Kälte scheint nicht gleich Kälte zu sein
Seit Jahren begeistert die Kolumne "Moin Cuxhaven" die Leserschaft der Cuxhavener Nachrichten und der Niederelbe-Zeitung. Inzwischen sorgt die Rubrik auch auf cnv-medien.de für Unterhaltung. Heute: Beobachtungen aus der Übergangszeit.
Vor ein paar Tagen habe ich morgens das untrügliche Zeichen des Herbstes zum ersten Mal nach langer Zeit wieder gesehen: den charakteristischen Bodennebel auf den Weiden zwischen Altenwalde und Cuxhaven. Eine der schönen Ansichten dieser Jahreszeit, die einen immer unwillkürlich ein bisschen frösteln lässt und in mir jedes Mal den Wunsch weckt, sofort das Auto abzustellen und alles im Bild festzuhalten.
Und während ich so vor mich hinsinniere und an die kalte Jahreszeit denke, kommt an mir auch schon die erste Person mit dem Fahrrad vorbei. Sie trägt kurze Hosen. Hallo? Sprach ich nicht eben gerade vom Herbst? Schaudernd blicke ich ihr hinterher und frage mich: Wie machen diese Leute das? Für mich ist das ein ebenso wiederkehrendes Phänomen der Übergangszeit - Kälte scheint nicht gleich Kälte zu sein.
Während ich am Tag der deutschen Einheit in Winterjacke auf dem Kaemmererplatz stehe, sehe ich um mich herum immer noch Menschen in T-Shirt und Shorts, und sie schauen nicht mal gequält dabei. Manche halten - während obenrum schon einige Schichten hinzugekommen sind - zumindest noch an nackten Füßen in Sandalen fest.
Selbst ich gebe zu: das erste Mal wieder Socken, das erste Mal wieder ein Unterhemd oder die dicke Jeans nach dem Sommer - das ist hart, weil man die schöne Zeit noch ein bisschen festhalten will. Aber so groß, dass ich dafür zitternd durch die Landschaft fahre, ist die Sehnsucht dann doch wieder nicht. Dann begebe ich mich lieber in dicken Sachen ins Schicksal - und in nur sechs Monaten wird's ja auch schon wieder wärmer...
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