"Was passiert mit meinem Zuhause?" - Bürger entsetzt über Sperrung der Alten Marsch
In Altenbruch sorgt der geplante Hafenzubringer für hitzige Diskussionen. Anwohner fühlen sich übergangen und fürchten um ihre Heimat, während die Stadt Chancen für Wachstum sieht. Besonders ein Punkt besorgt die Bürger.
"Ich fühle mich als Anwohner nicht mitgenommen." In Altenbruch fand am Freitagabend (02. Oktober 2026) ein Bürgerdialog zum neuen Hafenzubringer statt. Die Stadt Cuxhaven hatte eingeladen, um mit den Anwohnern Altenbruchs ins Gespräch zu kommen.
Die Aula der Altenbrucher Schule war voll - das Interesse an der Veranstaltung groß. 140 Leute waren angemeldet, weiteren musste aus Sicherheitsgründen abgesagt werden, schilderte Oberbürgermeister Uwe Santjer. "Hafenstandorte erleben einen Run", betonte er. So auch die Stadt Cuxhaven: Durch den Hafen können mehr Menschen sowie mehr Kapital nach Cuxhaven gelangen. Die neue Schwerlastbrücke, die zwischen den Gewerbeflächen, dem Siemens-Gamesa-Werk und der Bundesstraße 73 entstehen wird, sei notwendig als Anbindung der Liegeplätze sowie als weiterer Zubringer für den Hafen, so Santjer. "Bautätigkeiten in Einklang mit den Bürgern der Stadt zu bringen, ist die größte Herausforderung", sagte er.
Vorbereitende Maßnahmen starten im Oktober
Auch Altenbruchs Ortsbürgermeister sowie Bundestagsabgeordneter Christoph Frauenpreiß sieht in der Baumaßnahme eine große Chance. Die Alte Marsch habe Identität für den Ort, aber er sei bereit, Veränderungen weiter heranzubringen, hob Frauenpreiß hervor.
Ebenfalls das Wort ergriffen Arne Ehlers, Vorsitzender der Hafenwirtschaftsgemeinschaft, Andreas Eickmann, Baudezernat der Stadt Cuxhaven, und Christian Landwehr, Projekt-Ingenieur der Cuxhavener Hafen Entwicklungsgesellschaft. Eickmann stellte den Bauplan vor und Landwehr ging auf den Bauablauf und die detaillierte Planung ein. Zwischendurch gab es immer wieder Gemurmel aus dem Publikum.
Bereits ab Mitte/Ende Oktober 2026 starten vorbereitende Maßnahmen: Es soll eine Oberflächensondierung stattfinden, da mit oberflächennaher Munition zu rechnen sei, erläuterte Landwehr. Zudem werden Horizontalbohrungen Mitte Oktober an der Alten Marsch stattfinden - dafür wird die Alte Marsch für vermutlich zwei Wochen vollgesperrt. Ab Anfang 2027 soll dann mit der Maßnahme begonnen werden. "Wir können dann keine Durchfahrt mehr auf der Alten Marsch gewährleisten", verkündete Landwehr. Bei dieser Aussage wurde es unruhig in der Aula. Mitte des kommenden Jahres soll mit dem Brückenbauwerk gestartet werden.
Sperrung der Alten Marsch empört die Bürger
Nach über einer Stunde bekamen die Anwohner die Möglichkeit, das Wort zu ergreifen - und das taten sie. "Wie lange soll die gesamte Baumaßnahme überhaupt gehen?", fragte ein Mann. Bis Ende 2029, erklärte Christian Landwehr. "Wir brauchen die Alte Marsch, die Info kommt zu spät", äußerte sich ein Anwohner empört. "Ich fühle mich als Anwohner nicht mitgenommen", kritisierte er und erntete dafür Applaus aus dem Publikum. Es laufe ein Prüfauftrag für einen Plan B, schilderte Frauenpreiß. "Adressieren Sie das im B-Plan-Verfahren", ergänzte Eickmann.
Ein weiterer Anwohner hob hervor, dass die Alte Marsch zu verlieren ein großer Einschnitt für Radfahrer sei. Die Antwort von Andreas Eickmann, dass es ja noch den Radweg an der Bundesstraße gebe, stellte ihn nicht zufrieden. Der Radweg an der B73 sei nicht breit genug, besonders wenn jemand mit einem Elektrofahrzeug einem entgegenkomme, so der Anwohner. Zudem werde die B73 durch die Lkws mit Anlieferungen für die Baustelle noch voller. "Sie verkaufen uns, dass wir noch eine super Anbindung haben - Nein, haben wir nicht", unterstrich der Mann.
"Was passiert mit meinem Zuhause?"
"Wie sieht es mit der Baulärmbelastung aus?" "Wir werden Baulärm haben, ja", so Landwehr. Er könne nicht garantieren, dass nicht auch mal sonntags gearbeitet werde. Aber mit den Rammarbeiten im Hafen sei es nicht vergleichbar, versicherte er. "Was passiert mit meinem Zuhause?", fragte eine direkte Anwohnerin der Alten Marsch, die sich Sorgen um ihr Grundstück mache. Das sei noch nicht Teil der baumaßlichen Planung - erstmal blieben die Eigentumsverhältnisse bestehen.
Eine weitere Anwohnerin meldete sich mit einem vorbereiteten Monolog zu Wort: "Aber einen Monolog haben Sie ja auch gehalten", richtete sie sich an die Vortragenden. "Es geht etwas verloren, was sich Heimat nennt. Wir geben, was bekommt Altenbruch konkret zurück?" Mehrere Fragen stellte sie an Uwe Santjer gerichtet und erhielt dafür lauten Applaus. Jede ihrer Fragen sei berechtigt, sagte der Oberbürgermeister, er könne zum jetzigen Zeitpunkt aber nicht alle so beantworten, wie sie sich das wünsche.
Nach über zwei Stunden dankte Santjer den Anwohnern für den Austausch und kündigte an, dass es weitere Infoveranstaltungen geben werde. Die Gespräche und Diskussionen begleiteten die Anwohner noch raus aus der Aula und bis nach Hause - zufriedenstellend war der Abend für viele von ihnen nicht.
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