Das Musical-Ensemble holte sich den verdienten Applaus ab. Fotos Anja Zschau
Das Musical-Ensemble holte sich den verdienten Applaus ab. Fotos Anja Zschau
Auch optisch ein Spektakel

Zwischen Kunst und KI: Musical-AG des LiG Cuxhaven berührt und provoziert

von Redaktion | 02.06.2026

Die Musical-AG des Lichtenberg-Gymnasiums Cuxhaven entführte das Publikum im Stadttheater in eine Welt zwischen traditioneller Kunst und künstlicher Intelligenz, regte zum Nachdenken an und begeisterte mit eindrucksvoller Bühnenkunst.

"Ich habe deinen Augen Tränen entlockt, als ich das erste Mal sang. Das sind die Juwelen, die ein Sängerherz erfreuen." Mit diesem Satz aus Hans Christian Andersens Märchen setzte die Musical-AG des Lichtenberg-Gymnasiums den Ton für einen Abend, der das Publikum im gut gefüllten Stadttheater gleichermaßen rührte und zum Nachdenken brachte.

In einer Zeit, in der KI als reale Bedrohung für kreative Berufe diskutiert wird, traf die Inszenierung von Andreas Schmittbergers schwungvoller Musicalfassung einen Nerv. Im Mittelpunkt steht der Kaiser von China (Thelka Seeba), ein Herrscher mit Sinn für Kunst, der vom Gesang einer Nachtigall in seinem Garten betört ist. Als ihm aber aus Japan, das vom dortigen Kaiserpaar (Janne Siefer, Kate Werth) als Land des Fortschritts gepriesen wird, eine künstlich erzeugte Nachtigall geschenkt wird, verbannt er den echten Vogel zugunsten des (scheinbar) makellosen Ersatzes.

Erst die Rückkehr der Nachtigall wendet das Blatt

Bald jedoch entweicht mit dem verschwundenen, aus Liebe singenden Vogel (Keeshian Samson) auch das Glück des Kaisers. Auf dem Totenbett bereut er sein Verhalten und bittet den Tod (Leni Langanke) um Aufschub. Doch erst die Rückkehr der Nachtigall - ihr Lied weckt selbst im Tod Sehnsuchtsgefühle - wendet das Blatt.

Die verantwortlichen Lehrerinnen Anke Seifert und Sabine Rönnfeld unterstrichen die Aktualität des Themas mit einem Kunstgriff: Für die künstliche Nachtigall setzten sie ein tatsächlich per KI erzeugtes Lied ein. Der Kontrast zwischen programmiert perfekter Klangästhetik und der warmen, lebendigen Stimme der Nachtigall wurde so unmittelbar erfahrbar. Das populäre Beispiel für die Faszination virtueller Stars ist das japanische Phänomen Hatsune Miku - eine nur als Hologramm auftretende "Sängerin" mit weltweiter Fangemeinde -, das den Diskurs um Kunst, Technik und Autorschaft seit Jahren prägt.

Der Kaiser von Japan (Janne Siefer) und die Managerin (Tamara Zschau) wollen die Chinesen von der Überlegenheit der künstlichen Nachtigall überzeugen. Foto: Anja Zschau

Junges Ensemble begeisterte

Die Inszenierung des Lichtenberg-Gymnasiums griff diese Spannung bewusst auf. Das junge Ensemble (elf bis 14 Jahre) begeisterte mit abwechslungsreich gestalteten Tanz- und Gesangsszenen. Die erst zwölfjährige Keeshian Samson gestaltete die Titelrolle mit ihrer vollen, warmen Stimme, die den leisen Zauber der Figur spürbar machte. Thelka Seeba zeigte den Kaiser als machtorientierten, doch empfänglichen Charakter, dessen Einsamkeit am Ende der Geschichte deutlicher hervortrat.

Für pointierte Momente sorgten die dienstbeflissenen Haushofmeisterinnen (Greta Sylvester, Alina Guggenheimer) sowie die japanische Managerin (Tamara Zschau) mit facettenreich dargestellter Überlegenheit. Emma Schreiter setzte als Koch "Ther-Mo-Mix" komische Momente und die Gärtner Cheng und Chang (Ida Mordhorst, Lucia Sanchez) rahmten die Kapitel mit ironischen Debatten ein.

Ganz allein: Die Nachtigall (Keeshian Samson) ist vom kaiserlichen Hofe verbannt worden.

Instrumental live begleitet

Das gesamte 30-köpfige Ensemble überzeugte mit einer mitreißenden Spielfreude. Das Stück wurde durch Violine, Cello und Saxofon live begleitet. Svetlana Tempus spielte virtuos am Klavier, unterstützt von Mathes Wetzel am Bass. Die von Karolin Hofmann konzipierten, asiatisch inspirierten Kostüme und Frisuren prägten das Bild.

Musiktheater ist seit Langem ein Schwerpunkt am Lichtenberg-Gymnasium, dessen Aula wegen der Sanierungsarbeiten langfristig gesperrt ist. Das Stadttheater bot der Inszenierung mit den professionellen Möglichkeiten für Licht, Ton und Bühnenprojektion einen würdigen Rahmen. Sabine Rönnfeld dankte den Verantwortlichen der Stadt Cuxhaven, die dies ermöglicht hatten.

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