Leerstand und Hoffnung in Cuxhaven: Große Unbekannte nach Räumungs-Aktion bei Hammer
Ein halbes "Geschlossen" prangt an der Tür des ehemaligen Hammer-Marktes in Cuxhaven. Während die Stadt einen neuen Mieter sucht, bleibt ein großes Rätsel. Doch es soll Interessenten geben.
An der gläsernen Schiebetür, die sich früher surrend zu beiden Seiten öffnete, hängt ein großes weißes Blatt. Jemand hat mit Kugelschreiber "Geschlossen" daraufgeschrieben. Ganz lesen lässt sich das Wort nicht mehr: Das Klebeband hat nicht gehalten, das Papier hat sich eingerollt. Ein Abschied auf halbem Weg, der zu diesem Ort passt. Seit Ende März ist der Hammer-Markt an der Abschnede geschlossen, seit dem 12. Oktober 2026 ist er auch fast leer.
An diesem Montag durften Besucher mitnehmen, was übrig war. Die Nachricht hatte sich über Kleinanzeigen und Facebook verbreitet, manche rückten nach CN/NEZ-Informationen mit Akkuschrauber und Anhänger an. Betten, Regale, Teppichrollen und Tapeten wechselten kostenlos den Besitzer.

Nun herrscht Chaos im Cuxhavener Hammer-Gebäude
Was die Aktion hinterlassen hat, zeigt der Blick in die Halle. Wo früher Gardinen, Bodenbeläge und Plissees in geraden Reihen lagen, herrscht Chaos. Styroporkugeln bedecken den Boden, dazwischen Verpackungsreste, Kartonfetzen und zurückgelassene Einrichtungsgegenstände. Der Verkaufsraum, der stets aufgeräumt wirkte, gleicht einem Lager nach dem Erdbeben.
Männer in Arbeitskleidung schleppen Gerümpel nach draußen, die Kennzeichen ihrer Transporter verraten: Sie kommen nicht aus Cuxhaven. Auch auf dem Dach wurden dieser Tage Arbeiter gesichtet. Bis die Halle besenrein an einen Nachmieter übergeben werden kann, bleibt viel zu tun.

Wer den Markt als gepflegtes Fachgeschäft kannte, reibt sich die Augen. Dabei sah es vor einem Jahr noch nach Rettung aus. Nach der Insolvenz der Brüder-Schlau-Gruppe übernahm im Oktober 2025 ein Investorenkonsortium die Kette, die neue Hammer Raumstylisten GmbH führte 93 Filialen weiter. Cuxhaven sei "Teil unseres wirtschaftlich stabilen und zukunftsfähigen Rückgrats", versicherte das Unternehmen damals. Das Rückgrat hielt drei Monate. Ende Januar 2026 folgte die nächste Insolvenz, im Mai das endgültige Aus für die gesamte Kette. Gespräche mit mehr als 300 möglichen Investoren waren gescheitert, rund 1100 Beschäftigte verloren ihre Arbeit.
Der große Unbekannte
Bleibt die Frage, was aus der Großimmobilie wird. Sie zu beantworten, fällt schwer, denn schon die Vorfrage führt ins Leere: Wem gehört das Gebäude? Die Arbeiter in der Halle wissen es nicht oder sagen es nicht. Auch bei den direkten Nachbarn "Fressnapf" und "Jawoll Sonderposten", die unter demselben Dach Mieter sind, endet die Spur. Die Pressestelle des Insolvenzverwalters Pluta hält sich bedeckt. "Wir sind nicht befugt, Einzelheiten aus dem Mietvertrag der Hammer Raumstylisten GmbH offenzulegen", teilt Patrick Sutter von der Pluta-Pressestelle mit und gibt den Rat, sich direkt an den Eigentümer zu wenden. Einen Namen nennt er nicht.
Die Stadt Cuxhaven kennt den Eigentümer, darf ihn aber nicht preisgeben. Ohne dessen Zustimmung verbietet der Datenschutz die Weitergabe, heißt es aus dem Rathaus. Immerhin: Im dritten Quartal habe es einen ersten Kontakt gegeben. Der Eigentümer habe angekündigt, die Vermarktung vorzubereiten, um einen neuen Mieter zu finden. Nach der aufsehenerregenden Räumungsaktion hat die Verwaltung den Gesprächsfaden wieder aufgenommen.

Makler mit Interessenten an Immobilie
Bewegung kommt von anderer Seite. Der Cuxhavener Immobilienmakler Günter Heße hat nach eigenen Worten gleich mehrere Cuxhavener Interessenten an der Hand, die die frühere Hammer-Immobilie anmieten möchten. Doch auch Heße steht vor verschlossener Tür: Den Eigentümer hat er bislang nicht ausfindig machen können. Bei der städtischen Wirtschaftsförderung dagegen liegen derzeit keine konkreten Interessenbekundungen vor, jedenfalls nicht für die Nutzung, die der Bebauungsplan erlaubt.
Und der ist streng. Die Fläche ist als Sondergebiet für großflächigen Einzelhandel ausgewiesen, zugelassen sind ein Garten- und Baufachmarkt oder ein Verbrauchermarkt. Wer dort etwas anderes plant, braucht die Stadt. Ob die Pläne von Heßes Interessenten in diesen Rahmen passen, ist offen. Die Wirtschaftsförderung bleibt dennoch zuversichtlich. Lage und Größe dürften das Interesse verschiedener Unternehmen wecken, heißt es.
Einfluss der Stadt Cuxhaven ist begrenzt
Das Einkaufszentrum Abschnede zählt mehr als eine Million Besucher im Jahr, ein Pfund, mit dem sich wuchern lasse. Die aktuellen Leerstände führt die Stadt vor allem auf Insolvenzen bundesweiter Ketten zurück. Ihr eigener Einfluss sei begrenzt, da es sich um Privateigentum handle.
Eine Lücke räumt die Wirtschaftsförderung offen ein: Raumausstattung und Wohnen seien nach den Schließungen von Depot und Hammer in Cuxhaven unterrepräsentiert. Einen Lichtblick gibt es: die jüngst eröffnete Cuxhavener Niederlassung des Raumausstatters Witkowski aus dem Landkreis Stade. Für die große Halle an der Abschnede ist das kein Ersatz. Dort hängt weiter das eingerollte Blatt an der Glastür. Ein halbes "Geschlossen" für ein Gebäude, dessen Zukunft noch niemand ganz lesen kann.
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