im April beginnen die entscheidenden Standortbestimmungen: Bei den Kleinbootüberprüfungen in München und später Hamburg misst sich die nationale Spitze im Einer. Die Rennen gelten als wichtige Kriterien für nationale und internationale Nominierungen. Wenige Wochen später folgen die Deutschen Meisterschaften in Essen. Der Otterndorfer tritt als Titelverteidiger an - auch wenn er in diesem Jahr in einer neuen Altersklasse an den Start geht. Tom Wördens Saisonziel ist klar formuliert: die Europameisterschaften im eigenen Land. Es wären seine ersten offiziellen internationalen Titelkämpfe. Der Baltic Cup im vergangenen Jahr war nur ein kleiner Vorgeschmack. Ein Traum wäre für ihn auch die Qualifikation für die Weltmeisterschaften, die dieses Jahr in Bulgarien ausgetragen werden. Doch so weit will tom Wörden noch nicht denken. Schritt für Schritt oder besser Schlag für Schlag geht er die Herausforderungen an.

"Es ist ein Gefühl von Freiheit", sagt Christopher tom Wörden über die Einheiten im Boot. Foto: shotbyhille

Da bleibt wenig Raum für anderes. Ab Frühjahr ist nahezu jedes Wochenende verplant. Wettkämpfe, Trainingslager, weitere Leistungsüberprüfungen. Ein längerer krankheitsbedingter Ausfall wäre schwer zu kompensieren. Das weiß er. Danach lebt der 17-Jährige auch. Doch der Ehrgeiz überwiegt. "Ich habe schon so viel erreicht. Manchmal kann ich es selbst kaum glauben. Aber genau das treibt mich an."

Mit dem Wechsel in die U19 wird aus Talent endgültig ein Leistungssportler. Die kommenden Monate entscheiden über EM- und vielleicht sogar WM-Starts. Für Christopher tom Wörden ist das kein Druck, sondern Antrieb - der nächste Schritt auf einem Weg, der längst Fahrt aufgenommen hat.

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