Illeagles Blumenpflücken in Cuxhaven: Carpe Diem - aber bitte richtig!
Seit Jahren begeistert die Kolumne "Moin Cuxhaven" die Leserinnen und Leser der Cuxhavener Nachrichten und der Niederelbe-Zeitung. Inzwischen sorgt die Rubrik auch auf cnv-medien.de für Unterhaltung. Heute: Öffentliche Narzissen nicht pflücken.
Carpe diem, sagten die alten Römer. Pflücke den Tag. Nutze den Augenblick. Gemeint war damit: Lebe bewusst, genieße das Leben und lass es dir gut gehen. Nicht gemeint war: Halt kurz an, klappe den Kofferraum auf, knie dich mit Polster an den Straßenrand und schneide dir die Narzissen ab, die die Stadt Cuxhaven für alle gepflanzt hat.
Und doch, es geschieht. Entlang des Bäderrings, an der Straße zum Kreishaus, auf den Verkehrsinseln an vielen Orten der Stadt leuchten dieser Tage Tausende gelber Narzissen in der Frühlingssonne. Ein Anblick, der das Herz weitet. Offenbar manchmal ein wenig zu sehr. Radfahrer steigen ab, Spaziergänger zücken Scheren, und eine besonders gut ausgerüstete Dame - Kniepolster inklusive - machte kürzlich aus dem Straßenrand kurzerhand ihren persönlichen Blumenladen. Respekt vor der Vorbereitung. Weniger Respekt vor dem, was sie da tat. Denn diese Blumen gehören uns allen. Sie wurden gepflanzt, damit Cuxhaven strahlt, für jeden, der morgens zur Arbeit fährt, abends spazieren geht oder einfach mal kurz durchatmet auf dem Weg nach Duhnen oder anderswo. Ein kleines, gelbes Versprechen: Der Frühling ist da. Wer sich eine Narzisse nach Hause wünscht, absolut verständlich. Doch ein Blick auf den Wochenmarkt oder in das Gartencenter genügt: Dort gibt es ganze Bündel für kleines Geld, legal und frisch. Und die darf man dann sogar behalten.
Die alten Römer wussten es übrigens längst. Ein Sprichwort aus der Antike mahnt uns noch heute: "Qui flores publicos carpunt, pauperem civitatem faciunt." Wer öffentliche Blumen pflückt, macht die Stadt ärmer. In diesem Sinne: Carpe diem, Cuxhaven. Pflücke den Tag und lasst bitte die Blumen stehen.