Bahnhaltepunkt Franzenburg rückt näher: Entscheidung 2026 erwartet
Nach über zwei Jahrzehnten des Wartens scheint der Bahnhaltepunkt Franzenburg endlich Realität zu werden. Vier mögliche Standorte stehen zur Debatte, doch nur zwei sind ernsthaft im Rennen. Welcher wird das Rennen machen?
2003 stand es erstmals in der Zeitung: "Der Bahnhaltepunkt Franzenburg kommt.” Ein Versprechen, das seitdem so viele Legislaturperioden überlebt hat wie kaum ein anderes kommunalpolitisches Thema in Altenwalde. Jetzt, im Frühsommer 2026, steht Marco Lammers vom städtischen Fachbereich 5 vor dem Bauausschuss der Stadt Cuxhaven, projiziert eine Plankarte an die Wand und zeigt mit einem Laserpointer auf vier weiß unterlegte Kästchen. Vier mögliche Standorte. Vier Varianten. Und - zum ersten Mal seit langer Zeit - ein konkretes Zieldatum.
"Technisch machbar ist das", sagt Lammers knapp, und dieser Satz klingt im Sitzungssaal Penzance fast wie eine Sensation.
Der Bahnübergang an der Robert-Koch-Straße in Franzenburg ist der Dreh- und Angelpunkt der Planung. Nördlich und südlich davon, jeweils auf der Ost- und Westseite, liegen die vier Varianten, die das beauftragte Planungsbüro derzeit unter die Lupe nimmt. Zwei davon sind nach aktuellem Stand so gut wie vom Tisch. Die Nordost-Variante scheitert laut Stadtbaurat Andreas Eickmann an der Straßensituation: "Das ist ein reines Wohngebiet. Die Straße ist relativ schmal und wir würden dann den gesamten Hol- und Bringverkehr in dieses Wohngebiet hereinziehen.” Die Nordwest-Variante scheidet wegen eines Gebäudes aus, das den Bau blockiert.
Südwest oder Südost - das ist hier die Frage
Bleiben zwei ernst zu nehmende Kandidaten: Südwest und Südost. Die Verwaltung tendiert zur Südwestseite. Dort ist die Hauptstraße breiter, der Hol- und Bringverkehr ließe sich sinnvoller abwickeln. "Man fährt wirklich nur rein in die Bucht, raus und fährt weiter", beschreibt Lammers den Vorteil einer Kiss-and-ride-Zone auf dieser Seite. Dazu käme eine Rampe für Barrierefreiheit.
Der Ortsrat Altenwalde dagegen hat sich bei einem eigenen Ortstermin für die Südost-Seite ausgesprochen, und das nicht ohne Grund. Dort existiert bereits ein Parkplatz. Wer sein Auto abstellt und den Zug nimmt, müsste nicht zusätzlich über den Bahnübergang. "Das ist natürlich charmant", räumt Ausschussvorsitzender Enak Ferlemann ein. Auch die Busanbindung spielt eine Rolle: Eine Südwest-Lösung könnte auf der gegenüberliegenden Seite mehr Raum für Parkflächen und eine bessere Verknüpfung mit dem Linienbus schaffen.
Ein Beschluss fiel nicht. Das Planungsbüro prüft jetzt die technischen Details, den Baumbestand, die Kosten und die Treppenanlagen. Im Oktober/November 2026 soll eine sogenannte Entscheidungsmatrix mit den Vor- und Nachteilen vorliegen. Dann erst soll der Ausschuss votieren.
Erst 2027 übergibt die Stadt an die Bahn
Wer glaubt, der Zug hält bald an, muss allerdings noch Geduld mitbringen. Marco Lammers rechnet damit, dass die Leistungsphasen eins bis vier der Planung Ende 2027 abgeschlossen sein werden. Erst dann übernimmt DB InfraGo die weiteren Schritte und beginnt mit dem Bau. Die Bahngesellschaft ist nach Angaben der Beteiligten von Beginn an in den Prozess eingebunden.
Dass der Bahnhaltepunkt überhaupt Fahrt aufgenommen hat, hängt nicht zuletzt mit der möglichen Rückkehr der Bundeswehr in die Kasernenanlage zusammen. Ausschussvorsitzender Enak Ferlemann (CDU) formuliert es noch pointierter: "Ehrlicherweise hat niemand geglaubt, dass wir den jemals realisieren wollen. Jetzt, durch die Nutzung der Kasernenanlage, macht der Bahnhaltepunkt absolut Sinn, und deswegen ist da jetzt auch Druck drauf.”
"Mehr als nur ein Militär-Projekt"
Doch Altenwalde ist größer als eine Kaserne. Das betonen gleich mehrere Stimmen im Ausschuss. Andreas Wichmann von der SPD: "Dieser Bahnhaltepunkt kommt nicht nur wegen der möglichen Kaserne. Er ist auch für die Bürger in Altenwalde da. Das ist für Altenwalde ein großer Gewinn und dadurch eventuell wieder weniger Verkehr mit dem Kfz.” Auch die Nachbargemeinden in der Wurster Nordseeküste blicken mit Interesse auf die jüngste Entwicklung.
Die Geschichte des Haltepunkts reicht weit zurück. 1994 - gerade einmal ein Jahr nach der Schließung des Altenwalder Bahnhofs 1993 - formierte sich die erste Initiative für einen neuen Halt in Franzenburg, initiiert damals von Ulrich Schröder. 2003 folgte der erste Pressebericht mit der Schlagzeile, der Haltepunkt komme. Er kam nicht. 2019 schufen Niedersachsens Verkehrsministerium, die Landesnahverkehrsgesellschaft LNVG und die Deutsche Bahn den Rahmen für 19 neue oder reaktivierte Stationen im Land. Der Haltepunkt Franzenburg war dabei. Die Planungskosten trägt die Stadt, Bau und Betrieb werden durch Land, LNVG und Bahn finanziert.
Jetzt soll die Vermessung des Geländes beginnen. Marco Lammers legt den Laserpointer beiseite. "Die Entwicklung sieht relativ gut aus", sagt er. Im Herbst wird der Ausschuss mehr wissen. Und vielleicht, zum ersten Mal seit 23 Jahren, auch etwas Konkretes entscheiden können.


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