Kleiner Nager, große Schäden: Nutrias gefährden an der Oste die Deichsicherheit
Der Ostedeichverband betreut insgesamt 67,5 Kilometer Deichlinie an der Oste sowie 5,1 Kilometer Elbdeich. Bei den Frühjahrsschauen nahm man die Baustellen ebenso wie Probleme unter die Lupe. Nutrias, Maulwürfe und Wölfe gefährden die Sicherheit.

Der Ostedeichverband kümmert sich um insgesamt 67,5 Kilometer Deichlinie an der Oste sowie 5,1 Kilometer Elbdeich. Bei den anstehenden Frühjahrsschauen nahm man die Baustellen ebenso wie die Probleme unter die Lupe. Nicht Gras, das an einigen Stellen an den Ostedeichen zu lang wächst, ist das Hauptproblem. Wenn so etwas bei den Deichschauen auffällt, werden die betreffenden Eigentümer in Kenntnis gesetzt und aufgefordert, nachzubessern. Vielmehr aber gefährden bestimmte Tiere die Deichsicherheit. Nutria und Maulwürfe machen dem Ostedeichverband ebenso zu schaffen, wie das Wolfsaufkommen Besorgnis hervorruft.
Während den Maulwürfen mit Chemie zu Leibe gerückt wird, sind beim Nutria-Fang mit Fallen Jäger mit im Boot. Pro Tier erhalten sie eine Schwanzprämie von 8 Euro. Und die Kosten wachsen so rasant, wie sich der ursprünglich in Südamerika beheimatete Nager in dieser Region ausbreitet und die Deichsicherheit buchstäblich unterhöhlt. Als Baue dienen ihnen selbstgegrabene Erdbaue im Uferbereich.
Nutria-Bejagung schlägt zu Buche
"Die Zahlen haben sich verdoppelt", weiß der Verbandsgeschäftsführer Thorsten Ratzke. Waren es 2024 noch 657 Nutria, so musste sein Verband 2025 schon 1341 gefangene Tiere mit den Jägern abrechnen. Der Verband kaufe die entsprechenden Fallen für je rund 450 Euro. Das alles schlägt zu Buche. Während der Landkreis Stade dafür Haushaltsmittel bereitstelle und auch der Landkreis Rotenburg sich beteilige, halte sich der Landkreis Cuxhaven bisher eher zurück bei einer Kostenbeteiligung, so Ratzke. Letztlich müssten die Beitragszahler die Kostenerhöhungen tragen. Dies gelte ebenso dann, wenn Deichschäfer ihre Herden wegen zunehmender Risse durch die Wölfe aufgeben. Zum Glück sei dies im Ostedeichverband bisher nicht der Fall. Ratzke hegt die Hoffnung, dass der Oberndorfer Schäfer Frank Mählmann auch weiterhin seine Tiere am Deich laufen lässt. Eine maschinelle Deichunterhaltung sei aufwendiger und um etliches teurer. Auch der Ostedeichverband setzt sich wie die anderen benachbarten Verbände an übergeordneter Stelle auf Landesebene für wolfsfreie Zonen an Deichen ein, wohl wissend um die Schwierigkeit der Umsetzung.
Das Verbandsgebiet erstreckt sich entlang der Oste von Bremervörde bis zur Ostemündung bei Neuhaus und beinhaltet von dort auch eine 6 Kilometer lange Elbdeichtrasse bis zum Radarturm Belum. Die zu betreuenden Deiche liegen in den drei Landkreisen Rotenburg (Wümme), Stade und Cuxhaven - und daher hat sich der Verband bei den zurückliegenden Frühjahrsschauen jeweils einzelnen Abschnitten gewidmet. Besonders genau hingeschaut wurde bei den anstehenden Baumaßnahmen. Die größte Maßnahme liegt gegenwärtig zwischen Ostendorf und Gräpel, wo nicht nur ein neues Schöpfwerk für 3 Millionen Euro entsteht, sondern der Deich als letztes Teilstück im Verband noch erhöht werden muss. "Der Deichbau erfolgt dort auf einer Strecke von 2,9 Kilometern", erläutert Verbandsgeschäftsführer Thorsten Ratzke - und nach der Vergabe noch im Sommer soll auch schon mit den ersten Arbeiten begonnen werden. Weitere notwendige Bauarbeiten sind in Hemmoor-Warstade geplant. Dort soll zwischen Seglerheim und Schwarzenhütten ein Deichverteidigungsweg entstehen. Dort befinde sich ein sensibler Bereich, weil das Ufer der Oste schon nahe am Deich liege, sodass das NLWKN als zuständige niedersächsische Küstenschutzbehörde bereits mit Ufersicherungsmaßnahmen begonnen habe.
Hintergrund: Nutrias mit begehrtem Pelz
Die Nutria erreicht eine Körperlänge von bis zu 65 Zentimetern und wiegt bis zu 10 Kilogramm. Ihr runder, schuppenbedeckter, kaum behaarter Schwanz hat eine Länge von bis zu 45 Zentimetern. Die Haltung von Nutrias als Pelztiere in Europa begann um 1890 in Frankreich, erste Farmen in Deutschland bestanden ab 1926. Ab 1930 wird bereits mit Populationen in Deutschland gerechnet, die auf verwilderte Tiere zurückgehen. Gegen Ende des 20. Jahrhunderts wandte sich das Modeinteresse auch in Deutschland vom Nutriapelz ab. Aus Pelztierfarmen entkommene Tiere konnten sich stark vermehren. Heute sind Nutrias an etlichen Gewässern in allen Bundesländern zu finden.
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