Dramatische Nachricht für Patienten in Cuxhaven: MVZ soll die Kreisstadt verlassen
Es ist ein Schlag für Tausende von Patienten, die ans Medizinische Versorgungszentrum Rohdestraße Cuxhaven angebunden sind: Im Frühjahr soll das MVZ, dem zurzeit fünf Ärzte angehören, am traditionellen Standort schließen.
Es ist ein Schlag für Tausende von Patienten, die ans Medizinische Versorgungszentrum Rohdestraße in Cuxhaven angebunden sind: Das MVZ soll im April 2027 geschlossen - nach offizieller Lesart: verlegt - werden. Demnach ist geplant, einen Teil des MVZ ans Krankenhaus Land Hadeln in Otterndorf zu verlagern und zusätzlich enger mit dem MVZ des Regionalen Versorgungszentrums (RVZ) in Nordholz zu kooperieren.
Die Nachricht, die seit einigen Tagen in der Stadt kursiert, wurde am Mittwoch auf Anfrage unseres Medienhauses durch Landrat Thorsten Krüger, Aufsichtsratsvorsitzender der Krankenhaus Land Hadeln Otterndorf gGmbH, bestätigt - mit dem Hinweis darauf, dass das MVZ hochdefizitär sei. Weitere Fragen sollten an die Geschäftsführung des Krankenhauses gerichtet werden.
Nach Aussage der Krankenhaus- und MVZ-Geschäftsführerin Jennifer Schroth seien mit der Verlagerung der KV-Sitze (KV = Kassenärztliche Vereinigung) wirtschaftliche Vorteile zu erzielen. Zudem solle ein Krankenhaus-MVZ auch örtlich an ein Krankenhaus angebunden sein. Der Umzug befinde sich in Planung und werde voraussichtlich im April 2027 vollzogen sein. Mit den Worten "Alle Patienten werden selbstverständlich vorab über den Umzug informiert" endet das knappe Statement.

An dem zentral gelegenen traditionellen Praxisstandort in der Rohdestraße 5 - direkt gegenüber der Stadtsparkasse Cuxhaven - hat unter anderem der Internist und Gastroenterologe Dr. Michael Bodanowitz bis zum Ruhestand jahrzehntelang praktiziert. Dem heutigen MVZ Rohdestraße gehören der Facharzt für Chirurgie, Orthopädie und Unfallchirurgie Dr. Henrik Lüder (gleichzeitig Durchgangsarzt für Arbeits-, Schul- und Wegeunfälle), Dr. Yasar Aydin (Facharzt für Innere Medizin und Gastroenterologie), Ralf Merheim (Facharzt für Chirurgie und Unfallchirurgie), Dr. Elmar Burg (Facharzt für Chirurgie und Orthopädie) und Abed Aref (Facharzt für Innere Medizin/Hausärztliche Versorgung) an. Ihnen stehen im Gebäude rund eineinhalb Etagen zur Verfügung.

Enges Netzwerk wird empfindlich getroffen
Die im selben Haus befindliche hausärztliche Praxis Eisenbarth, die Zahnärzte Thalmann, der Kieferorthopäde Dr. Feldmann sowie die Physiotherapiepraxis Brand gehören nicht zum MVZ, bilden jedoch zusammen mit diesem und der Nordsee-Apotheke im Erdgeschoss unzweifelhaft ein enges Netzwerk.
Seit Durchsickern der Nachricht ist auf den Fluren und in der Apotheke die Verzweiflung der Patientinnen und Patienten greifbar. Viele wissen nicht, wie sie mit ihren körperlichen Einschränkungen die Wege nach Otterndorf oder Nordholz schaffen sollen. "Dann sterbe ich", hat Kreistagsmitglied Gunnar Wegener in den vergangenen Tagen schon am Telefon gehört. Der Aufsichtsrat, dem er angehöre, sei über den bevorstehenden Umzug mit dem Hinweis auf die wirtschaftlichen Zwänge unterrichtet worden, bestätigte Wegener.
Oberbürgermeister Uwe Santjer, gerade erst neu mit der Situation konfrontiert, will erst noch Hintergründe erfahren und detaillierte Informationen einholen. Klar sei aber, dass eine solche Schwächung der einwohnerstärksten Stadt im Landkreis ein Schlag ins Gesicht für Menschen sei, die ohnehin bereits eingeschränkt seien. Die Entwicklung sei alles andere als im Sinn der Stadt Cuxhaven. Erst nach den anstehenden Gesprächen werde sich zeigen, ob wirklich bereits das letzte Wort gesprochen worden sei.

Alle vor vollendete Tatsachen gestellt
Von anderer Stelle war zu hören, dass nach Auffassung der Krankenhaus-Geschäftsführung alles beschlossene Sache sei. Die Objektverwaltungsgesellschaft GOG Rohdestraße mbh & Co KG bestätigt, dass sie über die Auszugspläne in Kenntnis gesetzt worden sei. Für Bernd Grassnick, Inhaber der Nordsee-Apotheke, ist der Umzugsplan fatal: In der Apotheke schütteten viele empörte und verzweifelte Patienten ihr Herz aus. "Insbesondere eine Ende der hausärztlichen Versorgung wäre dramatisch", warnt er. Auch solle das Vorhaben - das deckt sich mit weiteren Informationen unserer Redaktion - nicht in allen Teilen der Ärzte- und Belegschaft mitgetragen werden.
Auch Grassnick übt scharfe Kritik an dem intransparenten Verfahren, das allein mit dem Hinweis auf wirtschaftliche Gründe begründet worden sei - ohne Rücksicht auf drohende Versorgungslücken, eine brisante gesellschaftliche Lage und die weiteren Folgen für alle anderen Beteiligten. Für ihn deuten sich die eigenen Konsequenzen am Horizont bereits an: Ohne MVZ oder adäquate Nachbesetzung werde er die Apotheke schweren Herzens schließen, obwohl er dafür eine gute Nachfolgeperspektive im Auge gehabt habe und alle gern weitermachen würden: "Alle hier würden sich über neue Ärzte freuen und sind sicher alle gesprächsbereit", signalisierte er.
In den Kreistagsgremien soll über das Thema noch nicht gesprochen worden sein - schon gar nicht öffentlich. Auch über die Höhe des Defizits sowie andere Bemühungen, dieses zu reduzieren, ist noch nichts nach außen gedrungen.
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