Ein Cuxhavener ganz vorn: Make-up-Artist Torsten Witte gewinnt Europäischen Filmpreis
Sein größter Fan sitzt in Cuxhaven und ihr widmete Torsten Witte auch den Europäischen Filmpreis, den er an diesem Sonnabend gewonnen hat. In der Liga der Make-up- und Hair-Artists spielt er seit Jahren international ganz weit vorn mit.
Es war ein Ereignis, bei dem er sich der Unterstützung aus Cuxhaven sicher sein durfte: In einer Gala, die aus Berlin live in 29 europäische Länder übertragen wurde, ist der frühere Cuxhavener Torsten Witte am Sonnabend mit dem Europäischen Filmpreis ausgezeichnet worden. Er räumte den Preis in der Kategorie "European Make-up & Hair Artist" für seine Leistung im Film "Bugonia" ab.
Live in den Saal geschaltet
Zum ersten Mal überhaupt war bei diesem renommierten Filmpreis, der auch als europäischer "Oscar" bezeichnet wird, diese Sparte vertreten. Torsten Witte wurde nach der Verkündung der Jury-Entscheidung live in den Saal zugeschaltet, bedankte sich bei zahlreichen Wegbegleitern und widmete den Preis seiner Mutter Ilse Witte, die in dem Moment wahrscheinlich in Cuxhaven-Stickenbüttel mitfieberte.


Der Film "Bugonia" (Regie Yorgos Lanthimos) stellte für alle Beteiligten, allen voran Hauptdarstellerin Emma Stone, eine riesige Herausforderung dar und forderte ihnen gleichzeitig jede Menge Mut ab, angefangen damit, dass Emma Stone sich für die Rolle den Schädel kahlrasieren lassen musste.
Knallharte Managerin oder Außerirdische?
Als "furchterregend witzig oder urkomisch fürchterlich" bezeichnet die Fachpresse die auf dem koreanischen Vorbild "Save the Green Planet" basierende Science-Fiction-Komödie "Bugonia". Die britisch-amerikanisch-südkoreanische Co-Produktion feierte ihre Premiere im Herbst 2025 bei den Filmfestspielen in Venedig und erzählt die haarsträubende Geschichte der eisenharten Pharma-Managerin Michelle, die durch den Verschwörungstheoretiker Teddy und dessen geistig behinderten Cousin Don entführt wird. Beide vermuten in ihr eine gefährliche Außerirdische, nämlich eine "Andromedanerin".

Creme-Schicht stellte eine Herausforderung dar
Sie halten sie gefesselt im Keller gefangen, rasieren ihr den Schädel und cremen sie mit einer Spezialsalbe ein, die eine Kontaktaufnahme mit anderen Wesen ihrer Spezies verhindern soll. Torsten Witte musste Emma Stone außerdem das Gesicht und Aussehen für ihre Rolle als Managerin (vor der Entführung) und für Rückblenden in ihr früheres Leben als junge Michelle verleihen.
Das Vertrauensverhältnis der beiden basiert auf einer langjährigen Zusammenarbeit - am bekanntesten ist sicher der Blockbuster "La La Land", der Torsten Witte bereits 2016 in den Kreis der heißen Anwärter für die Golden Globes und die Academy Awards ("Oscars") katapultierte.

Jeden Tag persönliches Styling bei Torsten Witte
Nach mehreren Versuchen mit Glatzen-Kappen, unter denen Emmas Haare hätten verschwinden können, wurde klar, dass das für das Projekt einfach nicht funktioniert hätte, schon aus zeitlichen Gründen. Mit kahlem Schädel spielt Emma Stone die von den Peinigern gequälte, aber keineswegs wehrlose Michelle. Damit der Look jeden Tag gleich aussah, soll ihr Weg jeden Abend nach den Dreharbeiten zum Stutzen der spärlichen Stoppeln zu Torsten Witte geführt haben.
Von Extensions zu Kahlheit
Während er - Leiter der Make-up-Abteilung für den gesamten Film und Emma Stones persönlicher Make-up-Artist - ihr für die Rolle der Unternehmenschefin das eigene Haar noch mithilfe von Extensions verlängert hatte, musste er nach der Rasur für die dritte Rolle (die junge Michelle) mit Perücken arbeiten.
Verfremdet und unheimlich wirkt die kahlköpfige Michelle mit der dicken weißlichen Cremeschicht auf Schädel, Gesicht und Körper. Torsten Witte verleiht ihr die zum jeweiligen Moment passenden Facetten: Kleine Details vermittelten Stärke, Kontrolle oder Verletzlichkeit.
Weitere Eisen noch im Feuer: Kommen weitere Preise hinzu?
Eine Leistung, die Torsten Witte nun die renommierte Auszeichnung eingebracht hat; mitten in der internationalen Preisverleihungssaison, direkt nach den Golden Globes und während der Oscar-Nominierungsphase. Außerdem hat er mit "Bugonia" noch weitere Eisen im Feuer: Er befindet sich auf der Auswahlliste für den britischen Filmpreis (British Academy of Film and Television Arts) und ist in den USA für die angesehenen Guild Awards (Preis der Gewerkschaft für Maskenbildner und Hairstylisten in Film, Fernsehen und Theater) in den Kategorien "Hair" und "Make-up" nominiert.

Gerade Premiere der Netflix-Produktion "The Rip"
Und es läuft auch sonst: Seit wenigen Tagen ist auf Netflix der Thriller "The Rip" mit Matt Damon und Ben Affleck angelaufen, wo er ebenfalls für Hair und Make-up verantwortlich war.
Seine beeindruckende Laufbahn hat für den bodenständig gebliebenen Torsten Witte, der in diesem Jahr seinen 60. Geburtstag feiert, in Cuxhaven begonnen, wo er seine Kindheit und Jugend geborgen in Stickenbüttel erlebte, unter anderem als Teil einer Clique von Pferdebegeisterten und Reitern. Nach dem Realschulabschluss absolvierte er die Friseurlehre, die für die angestrebte Karriere als Maskenbildner obligatorisch war. Bis er in Los Angeles sesshaft wurde, war er international unterwegs.
Schon vor zehn Jahren, im Trubel um den Film "La La Land", wusste er im Gespräch mit unserer Redaktion genau die Wurzeln seines Erfolgs zu benennen: Zum einen seine Eltern, die ihn immer in allem unterstützt hätten, und zum anderen seine Kindheit in der Dorfstraße in Stickenbüttel.