Duhner Wattrennen 2026: 16.000 Besucher feiern Pferdespektakel in Cuxhaven
Sportlicher Ehrgeiz trifft Volksfeststimmung: Bei der 90. Auflage des Duhner Wattrennens jagten Galopper und Traber über den nassen Meeresboden. Rund 16.000 Besucher verfolgten das einzigartige Spektakel bei bestem Sommerwetter vom Deich aus.
Das Watt spritzt meterhoch, als die Pferde in gestrecktem Galopp auf die Zielgerade einbiegen. Hufe donnern über den nassen Meeresboden, Gischt fliegt durch die Luft. Auf dem Deich schnellen Ferngläser nach oben, Zuschauer feuern ihre Favoriten lautstark an. Noch wenige Meter. Dann ist die Entscheidung gefallen. Pferd und Reiter verlassen die Bahn wenig später von oben bis unten mit Watt bespritzt - erschöpft, aber glücklich. Am Deich wird gejubelt, andernorts werden Wettscheine noch einmal ungläubig betrachtet.
Es sind diese Bilder, die das Duhner Wattrennen zu einem Pferdesportspektakel machen, wie es wohl kein zweites auf der Welt gibt. Bei bestem Sommerwetter und vor der einmaligen Kulisse des Weltnaturerbes Wattenmeer erlebten rund 16.000 Besucher am Sonntag die inzwischen 90. Auflage der Traditionsveranstaltung.
Klappstühle und Ferngläser gehörten zur Ausstattung
Lange vor dem ersten Start hatten sich die ersten Pferdesportfreunde ihre Plätze auf dem Deich gesichert. Wolldecken, Picknickkörbe, Klappstühle und Ferngläser gehörten zur Ausstattung. Die Ränge waren ausgebucht, Familien fieberten gemeinsam mit - und wer auf das richtige Pferd gesetzt hatte, feierte seinen Wettgewinn lautstark.

Das Duhner Wattrennen ist stets auch ein Rennen gegen die Zeit. Erst wenn sich die Nordsee weit genug zurückgezogen hat, wird der Meeresboden zur Rennbahn. Bevor die Flut zurückkehrt, muss das letzte Pferd im Ziel sein.
Den Auftakt bildete der traditionelle Bügeltrunk vor dem Strandhotel Duhnen. Neptun zog mit seinem maritimen Gefolge ein, begleitet von Britta Quaiser am Akkordeon, den Cuxhavener Maskottchen "Jan Cux" und "Cuxi", den Haflinger-Freunden Kreis Cuxhaven und den Cuxland-Parforcehornbläsern. Mit einem kräftigen "Gut Nass, ahoi!" gab Neptun symbolisch das Geläuf frei.
Auch zahlreiche Gäste aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft verfolgten das Spektakel. Neben Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies waren unter anderem Innenministerin Daniela Behrens (SPD), der CDU-Bundestagsabgeordnete Christoph Frauenpreiß und der CDU-Landtagsabgeordnete Claus Seebeck vor Ort.
Cuxhavens Oberbürgermeister Uwe Santjer schwärmte von der Szenerie direkt vor der Küste. "Das ist die beste Kulisse, die man sich vorstellen kann für den Pferdesport", sagte er und empfahl den Besuchern, Sorgen und Alltagsärger für einige Stunden hinter sich zu lassen. Jos van der Meer, Präsident des Vereins für Pferderennen auf dem Duhner Watt, dankte insbesondere den vielen ehrenamtlichen Helfern, ohne deren Einsatz die Veranstaltung kaum zu bewältigen wäre.

Dann gehörte die Aufmerksamkeit den Pferden. Insgesamt elf Galopp-, Trab- und Trabreitrennen standen auf dem Programm. Die Prüfungen führten über Distanzen zwischen 1400 und 2500 Metern. Auf dem etwa 1,2 Kilometer langen Rundkurs kämpften Pferde und Aktive um Platzierungen und Preisgelder. Trotz des anspruchsvollen Untergrunds kam es erfreulicherweise zu keinen gravierenden Stürzen oder Unfällen.
An den Wettschaltern herrschte reger Betrieb. Für viele Besucher gehört ein kleiner Tipp zum Wattrennen dazu. Insgesamt wurde im Laufe des Renntages ein Wettumsatz von rund 145.000 Euro erzielt. Wer seine Entscheidung nicht allein aus dem Bauch heraus treffen wollte, nahm die Starter zuvor im Führring hinter dem Deich genau unter die Lupe oder informierte sich in der "Wettschule".
Sportlicher Höhepunkt des Tages war die Jagd um den Wanderpokal des Niedersächsischen Ministerpräsidenten. Das mit 6000 Euro dotierte Galopprennen führte über 1400 Meter. Am Ende hatte Ulrike Timmermann allen Grund zum Jubeln. Mit dem fünfjährigen Wallach Zein setzte sie sich nach einem spannenden Finish gegen die Konkurrenz durch.

Ministerpräsident Olaf Lies überreichte der erfolgreichen Reiterin, Pferdebesitzerin und Trainerin anschließend den Ehrenpreis - ein Porzellanpferd. Lies, der mit seiner Enkeltochter Ella nach Cuxhaven gekommen war, würdigte neben der einzigartigen Kulisse auch die Leistungen von Pferden und Aktiven. Eine Veranstaltung dieser Größenordnung könne nur gelingen, wenn sie "mit Herzblut, Engagement und Leidenschaft organisiert wird", betonte er. Das Wattrennen sei hervorragende Werbung für die Nordseeküste, Niedersachsen und Cuxhaven.
Auch in den Rennpausen blieb es auf und hinter dem Deich lebhaft. Die Haflinger-Quadrille präsentierte ihr Schaubild "Mozart", das Showteam Mirage unter anderem eine spanische Kür, und die Mini-Traber Hamburg waren ebenfalls im Watt unterwegs. Dazu erklangen die Hörner der Cuxland-Parforcehornbläser.

Bis zum frühen Abend folgte ein Rennen auf das nächste. Zu den weiteren sportlichen Höhepunkten gehörte das 2500-Meter-Trabrennen um das "Blaue Band des Wattenmeeres". Das elfte und letzte Rennen war für 18.30 Uhr angesetzt, anschließend klang der Renntag mit der Afterturf-Party hinter dem Deich aus.
Der nächste Termin steht bereits fest: Am Sonntag, 11. Juli 2027, kehren Traber und Galopper auf den Meeresboden zurück. Dann gibt es einen besonderen Geburtstag zu feiern: das 125-jährige Bestehen des Duhner Wattrennens.




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