"Da Da Da": Trio-Gitarrist Kralle Krawinkel aus Cuxhaven starb vor zehn Jahren
Mit seiner Band beeinflusste er in den 1980er-Jahren maßgeblich die Neue Deutsche Welle, später sicherte er sich einen Eintrag im Guinness-Buch der Rekorde: Der in Cuxhaven aufgewachsene Trio-Gitarrist Gert "Kralle" Krawinkel starb vor zehn Jahren.
Gert "Kralle" Krawinkel, Sohn eines Kapitäns, kam am 21. April 1947 in Wilhelmshaven zur Welt und wuchs in Cuxhaven auf. In der Garage der Eltern sammelte er seine ersten musikalischen Erfahrungen - mit der Schüler-Beatband "The Vampyrs". In einem Interview mit unserer Zeitung im Jahr 2006 erinnerte er sich an seine musikalischen Anfänge: "Der erste große Auftritt war vor 800 Leuten im Kurpark. Wir konnten gar nicht spielen. Wir sind auf die Bühne und dann - peng - war die Beschallungsanlage kaputt. Da hat sich mein Bandkollege Jürgen-Cord Wöbber hingesetzt und mit dem Lötkolben das Ding gelötet. Das war der Auftritt."

Mitte der 1960er-Jahre spielte Krawinkel mit Stephan Remmler in den Bremerhavener Bands "Macbeats" und "Just Us", bevor er seine eigene Band "Cravinkel" gründete. Nach dem Abitur studierte er wie Remmler auf Lehramt. Später traten die beiden Musiker als Duo unter dem Namen "Wind" mit wechselnden Begleitmusikern auf und gründeten Ende der 1970er-Jahre mit Peter Behrens am Schlagzeug die Gruppe "Trio", einen der bekanntesten Vertreter der Neuen Deutschen Welle. Das Besondere am Sound von "Trio" war stets die reduzierte Einfachheit, was zu Beginn der 80er-Jahre revolutionär war. Ihr Debüt-Album "Trio" von 1981 vereinigte Punk, Hardrock, Schlager und Calypso und gilt als Meilenstein.
Krawinkel steuerte die Musik zu "Trio" bei, während Remmler sich um die Texte kümmerte. Von Krawinkel stammt auch der legendäre Ausspruch, als er nach den Bedeutungen der einzelnen Bandmitglieder von "Trio" gefragt wurde: "Stephan ist der Kopf, ich bin das Herz und Peter? Peter ist das Arschloch!"
1986 trennte sich die Band. Krawinkels Versuch einer Solokarriere blieb weitgehend erfolglos. Eine angedachte "Trio"-Wiedervereinigung in den 90er-Jahren zerschlug sich aufgrund musikalischer Differenzen zwischen Krawinkel und Remmler.
Nach seiner Karriere als Musiker trat "Kralle" 1997 noch einmal ins Rampenlicht: Sein Ritt auf einem Pferd von Sevilla nach Cuxhaven verschaffte ihm einen Eintrag ins "Guinness-Buch der Rekorde" als längste Reitwanderung der Welt.
Krawinkel lebte zuletzt hauptsächlich in Spanien, unterhielt aber eine weitere Wohnung in Berlin. Aus der Musik hatte er sich weitgehend zurückgezogen und ging seinen Hobbys, dem Westernreiten und der Olivenzucht, nach.
Seinen letzten größeren Auftritt in der Heimatstadt Cuxhaven hatte der Musiker im Jahr 2007, als in der Kugelbake-Halle anlässlich des 100. Geburtstags der Stadt Cuxhaven eine Oldie- und Wiedersehensparty gefeiert wurde. Dort traf "Kralle" auch auf seine alten "Vampyrs"-Bandkollegen Jürgen-Cord Wöbber, Jens Zimmermann und Peter Schimkat.
2013 wurde bei Krawinkel ein Bronchialkarzinom diagnostiziert. Am 16. Februar 2014 starb er 66-jährig in Cuxhaven. Der frühere Manager George Glück sagte: "Er hatte gekämpft und auch Hoffnung gehabt. Dann war er in Cuxhaven zur Kur. Nach einer Embolie ist er dann relativ bald gestorben." Er wurde auf See bestattet. Seine Witwe Monika Krawinkel verwaltet und betreut seine künstlerische Hinterlassenschaft.