Altenbruch im Schatten der Offshore-Industrie: Stresstest für die Lebensqualität
Die Erweiterung des Offshore-Hafens spaltet Altenbruch: Wirtschaftlicher Aufschwung trifft auf Sorgen um das Ortsbild, während die Verkehrsanbindung und Lebensqualität auf dem Prüfstand stehen.
Die geplante Erweiterung des Offshore-Basishafens war nur eines der vielen Themen, die bei der Podiumsdiskussion zur Ortsratswahl in Altenbruch zur Sprache kamen. Im vollbesetzten Gemeindesaal diskutierten fünf Lokalpolitikerinnen und und -politiker miteinander und mit dem Publikum.
Das wollte unter anderem wissen, wie es mit der Alten Marsch und der Westanbindung Altenbruchs in Richtung Cuxhaven aussieht, wenn hier gigantische Hallen für die Offshore-Industrie auf 130 Hektar Fläche "Südlich der Baumrönne" errichtet werden und ein zwölf Meter hohes Dammbauwerk mit Schwerlastbrücke über die Bahnlinie den Offshorehafen mit der Bundesstraße 73 verbindet. Von der Alten Marsch bliebe dann nur noch die denkmalgeschützte Kopfsteinpflasterstraße übrig. Konkrete Antworten darauf gibt es noch nicht, aber einen Prüfauftrag, den der Ortsrat an die Stadtverwaltung gerichtet hat.
Sorge um das Ortsbild, wenn die Hallen näherrücken
Auf die Frage von Moderator Tim Larschow (CNV-Redakteur), wie sie die Weiterentwicklung des Offshore-Industriegebietes in Richtung Altenbruch beurteilen, waren sich Ortsbürgermeister Christoph Frauenpreiß (CDU), sein Stellvertreter Peter Altenburg (Die Cuxhavener), Tobias Quos (Grüne), Silke Tietje (SPD) und Heiko Lüke (parteilos) größtenteils einig. Auf der einen Seite begrüßen sie die Investitionen in die wirtschaftliche Entwicklung, die Schaffung von Arbeitsplätzen, auf der anderen Seite sorgen sie sich auch um das Ortsbild Altenbruchs, wenn die Hallen näherrücken.
Als "Trauerspiel" bezeichnete Frauenpreiß die Pläne für die Alte Marsch. Zwar glaubt niemand, dass tatsächlich 85 Meter hohe Hallen oder sogar 190 Meter hohe Türme für Seekabel errichtet werden, aber dass ein mächtiger Industriekomplex vor den Toren des Dorfes entstehenwird, ist mehr als wahrscheinlich.
"Wir wollen etwas für uns herausholen"
Noch sei das Verfahren offen, so Silke Tietje. Die Stadt sei in ihren Planungen transparent. Aber das ist offenbar der Preis für die Entwicklung. Hoffentlich im Einklang mit den Interessen Altenbruchs und seiner Einwohnerinnen und Einwohner und mit neuen Chancen für den wachsenden Ort. "Wir wollen etwas für uns herausholen", meinte Ortsbürgermeister Frauenpreiß. Aber wer wollte noch nach Altenbruch ziehen, wenn er riesige Industriehallen vor der Nase hätte?, fragte Heiko Lüke .
Was nun die künftige westliche Anbindung an Cuxhaven angeht, waren viele im Publikum der Ansicht, dass Fußgängern, Radfahrern oder auch Nutzern von Kleinkrafträdern die Möglichkeit eingeräumt werden sollte, in Richtung Stadt zu gelangen, ohne auf die B73 ausweichen zu müssen. Auch der gefühlt zunehmende Verkehr im Ort infolge des wachsenden Tourismus spielte in den Beiträgen eine Rolle. Die Lebensqualität in Altenbruch sei nach wie vor hoch, allerdings werde die Erweiterung des Campingplatzes zu einer stärkeren Verkehrsbelastung führen. Hinzu kämen Wohnmobile, die zwar zum Otterndorfer Campingplatz am See achtern Diek wollten, vom Navi aber mitten durch den Altenbrucher Ortskern geführt würden.
Tourismus ist Segen und Belastung zugleich
Die Kehrseiten des wachsenden Tourismus in dem kleinen Nordseebad ließen sich allerdings durch etliche positive Effekte wie einer guten Infrastruktur, funktionierendem Einzelhandel und touristische Einrichtungen aufwiegen, die auch den Einheimischen zugute kommen, waren sich die Podiumsteilnehmer einig. Zumal der Campingplatz seiner Vorstellung von sanftem Tourismus entgegenkomme, so Tobias Quos. Das passe zu Altenbruch. "Tourismus ist mehr als Verkehrsbelastung", so Christoph Frauenpreiß. "Wir profitieren davon, Es gibt einen wirtschaftlichen Mehrwert", ergänzte Peter Altenburg.
ÖPNV ist mehr als Schülertransport
"Wir sind gut versorgt in Altenbruch", stellte Peter Altenburgfest. Was aber fehle, sei ein guter öffentlicher Personennahverkehr, der nicht nur auf den Schülertransport ausgerichtet sei, sondern auch den Bedürfnissen älterer Einwohner gerecht werde. Und auch für mehr Kita-Plätze müsse gesorgt werden, plädierte Heiko Lüke. Das stoße allerdings an die Grenzen der Finanzkraft der Stadt, so Altenburg, deren Schuldenstand sich schon wieder dem Stand vor der Entschuldung annähere.
"Der Wolf gehört nicht an die Küste"
Einig waren sich die Lokalpolitiker beim Thema Wolf: Der habe am Deich nichts zu suchen. Eine Schutzzone müsse eingerichtet werden. "Der Wolf gehört nicht an die Küste", fand Silke Tietje. Derzeit seien aber eher Selfie-Touristen und Hunde das größere Problem für die Deichschäferei, meinte Peter Altenburg.
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