Paula erläuterte im Lampenraum die Funktion der so genannten Otterblenden, die durch Öffnen oder Schließen Lichtsignale abgaben, die für die Schifffahrt in der Nacht die Kennung des Leuchtfeuers ergaben. Fotos: Rohde
Paula erläuterte im Lampenraum die Funktion der so genannten Otterblenden, die durch Öffnen oder Schließen Lichtsignale abgaben, die für die Schifffahrt in der Nacht die Kennung des Leuchtfeuers ergaben. Fotos: Rohde
Technisches Baudenkmal

Kinder führen durch den Altenbrucher Leuchtturm "Dicke Berta" 

von Ulrich Rohde | 06.08.2026

Martha, Edda und Paula machen Geschichte lebendig, indem sie Kindern den Leuchtturm "Dicke Berta" in Cuxhaven-Altenbruch näherbringen. Ihre Führungen im historischen Bauwerk lassen die Vergangenheit auf spannende Weise für junge Besucher aufleben.

Wenn Kinder Kindern etwas erklären, dann wird es für sie oft leichter verständlich und unterhaltsamer. Das dachten sich auch Martha, Edda und Paula, als sie sich überlegten, Kindern Führungen im Leuchtturm "Dicke Berta" in Altenbruch anzubieten.

Die drei Mädchen - 14, 13 und 11 Jahre alt - verbringen regelmäßig ihre Sommerferien in Altenbruch und hatten schon im vorigen Jahr den Plan, anderen Kindern den denkmalgeschützten 13 Meter hohen Leuchtturm zu zeigen. Jetzt hat es geklappt. Der Förderverein Leuchtturm "Dicke Berta" freute sich über die Initiative der Kinder und lud zu zwei Führungen ein. Bei schönstem Wetter nahmen zahlreiche Kinder - überwiegend aus Urlauberfamilien - das Angebot an.

Die Wendeltreppe hinauf zum Maschinenraum

Während Martha im Eingangsbereich das Eintrittsgeld kassierte - einen Euro für Kinder und zwei Euro für erwachsene Begleitpersonen -, übernahm Edda den ersten Teil der Führung. Erste Station nach dem engen Wendeltreppenaufgang mit insgesamt 41 Stufen war der Maschinenraum in der ersten Etage, in dem sich eine original erhaltene Schwungradpumpe mit Druckluftkessel befindet. Einige Kinder trauten sich, das große Schwungrad zu bedienen.

Der Leuchtturmwärter musste diese Schwungradpumpe jeden Abend vor Dienstbeginn einige tausend Mal mit dem Handrad drehen. Damit wurde ein Luftkessel am Leuchtfeuer aufgepumpt und der erforderliche Druck für die Mechanik zum Betrieb der Blenden (Otterblenden) erzeugt. Der Druck reichte für eine Nachtschicht. Der Vorgang musste jeden Abend wiederholt werden.

Eine Koje für den Leuchtturmwärter

Ein Stockwerk höher liegt der Raum für den Leuchtturmwärter mit Koje, einem Stuhl, der sich zur Leiter umklappen lässt und einem Spiegel, in dem der Wärter den Lampenraum ein Stockwerk höher beobachten konnte.

Paula übernahm die Führung im Lampenraum, in dem heute auch Paare standesamtlich getraut werden können. Hier sorgte anfänglich Petroleum-Glühlicht und ab 1927 eine elektrische Glühlampe für das Licht, um die Signale über die Otterblenden an die Schifffahrt auf der Elbe zu versenden.

Aber warum nannte der Volksmund den weißen, genieteten Stahlturm mit schwarzer Laterne und schwarzem Kegeldach auf dem Altenbrucher Deich beim Sielhafen "Dicke Berta"? Vermutlich weil sie ein Pendant hatte. Die "Schlanke Anna" in Osterende-Groden war das Oberfeuer und die "Dicke Berta" in Altenbruch und der Turm in Neufeld waren die Unterfeuer.

