Bretter statt Pricken: Was hinter den neuen Zäunen am Strand von Cuxhaven-Döse steckt
Die Pricken sind am Strand in Cuxhaven eigentlich nicht wegzudenken - so selbstverständlich wie Sand, Meer und Strandkörbe. In Döse allerdings verändert sich das vertraute Bild: Neben den Buschreihen tauchen nun Holzzäune auf. Was dahintersteckt.
"Sind wir hier etwa auf einer Baustelle?", fragt Anne-Marie Bernschau. Die Urlauberin aus Bottrop, die seit vielen Jahren regelmäßig nach Cuxhaven reist, zeigt sich im Gespräch mit cnv-medien.de überrascht von den hölzernen Absperrungen, die sich neuerdings entlang des Strandabschnitts auf Höhe der Döser Strandbar erstrecken. "So etwas habe ich hier noch nie gesehen", sagt sie und betrachtet die neu errichteten Zäune mit neugierigem Blick. Diese haben an mehreren Stellen die traditionellen Pricken ersetzt - jene Bündel aus Zweigen, die seit Jahrzehnten als Windschutz, zur Abgrenzung der Strandbereiche, aber auch als Watt-Wegweiser dienen.
Nicht nur die Urlauberin aus Bottrop wundert sich. Auch in den sozialen Medien wird eifrig über die Bretter diskutiert, die im Bereich des Strandfelds 74/75 aufgestellt wurden. "Ein gewöhnungsbedürftiges Bild", schreibt ein Nutzer, ein anderer findet den Zaun einfach nur "hässlich". Eine Facebook-Autorin hält die Aufstellung der Holzbretter für einen Scherz: "Der 1. April ist doch längst vorbei." Eine Cuxhavenerin notiert: "Ich möchte, ehrlich gesagt, meinen Korb nicht an so einer Bretterwand stehen haben."

Was aber ist der konkrete Zweck des Holzzauns am Strand? Was auf den ersten Blick wie ein Bruch mit der Tradition wirkt, ist nach CN/NEZ-Informationen in Wirklichkeit ein gezielter Test. Das bestätigt Katharina Ziersch, Sprecherin der Nordseeheilbad Cuxhaven GmbH. Die Gesellschaft verfolge mit der neuen Konstruktion mehrere Ziele. "Der Holzzaun dient wie bislang die traditionellen Birkenbuschreihen der Abgrenzung der Strandfelder sowie als Sandfang", sagt Katharina Ziersch. Damit erfülle er eine zentrale Funktion für die Strandpflege: Er unterstütze die natürliche Sandanlagerung und helfe, die Flächen zu strukturieren.
Zaun kann zurückgebaut und eingelagert werden
Der eigentliche Unterschied liegt jedoch im Material und in der Nutzung. Während die bisher verwendeten Buschreihen in der Regel nur eine Saison halten und anschließend entsorgt werden müssen, setzt man beim Holzzaun auf Wiederverwendbarkeit. Nach Angaben von Katharina Ziersch könne dieser nach der Saison zurückgebaut, eingelagert und im nächsten Jahr erneut eingesetzt werden. Ziel sei es, eine nachhaltigere Lösung zu finden, die Ressourcen schont und langfristig wirtschaftlicher ist.
Ganz neu ist die Idee nicht. Bereits in den 2000er-Jahren wurden alternative Systeme wie Schneefangzäune getestet. Diese hätten sich jedoch weder als dauerhaft noch als optisch überzeugend erwiesen, so die Sprecherin. Der aktuelle Ansatz soll nun genau hier ansetzen und eine praktikablere Lösung liefern.

Noch handelt es sich allerdings um ein begrenztes Experiment. Der Holzzaun steht nur auf einer Teststrecke in einem klar definierten Strandabschnitt. "Zunächst möchten wir praktische Erfahrungen hinsichtlich Haltbarkeit, Sandfangwirkung, Nachhaltigkeit und Akzeptanz sammeln", so Ziersch gegenüber cnv-medien.de. Erst auf dieser Grundlage werde entschieden, ob ein schrittweiser Ersatz der bisherigen Büsche infrage kommt.
Neben ökologischen Überlegungen spielen auch Sicherheitsaspekte eine Rolle. So soll unter anderem verhindert werden, dass bei Sturmfluten Materialien ins Meer gelangen, die dort Schaden anrichten könnten. Gleichzeitig bleibt die Funktion als Sandfänger entscheidend für die Entwicklung und Pflege des Strandes.
Bisher noch keine konkreten Rückmeldungen
Wie die neue Lösung bei Einheimischen und Gästen ankommt, lässt sich derzeit noch schwer sagen. Konkrete Rückmeldungen lägen bislang nicht vor, erklärt Ziersch. Man beobachte die öffentliche Diskussion jedoch aufmerksam und sei offen für konstruktive Hinweise.
Ob der Holzzaun also künftig zum festen Bestandteil des Döser Strandes wird oder nur ein vorübergehendes Experiment bleibt, ist noch offen. Die Entscheidung darüber dürfte erst fallen, wenn die Testphase ausgewertet ist - und wenn sich zeigt, ob die neue Optik nicht nur funktional, sondern auch akzeptiert ist.