"Liegt viel in der Luft": Expertenrunde in Cuxhaven gebildet nach Gewalt durch Kinder
Übergriffe auf Seniorinnen bewegten im vergangenen Sommer die Cuxhavener Bevölkerung, vor allem weil es sich bei den Tätern um Kinder gehandelt haben sollte. Erste Erkenntnisse wurden jetzt bekannt.
Es waren Fälle, die vergangenen Sommer bewegten und schockierten - auch wegen des Alters der mutmaßlichen Täter: Erst zehn und zwölf Jahre alt waren die Kinder, die im Schlossgarten eine 94-jährige Frau mit einem Kescher und einer Holzlatte geschlagen und zu Fall gebracht haben sollten. Wenige Tage später wurde eine 72-Jährige mit ihrem Hund durch vier oder fünf Jungen in Höhe der Abendrothschule attackiert, bespuckt und gedemütigt.
Auf Wunsch des Kommunalen Präventionsrats berief die Stadtverwaltung nach den Vorfällen eine Expertenrunde ein, um die Lage zu beleuchten und Erkenntisse über Schwachpunkte und mögliche Stellschrauben zu gewinnen. Kürzlich gab es einen Zwischenbericht. "Es liegt viel in der Luft", erklärte Stadtjugendpflegerin Svenja Plock und gab unumwunden zu: "Es gibt viele Herausforderungen und noch keine Lösungen."

Kriminalstatistik 2025 zeigt den Trend
In der Kriminalstatistik der Polizeiinspektion Cuxhaven für das Jahr 2025 lässt sich ein Anstieg der Kinder- und Jugendkriminalität ablesen - trotz deutlich zurückgegangener Diebstahlsdelikte und sexueller Belästigungen um 25 beziehungsweise 20 Prozent: Die Zahl der bekannten Körperverletzungsdelikte stieg von 138 auf 170 (über 23 Prozent) und die der Nötigungen und Bedrohungen von 47 auf 55 (plus 17 Prozent).
Präventionsratsmitglied Uwe Sandrock wünschte sich für weitere Sitzungen der Expertenrunde einen stärkeren Blick in die Stadtteile und insgesamt schnellere Reaktionen mit Hilfe der im jeweiligen Stadtteil bekannten Institutionen.
Denn gerade für diese Schlagfertigkeit sei der kleinere Kreis aufgestellt worden, für den nicht dieselben Formalitäten einzuhalten seien wie bei einer Gesamtsitzung des Präventionsrats. Insgesamt, das war dem früheren Polizeibeamten wichtig, biete Cuxhaven aber ein ruhiges und sicheres Wohnumfeld - trotz der kürzlich bekannt gewordenen Vorfälle in der Innenstadt.

Viele trauen sich nicht zur Polizei
Die Zahl der im Dunkeln gebliebenen Ereignisse ist eine unbekannte Größe: "Wir sehen nur das Hellfeld", gab Svenja Plock zu bedenken. Sie möchte Opfer bewegen, zur Polizei zu gehen und Anzeige zu erstatten: "Wir stellen immer wieder fest, dass sich erst nach dem Bekanntwerden eines Vorfalls weitere Betroffene melden."
Ein Augenmerk liegt auf dem Stadtteil Süderwisch, wo die Stelle eines Quartiermanagers oder einer Quartiermanagerin neu ausgeschrieben worden ist und weitere Netzwerkpartner gesucht werden. In einer weiteren Runde soll es außerdem ausschließlich um die im Stadtteil beobachteten Entwicklungen gehen, um unter anderem einen neuen Zugang zu den Familien zu gewinnen.
Nicht auf ein Viertel beschränkt
Gewalttaten beschränkten sich aber keinesfalls nur auf dieses eine Viertel, betonte der Präventionsrat. Vielmehr gehe es in jedem Stadtteil darum, Gesprächspartnerinnen und Gesprächspartner zusammenzubringen und voneinander wissen zu lassen. Vor den Sommerferien ist ein weiteres Treffen der Expertenrunde vorgesehen, um konkret weiterzukommen.