Oliver Trelenberg machte auf seiner 4850 Kilometer langen Benefiztour für schwerkranke Kinder auch in Cuxhaven Halt. Foto: Brettschneider
Oliver Trelenberg machte auf seiner 4850 Kilometer langen Benefiztour für schwerkranke Kinder auch in Cuxhaven Halt. Foto: Brettschneider
Gegenwind als Antrieb

4850 Kilometer Hoffnung: Benefiz-Radler macht Halt in Cuxhaven

von Bengta Brettschneider | 03.06.2026

Ein ehemaliger Krebspatient macht mit seiner Spenden-Radtour in Cuxhaven Halt. Auf 4850 Kilometern in 86 Tagen sammelt er Spenden für schwerkranke Kinder und Jugendliche und spricht offen über Krankheit, Armut, Einsamkeit und neue Hoffnung.

Als Oliver Trelenberg am Mittwochmorgen (3. Juni 2026) vor dem Havenhostel in Cuxhaven auf sein Fahrrad steigt, liegen noch mehr als zwei Monate und mehrere tausend Kilometer vor ihm. 

Trelenberg ist derzeit auf einer 86-tägigen Spendentour durch Deutschland unterwegs. Rund 4850 Kilometer will er dabei zurücklegen. Gestartet ist er am 18. Mai 2026 am Rathaus an der Volme, in Hagen. Seine Route führt ihn von Nordrhein-Westfalen entlang der Nordseeküste über Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern bis nach Berlin, Sachsen, Thüringen und Bayern, bevor er am 11. August wieder in Hagen ankommt.

Mit der Aktion sammelt er Spenden für den Verein "wünschdirwas" aus Köln. Der Verein erfüllt bundesweit schwerkranken Kindern und Jugendlichen lang ersehnte Wünsche. 

Schwere Kindheit und Kampf gegen die Sucht

Der Weg zu diesem Engagement war jedoch alles andere als geradlinig. Trelenberg wuchs nach eigenen Angaben in schwierigen Familienverhältnissen auf. Gewalt, Demütigungen und Alkohol prägten seine Kindheit und Jugend. Schon früh entwickelte er selbst eine Alkoholabhängigkeit.

Nach mehreren persönlichen Krisen gelang ihm 2003 schließlich der Ausstieg aus dem Alkohol. Er beendete den Konsum dauerhaft, begab sich in ärztliche und psychotherapeutische Behandlung und begann, sein Leben neu zu ordnen.

Wenig später entdeckte er das Radfahren für sich. Die Bewegung in der Natur habe ihm geholfen, mit psychischen Belastungen besser umzugehen und neue Lebensqualität zu gewinnen. Aus gelegentlichen Touren wurde mit den Jahren eine Leidenschaft.

Hendrik Wüst (l), Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, verleiht den Landesverdienstorden an den Spendensammler Oliver Trelenberg aus Hagen. Foto: David Young

Schockdiagnose Kehlkopfkrebs

Doch 2013 folgte der nächste schwere Einschnitt. Trelenberg erhielt die Diagnose Kehlkopfkrebs. Mehrere Eingriffe folgten. Zeitweise stand nicht nur seine Gesundheit auf dem Spiel, sondern auch die Frage, ob er seine Stimme behalten würde.

Bis heute leidet er unter den Folgen der Erkrankung. Kurzatmigkeit, Mundtrockenheit und Schluckbeschwerden gehören zum Alltag. Dennoch gab er nicht auf. Schritt für Schritt kämpfte er sich zurück aufs Fahrrad. "Mein Rad stand bei mir im Wohnzimmer und ich habe mich daran erinnert, dass Bewegung besser ist, als traurig auf dem Sofa zu sitzen", sagt der 60-Jährige.

2014 rief er schließlich das Projekt "Oli radelt" ins Leben. Ein Jahr später startete die erste Benefiztour unter dem Motto "Krebspatient radelt für guten Zweck". 57 Tage war er auf seiner ersten Tour unterwegs und hinterließ in jeder Stadt einen Flyer. Erst am Ziel erfuhr er, dass 11.500 Euro zusammengekommen waren.

Oliver Trelenberg, der "Spendensammler auf zwei Rädern", fährt auf seinem Rad durch den Westpark. Der Hagener radelt mit seiner Aktion "Oli radelt" seit elf Jahren jeden Sommer durch Deutschland - und sammelt dabei Spenden für krebs- und schwerkranke Kinder und Jugendliche. Foto: Federico Gambarini

Mut machen und Tabus ansprechen

Auf seinen Touren sammelt Trelenberg nicht nur Spenden. Er sucht auch das Gespräch mit Menschen am Wegesrand. Dabei spricht er bewusst über Themen wie Krebs, Einsamkeit, Armut und psychische Belastungen.

Er selbst lebt von einer kleinen Rente und kennt die finanziellen Sorgen vieler Betroffener. Deshalb sei es ihm wichtig, auch auf die sozialen Folgen schwerer Erkrankungen aufmerksam zu machen. "Durch die Krebsdiagnose folgte die Arbeitsunfähigkeit und dann die Verrentung."

Am Mittwoch setzte er seine Reise in Richtung Glückstadt fort. Was ihn antreibt, sind nicht Rekorde oder sportliche Höchstleistungen. Das Radfahren, sagt Trelenberg, sei für ihn kein Leistungssport. "Ich brenne für das Radfahren und ich brenne für das Spenden-Projekt." Es gebe ihm Halt, Struktur und Lebensqualität.

Die Schirmherrschaft für die aktuelle Spendentour hat Dennis Rehbein, Oberbürgermeister der Stadt Hagen übernommen. Dabei gehen die Spenden auf das offizielle Konto der Stadt - das ist Oliver Trelenberg wichtig. "Ich nehme auch kein Bargeld als Spende an", betont er. Weitere Informationen zu dem Projekt, Trelenbergs aktuellem Standort und dem Spendenkonto finden sich auf seiner Facebook-Seite "oliradelt" wie auch auf seiner Website www.oli-radelt.de. 

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Bengta Brettschneider

Volontärin
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

bbrettschneider@no-spamcuxonline.de

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