Lüdingworth bekommt neues Baugebiet: Warum sich "Elvenring II" verzögert
Das geplante Baugebiet "Elvenring II" in Lüdingworth sorgt für hitzige Debatten im Stadtrat. Der Wunsch nach einem Schnellstart scheitert, doch das Projekt ist nicht vom Tisch. Welche Hürden stehen dem Vorhaben im Weg?
Lüdingworth soll ein neues Baugebiet bekommen, das ist seit Jahren beschlossene Sache. Am Ende der jüngsten Ratssitzung vor der Sommerpause ging es nur noch um das Tempo. CDU-Ratsherr Thomas Brunken, zugleich Ortsbürgermeister von Lüdingworth, beantragte unter Tagesordnungspunkt 33.2 eine Sofortabstimmung. Die Verwaltung sollte umgehend beauftragt werden, die planerischen Voraussetzungen für das Baugebiet "Elvenring II" zu schaffen. Der Rat lehnte diesen beschleunigten Weg ab.
Sofortabstimmung scheitert im Rat
Brunken erinnerte den Oberbürgermeister an dessen eigenes Versprechen vom Neujahrsempfang, wonach jedes Ortsgebiet sein Baugebiet erhalten solle. Der Antrag des Ortsrates Lüdingworth stamme bereits vom 2. Dezember 2025 und sei durch ein Büroversehen erst jetzt auf die Tagesordnung gekommen. Die Flächen gehörten der Stadt bereits, umwelt- und wassertechnisch gebe es keine größeren Hürden.
SPD-Ratsherr Gunnar Wegener widersprach nicht dem Ziel, wohl aber der Reihenfolge. Erst müssten die laufenden Baugebiete Altenwalde und Sahlenburg fertiggestellt werden, danach könne Lüdingworth folgen. Die Verwaltung könne die zusätzliche Aufgabe derzeit realistisch nicht leisten.
CDU-Ratsherr Thiemo Röhler hielt dagegen: Altenwalde sei bereits im Bau, Sahlenburg weitgehend fertig, ein Argument gegen den sofortigen Start gebe es daher nicht. Die Mehrheit aus SPD und Bündnis 90/Die Grünen sowie Oberbürgermeister Uwe Santjer folgten dieser Argumentation nicht.
Wichtig für das Verständnis der Entscheidung: Eine Sofortabstimmung setzt nach der Geschäftsordnung des Rates voraus, dass sich mindestens fünf oder mehr Stimmen dafür aussprechen. Ist das nicht der Fall, gilt der Antrag auf dem Schnellweg als gescheitert. Das ist am 30. Juni passiert. Aus dem Rathaus heißt es dazu auf Nachfrage der Redaktion ausdrücklich, dass damit weder das Baugebiet selbst abgelehnt noch dessen Planung grundsätzlich verzögert werde.
Das Grundstück ist bislang ohnehin nicht überplant, ein Investor oder Bauträger steht dem Vernehmen nach bisher nicht fest. Der reguläre Weg führt nun über die zuständigen Ausschüsse, wo der Wunsch des Ortsrates gründlich beraten werden soll, bevor der Rat abschließend entscheidet.
Ortsrat Lüdingworth ist enttäuscht
Diese verfahrensrechtliche Einordnung erreichte den Ortsrat Lüdingworth zunächst nicht. In einer Pressemitteilung an unsere Redaktion zeigte sich Ortsbürgermeister Thomas Brunken enttäuscht über die Entscheidung von Oberbürgermeister Santjer und der Ratsmehrheit. Seit Jahren sei bekannt, dass Lüdingworth wie jeder andere Stadtteil ein weiteres Baugebiet erhalten solle. Familien wollten in ihrem Heimatort bleiben, junge Menschen bauen, Ältere dortbleiben. Der Ortsrat habe frühzeitig die Initiative ergriffen, damit die Verwaltung die notwendigen Planungen endlich vorantreibe. Wer bezahlbaren Wohnraum schaffen wolle, müsse rechtzeitig planen und nicht erst handeln, wenn der Bedarf längst da sei, so Brunken. Mit der Ratsentscheidung sei eine Chance vertan worden, die Entwicklung Lüdingworths aktiv voranzubringen, das sei ein fatales Signal für junge Familien.
Verwaltung sieht keine Verzögerung
Brunken verwies zudem auf den neuen Kindergarten in Lüdingworth als Beleg dafür, dass sich junge Familien bewusst für den Ortsteil entschieden. Es mache ihn als Ortsbürgermeister wütend, dass sein Ort bei der Wohnbebauung ausgebremst werde, während andernorts viel vom Wohnungsbau gesprochen werde. Der Ortsrat werde sich weiter mit Nachdruck dafür einsetzen, dass junge Familien in Lüdingworth bauen und Ältere dort ihren Lebensabend verbringen könnten.
Nüchterner klingt die Einschätzung aus dem Rathaus. Dort betont man, dass der Fahrplan für Lüdingworth grundsätzlich stehe, nur eben nicht auf dem von der CDU gewünschten Schnellweg, sondern über die ordentliche Beratung in den Ausschüssen. Für die Menschen in Lüdingworth bedeutet das vor allem eines: Das Baugebiet "Elvenring II" ist nicht vom Tisch, es braucht nur noch etwas Geduld.
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