Kranballett in Cuxhaven: Kutter "Albatros" hebt ab
Mit einem letzten Akt verabschiedet sich die "Albatros" aus dem Hafenleben Cuxhavens. Ein Kranballett hebt den maroden Kutter hoch in die Luft. Im Sandbett angekommen, beginnt das finale Abwracken.
Es ist kurz nach 10 Uhr an diesem kalten Mittwochmorgen, als das leise Brummen zweier Schwerlastkräne über das Hafenbecken weht. Der Ritzebüttler Schleusenpriel ist Schauplatz eines seltenen Spektakels: Die "Albatros", ein 14 Meter langer und 54 Tonnen schwerer Fischkutter aus Holz, der schon seit längerer Zeit im Hafen vor sich hin rottete, soll gehoben werden - ein letzter Akt, bevor das Schiff endgültig abgewrackt wird.
"Der Kutter war einfach nicht mehr zu retten", erklärt Knut Kokkelink, Niederlassungsleiter von NPorts Cuxhaven und fügt als Grundstückseigentümer hinzu: "Seit Monaten pumpten Arbeiter regelmäßig Wasser aus dem maroden Rumpf des Schiffes, um ein vollständiges Sinken zu verhindern." Mit dieser finalen Maßnahme wollen die Arbeiter ein Sinken des Kutters und damit einer Wasserverunreinigung zuvorkommen. Die nötigen behördlichen Genehmigungen liegen vor.
Ein Bett aus Sand für die "Albatros"
Am Kai herrscht geschäftiges Treiben. Arbeiter der Cuxhavener Firma Machulez haben ein großes Sandbett aufgeschüttet, in dem der Kutter sicher abgelegt und später zerlegt werden soll. Falls Schadstoffe auslaufen, versickern sie im Sand. Der gelbe Empting-Kran und der rote Lenz-Kran stehen für einen Tandemlift bereit. Ihre Ausleger zeichnen sich scharf gegen den grauen Himmel ab, während am Pier letzte Vorbereitungen laufen.
Zuvor hatten vier NPorts-Mitarbeiter mit dem Arbeitsboot "Alte Liebe" eine Ölsperre sorgfältig um den Kutter ausgelegt. Bei so altersschwachen Schiffen treten nicht selten unerwünschte Flüssigkeiten aus. Direkt am Kai sind Arbeiter dabei, die Schwerlastschlaufen an den Traversen zu befestigen. Kurz darauf werden sie um den Rumpf des Kutters gelegt, während die Kranführer in stetigem Funkkontakt den synchronen Hebevorgang planen. "Die Last muss perfekt verteilt werden, sonst könnte der marode Kutter durchbrechen", erklärt Cornelia Machulez vom Entsorgungsunternehmen, das den Auftrag koordiniert.
Ein Kranballett vor dem Havenhostel
Um 10. 35 Uhr ist es so weit: Langsam, fast bedächtig, heben die beiden Kräne die "Albatros" aus dem Wasser. Das knarzende Holz des betagten Schiffes scheint sich zu wehren, doch die Technik siegt. Zentimeter für Zentimeter schwebt der Kutter über den Kai, verharrt für einen Augenblick vor der Front des dahinter liegenden Havenhostels. Einige Gäste verfolgen das Kranballett von ihren Fenstern aus.
Ein älterer Mann, der die "Albatros" noch aus ihrer aktiven Zeit als Fischkutter kennt, blickt etwas traurig drein. Er wird noch einmal auf den Kai gelassen. Am Mittag liegt die "Albatros" sicher im Sandbett. Die Masten wurden tags zuvor entfernt und auf dem Schrottplatz im Neuen Fischereihafen verbracht.
Jetzt beginnt der letzte Akt: Die Arbeiter zerlegen das Schiff in seine Einzelteile: Holz, Metall und Sondermüll werden sortiert und fachgerecht entsorgt. Für Knut Kokkelink ist der Fall abgeschlossen - zumindest fast. "Wir bleiben wohl auf den Kosten sitzen, aber das ist besser, als eine Umweltverschmutzung zu riskieren." Im Hafen kehrt langsam wieder Ruhe ein. Doch für einen Moment schien die "Albatros" noch einmal lebendig, hoch in der Luft, bevor sie endgültig ihrer letzten Ruhe entgegen schwebte.