Letzter bemannter Leuchtturm 1983 außer Dienst gestellt

1897 wurde sie in Betrieb genommen. 1919 wurde der Leuchtturm erneut in Betrieb genommen, nachdem er an einen anderen Platz versetzt worden war. Im Zuge der technischen Weiterentwicklung mit neuen, unbemannten Leuchttürmen wurde die "Dicke Berta" überflüssig. Bis 1983 tat sie als so genanntes Quermarkenfeuer noch ihren Dienst. Danach endete die aktive Zeit des Leuchtturms. Die "Dicke Berta" war der letzte mit einem Wärter besetzte Leuchtturm des Wasser- und Schiffahrtsamtes Cuxhaven. Doch anstatt verschrottet zu werden, nahmen sich Altenbrucher Bürgerinnen und Bürger des Wahrzeichens an und machten ihn zum Museumsleuchtturm. Es dauerte rund zehn Jahre, bis das technische Baudenkmal so wiederhergerichtet worden war, wie es heutzutage die Besucherinnen und Besucher erleben können. Die Arbeit des Fördervereins hört allerdings nie auf. Regen, Schnee und Salz setzen der Außenhaut des Turms aus Stahl gerade in den Wintermonaten zu. Immer wieder sind kostspielige Schutzanstriche nötig, um den Turm vor Korrosion zu bewahren.

Um den Erhalt des Turms zu sichern, kann er zwischen Ostern und Ende September gegen kleines Entgelt besichtigt werden - immer dienstags von 10 bis 12 Uhr und sonnabends von 15 bis 17 Uhr, vom 9. Juli bis 27. August auch donnerstags von 15 bis 17 Uhr. Und neben dem Schloss Ritzebüttel, dem Feuerschiff "Elbe 1 und dem Trauzimmer "Alte Liebe" im Rathaus ist der Leuchtturm "Dicke Berta" einer der offiziellen Trauorte für standesamtliche Hochzeiten in der Stadt.

Martha, Paula und Edda boten die Führungen für Kinder im Leuchtturm "Dicke Berta" an.
Edda (l.) sorgt für die Erläuterungen im Maschinenraum des Leuchtturms.

Wie hat Ihnen der Artikel gefallen?

(1 Stern: Nicht gut | 5 Sterne: Sehr gut)

Feedback senden

CNV-Newsletter

Wissen, was im Cuxland los ist: Alle wichtigen Nachrichten aus der Stadt und dem Landkreis Cuxhaven direkt in Ihr Postfach. Hier für den CNV-Newsletter anmelden.


Top Nachrichten



Bild von Ulrich Rohde
Ulrich Rohde

Redaktionsleiter
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

rohde@no-spamcnv-medien.de

Lesen Sie auch...
Ortsratswahl

Altenbruch im Schatten der Offshore-Industrie: Stresstest für die Lebensqualität

von Ulrich Rohde

Die Erweiterung des Offshore-Hafens spaltet Altenbruch: Wirtschaftlicher Aufschwung trifft auf Sorgen um das Ortsbild, während die Verkehrsanbindung und Lebensqualität auf dem Prüfstand stehen.

Für Kinder und Jugendliche

Kirchenkreis Cuxhaven-Hadeln mit dem Deichcamp in Altenbruch zufrieden

von Redaktion

Im Deichcamp Altenbruch erleben Kinder unbeschwerte Ferien voller Gemeinschaft und Abenteuer. Dank Förderungen zahlen Familien wenig und ihre Kinder genießen verlässliche Betreuung und neue Erlebnisse in sicherer Umgebung.

Für die ganze Familie

Piratenstimmung beim Gemeindefest in Altenbruch - 50 Jahre "Olenbrooker Schlüsenchor"

Bei bestem Wetter feierte Altenbruch sein Bürger- und Gemeindefest - unterstützt durch zahlreiche Ehrenamtliche. Der "Olenbrooker Schlüsenchor" begeisterte zum 50-jährigen Jubiläum und sorgte für unvergessliche Piratenstimmung. 

Zu wenig Abstand

Unfall im B73-Baustellenbereich zwischen Cuxhaven und Otterndorf: Ein Verletzter

von Redaktion

Eine Kollision im Baustellenbereich der B73 zwischen Cuxhaven und Otterndorf sorgt für einen Leichtverletzten. Es war zu einem Auffahrunfall gekommen, wodurch ein Fahrzeug im Graben landete.