Neuland für aus dem Binnenland angereiste Läuferinnen und Läufer: Der Schritt über den Flutsaum ins noch immer von einem Wasserfilm bedeckte Watt. Foto: Koppe
Neuland für aus dem Binnenland angereiste Läuferinnen und Läufer: Der Schritt über den Flutsaum ins noch immer von einem Wasserfilm bedeckte Watt. Foto: Koppe
Im Wettstreit mit den Gezeiten

"Einmal Neuwerk und zurück": Alle Infos zum Red Bull Wattlauf vor Cuxhaven (Video)

von Kai Koppe | 31.08.2025

550 Läuferinnen und Läufer stellten sich der Herausforderung des Red Bull Wattlaufs, der von Cuxhaven durch das Watt vor Duhnen nach Neuwerk und wieder zurück führte. Auf dem 24-Kilometer-Kurs kämpften sie gegen Sand, Salzwasser - und die Gezeiten.

Im Watt vor Duhnen kämpften circa 550 Teilnehmerinnen und Teilnehmer am Sonntag (31. August 2025) nicht allein gegen Sand und Salzwasser. Auf dem 24-Kilometer-Kurs (einmal Neuwerk und zurück) saß ihnen als zusätzliches Druckmittel der Gezeitenwechsel im Nacken. Wer den Insel-Leuchtturm nicht binnen einer bestimmten Frist erreicht hatte, wurde am Sonntag zum eigenen Schutz disqualifiziert: So sah es ein ausgeklügeltes Sicherheitskonzept vor.

Unter einem Red Bull-Label werden die Teilnehmer an diesem Vormittag starten, und selbstredend ziert der Schriftzug der bekannten Energy-Drink-Marke auch den am Duhner Strand aufgebauten Zielbogen. Das Getränk selbst findet unter Läufern zu dieser Stunde eher verhaltenen Absatz - kurz vor dem Start steigt der Pulsschlag automatisch, bei den meisten bedarf es keines Extra-Kicks aus der Dose.  

Schnellste unter den zahlenmäßig gut vertretenen Läuferinnen: Florentine Beese mit einer Zeit von 2:03:07. Foto: Koppe

"Hin wird es auf jeden Fall anstrengend", prophezeit Anna-Lena mit einem Blick Richtung Neuwerk. Zwölf Kilometer sind es bis zum Wendepunkt auf der Insel. Der Rückweg, so hofft die Cuxhavenerin, die schon an Events wie dem Giants Run in der Wingst teilgenommen hat, dürfte einen Tick entspannter zu bewältigen sein. Die Herausforderung dieses Wattlaufs sei weniger die Distanz als das Terrain. Obwohl sie zugibt, dass sie diesen Untergrund schätzt: nachgiebiger, nicht so hart wie Asphalt.

Cindy, Sonja und Andre, die aus München respektive aus Würzburg stammen, können noch nicht genau einschätzen, worauf sie sich einlassen. Sie werden an diesem Morgen buchstäblich läuferisches Neuland betreten. Den Zeitaspekt, eine Art Damoklesschwert innerhalb des vom Veranstalter kommunizierten Regelwerks werten sie allerdings nicht per se als Problem. Eine Herausforderung könnten die zweimal zwölf Kilometer trotzdem werden, glaubt Andre: Ist die Mixtur aus Salzwasser und Sand nicht der Garant für wund gelaufene Füße?

Aus Bayern angereist war diese Trio, das mit der Cuxhavener Veranstaltung in läuferischer Hinsicht Neuland betrat. Foto: Koppe

