Cuxhaven: Bachs h-Moll-Messe begeistert in St. Petri mit packenden Solisten
Ein musikalisches Feuerwerk in St. Petri: Bachs h-Moll-Messe begeistert mit packenden Solisten, einem brillanten Orchester und dem energiegeladenen Chor Concerto Vocale unter der Leitung von Jürgen Sonnentheil.
Eine großartige Konzertaufführung, die vom Publikum mit langanhaltendem Beifall bedacht wurde: Das ist, in wenigen Worten, die beeindruckende Bilanz in St. Petri. Und sie gilt der Aufführung von Johann Sebastian Bachs h-Moll-Messe unter der Leitung von Jürgen Sonnentheil mit fünf nicht minder beeindruckenden Solisten sowie dem auf historischen Instrumenten spielenden "Neu-Eröffneten Orchestre" und dem Chor Concerto Vocale - auch sie alle beide in Bestform.
Unter den von Bach komponierten Messen ist h-Moll-Messe mit Abstand die größte, sowohl zahlenmäßig wie inhaltlich und konzeptionell. Mit ihren 24 Musikstücken sprengt sie locker den liturgischen Rahmen, darunter 15 Chorstücke und neun Solostücke als Arien und Duette. Orchestral ist große Besetzung angesagt, wo sich zu den Streichern, Flöten, Oboen, Fagott, Horn, Trompeten und Orgel gesellen. All das garantiert Farbigkeit, ganz zu schweigen von dem, wie Bach seine polyphone Kunst und ein ganzes Füllhorn an musikalischen Gedanken entwickelt. Unstrittig ist: Die h-Moll-Messe aufzuführen, ist für alle Beteiligten eine absolute Herausforderung.
Und gerade weil das so ist, kann die Tatsache, dass das mit Kräften vor Ort geschieht - Jürgen Sonnentheil und dem Chor Concerto Vocale - gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Dabei erweist sich Sonnentheil‘s vor Jahren gegründetes "Neu-Eröffnete Orchestre" immer wieder als Glücksfall. Dass es im Laufe der Zeit immer wieder neue Gesichter unter den Instrumentalisten gab, liegt in der Natur der Sache. Nun musizierte es wahrhaft glanzvoll - als ganzer Klangkörper wie in der wechselnden instrumentalen Begleitung der Solopartien. Und obwohl dieses Mal in vergrößerter Besetzung blieb Transparenz das Gebot der Stunde.
Hochkarätiges Solistenquintett nach Cuxhaven geholt
Dass Bach für seine h-Moll-Messe ausgiebig auf das Parodieverfahren setzt, haben namhafte Bach-Forscher vielfach nachgewiesen. Fündig wird der Komponist vor allem bei den eigenen Kantaten, und so begegnet einem denn so manches davon in seiner Messe. Die wunderschöne Alt-Arie "Agnus Dei" beispielsweise, die dem Himmelfahrts-Oratorium "Lobet Gott in seinen Reichen" entstammt. Hier glänzte ganz besonders Judith Thielsen, die mit ihrer so ausdrucksstarken Stimme die Arie in all ihren Schattierungen wahrhaft gestaltete. Mit den beiden Sopranistinnen Meike Lelouschko und Sophia Körber, dem Tenor Heejun Kang und dem Bariton Peter Josef Rembold hatte Jürgen Sonnentheil für seine h-Moll-Messe ein in der Tat hochkarätiges Solistenquintett nach Cuxhaven geholt. Sehr fein aufeinander abgestimmt auch die von Fall zu Fall in dieser Besetzung gesungenen Chorpartien, beeindruckend dann die jeweiligen Solopartien oder Duette. So das wunderbar cantable Sopran-Alt-Duett "Et in unum Dominum" oder das berührende "Benedictus" des Tenors Heejun Kang.
Für Concerto Vocale beginnt die h-Moll-Messe gleich mit einer großen, herausfordernden Partie und davon gibt es im Laufe der Aufführung noch mehrere. Alle sind sie reich an Kontrasten, verlangen von Sopran-, Alt-, Tenor- und Bassstimmen genaues Hinhören und abwechslungsreiches Gestalten der einzelnen Partien. Und was vom Chor zu hören war, kann in seiner bemerkenswerten Fülle nur das Ergebnis intensiver Proben und Auseinandersetzungen mit dem so komplexen Werk sein. Manch einer (oder eine) wird gedacht haben: So gut war der Chor noch nie. Vielleicht nur ein momentaner Eindruck, der viel auch mit der gesamten Wirkung der Aufführung zu tun haben mag. Bei der vor dem Konzert oft nur einen einzigen Probe mit Orchester und Solisten ist das überhaupt nicht selbstverständlich.
Minutenlanger Schlussbeifall auch für den Dirigenten
Der begeisterte, minutenlange Schlussbeifall galt natürlich auch dem Dirigenten Jürgen Sonnentheil. Gerade auch, weil er eben mehr ist als "nur" der Dirigent. Denn er ist es, der in monatelanger Probenarbeit mit den Chorsängerinnen und Chorsängern, die allesamt ja keine Profis sind, das Werk erarbeitet. Und das ist zu einem ganz großen Teil Arbeit am Detail. Die manifestiert sich dann auch in Sonnentheils Dirigat bei der Aufführung, kennzeichnet die Art und Weise, wie er Chor, Solisten und Orchester zusammenführt.
Von Ilse Cordes
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