Die Bestzeit lag bei einer Stunde und vierzig Minuten

Langstrecken- und Ultraläufer Florian Neuschwander wird später noch von anderen Widrigkeiten zu berichten wissen - und mit einer Zeit von 1:40:45 dennoch als Erster die am Duhner Strand ausgerollte Ziellinie überqueren. Jetzt, da sich die meisten Teilnehmer noch auf den Tribünen rings um den Centre Court entspannen, hat der Lauf-Influencer, dessen Instagram-Kanal "runwiththeflow" es auf 175.000 Follower bringt, noch den ein oder anderen Ratschlag für die Läufer-Community parat. "Rechnet mit Marathon-Pace plus 40 Sekunden, das ist realistisch." Und: "Teilt euch die Kräfte ein, spart noch ein paar Körner für den Rückweg." Eigentlich eine Binsenweisheit, aber sicher entscheidend, um hier den Sieg zu erringen - sofern man sonst alles richtig gemacht und die Schnürung seiner Treter den örtlichen Gegebenheiten angepasst hat. "Macht eine Doppelschleife", schärft die Moderatorin den Läuferinnen und Läufer ein, die sich nach drei Leistungsfeldern gestaffelt im Startbereich einfinden. "Sonst zieht euch das Watt unterwegs die Schuhe aus!"

Glückliche Gewinner: Florian Neuschwander (r.) konnte den Red Bull Wattlauf 2025 mit einer Zeit von 1:40:45 für sich entscheiden. Rund dreieinhalb Minuten später ging Erik Peters durchs Ziel. Foto: Koppe

Dass das UNESCO-Weltnaturerbe andere Tücken birgt als ein Rundkurs im Wernerwald, weiß auch Aksel, ein "Local", der sich selbst als "Schönwetterläufer" bezeichnet. Aus diesem Grund hatte er vorher geübt und erfahren müssen, dass so ein Priel auch mal tiefer sein kann, als man gemeinhin annehmen würde. Es sind diese Unwägbarkeiten, die den Reiz des Red Bull Wattlaufs ausmachen.

Nervenkitzel aber kein unkalkulierbares Risiko

Die Rahmenbedingungen, wie sie in erster Linie durch den bei Niedrigwasser trocken fallenden Meeresboden vorgegeben werden, seien "schon speziell", bestätigt Tobias Abt vom Veranstalter BSP Media, Hamburg. Und ergänzt im selben Atemzug, dass aus Nervenkitzel kein unkalkulierbares Risiko erwachsen darf. Was das angehe, so Abt, habe man über das Modell der "Cut-off"-Zeit (zusätzlich zu Streckenposten und Begleitfahrzeugen) eine sehr gute Variante gefunden, welche die Sicherheit der Teilnehmer jederzeit gewährleistet. Wer es auf dem Hinweg nicht in einer zuvor gesetzten Frist auf die Insel schafft, scheidet postwendend aus. Am Ende werden es 14 Personen sein, die entweder selbsttätig umgekehrt sind oder aufgrund der Sicherheitsregeln disqualifiziert wurden. Letztere könnten später mit der Fähre zurückfahren, nachdem sie ein paar entspannte Stunden auf der Insel verbracht haben. "Ist ja auch ganz nett", wirft der Tobias Abt augenzwinkernd ein.

Anna-Lena Hesse hat (neben anderen Laufveranstaltungen) schon den Giants Run in der Wingst absolviert. Am Sonntag ging die Cuxhavenerin beim Red Bull Wattlauf an den Start. Foto: Koppe

Sportliches Highlight, aber auch ein Naturerlebnis

Wer den strengen Regeln der Veranstalter genügen konnte, tat allerdings ebenfalls gut daran, die eigene Leistungsfähigkeit objektiv einzuschätzen. Beim "Red Bull Wattlauf" handele es sich um eine Veranstaltung, die an der Grenze zwischen Breiten- und Profisport zu verortet sei, ist von offizieller Seite zu erfahren. Soll heißen, dass sich unter den 550 aus ganz Deutschland (und sogar aus Polen und aus Österreich angereisten) Startern genügend Sportler befinden, die naturgemäß mehr Leistung abrufen können als ein ambitionierter Hobbyläufer. Am Ende sind Bestzeiten vielleicht auch gar nicht der ausschlaggebendste Punkt. Denn im Nachhinein (so sehen es auch die Veranstalter) soll allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern vom Wattlauf vor Cuxhaven vor allem eines bleiben: die Erinnerung an ein einzigartiges Naturerlebnis.

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