Hammer-Markt Cuxhaven: Plötzlich alles kostenlos - Besucher rücken mit Anhängern an
Der Hammer-Markt in Cuxhaven ist längst Geschichte. Jetzt verschwinden auch die letzten Überbleibsel. Am Montag dürfen Besucher verbliebene Waren, Möbel und Einrichtungsgegenstände kostenlos mitnehmen. Der Andrang ist groß.
Wo früher Teppiche verkauft und Wohnräume geplant wurden, rattern jetzt Akkuschrauber. Menschen tragen Regalböden durch die Gänge, schleppen Möbel zu ihren Autos und verstauen Tapetenrollen im Kofferraum. Im ehemaligen Hammer-Markt in Cuxhaven herrscht am Montagmittag (12. Oktober 2026) ungewöhnlicher Betrieb. Doch diesmal geht nichts mehr über die Kasse: Was noch da ist, darf kostenlos mitgenommen werden.
Zunächst über E-Bay-Kleinanzeigen und später über eine Facebook-Gruppe hatte sich die Nachricht am Montag verbreitet. Einige Interessierte kommen mit leeren Händen, andere haben Werkzeug dabei oder fahren gleich mit Anhänger vor. Im Inneren werden Betten auseinandergeschraubt, Regale zerlegt und ganze Einrichtungsgegenstände abtransportiert.

Elmar aus Cuxhaven ist eher zufällig hier gelandet. "Ich bin eigentlich nur am Gucken, ob ich für jemanden etwas finde, den ich kenne. Ich brauche selbst eigentlich nichts", meint er und lässt den Blick über die verbliebenen Waren schweifen. Die Aktion begrüßt er. Erst vor einem halben Jahr habe er selbst noch einen Teppich bei Hammer gekauft. "Jetzt kann man die hier umsonst raustragen", scherzt er und lacht. Nach mehreren Runden durch die Gänge entdeckt schließlich auch er etwas Brauchbares.
Für Besucherin kommt die Räumung wie gerufen
Stella ist bereits fündig geworden. Mit dem Akkuschrauber zerlegt sie ein Bett in seine Einzelteile. Renovieren und ihre Wohnung neu einrichten wollte sie ohnehin. Da kommt ihr die Räumung gerade recht. Einen Couchtisch und einen Eimer Farbe hat sie bereits im Auto verstaut, auch Jalousien und Schaumstoff wandern in ihre Ausbeute.

Kurzerhand greift sie zum Telefon und ruft ihre Schwester Nele herbei. Wenig später stöbert auch die zwischen den verbliebenen Waren und klemmt sich einige Tapetenrollen unter den Arm. "Es ist doch schade, wenn so etwas alles auf dem Müll landet", bedauert Nele. Umso mehr freut sie sich, dass die Gegenstände auf diese Weise noch ein neues Zuhause finden.
Dabei wirkt das Geschehen stellenweise surreal. Wo einst ordentlich bestückte Verkaufsreihen standen, werden nun ganze Regale auseinandergeschraubt. Von originalverpackten Plissees über Teppichrollen bis hin zu Badezimmermöbeln und Büromaterial wird alles Mögliche abtransportiert. Selbst in den ehemaligen Büroräumen öffnen Besucher Schränke und Schubladen. Obwohl die Mitnahme erlaubt ist, fühlt es sich beinahe wie eine Plünderung an.

Nicht immer ist dabei klar, welche Gegenstände bereits jemand für sich ausgesucht hat. Was der eine kurz abstellt, hält der nächste womöglich noch für verfügbar. Vereinzelt kommt es deshalb zu Missverständnissen. Währenddessen werden draußen Kofferräume und Anhänger immer voller.
Das endgültige Ende der Hammer-Märkte
Nach der Insolvenz der Unternehmensgruppe Brüder Schlau hatte es im Oktober 2025 zunächst noch Hoffnung für den Standort Cuxhaven gegeben. Doch der Neustart scheiterte. Ende Januar 2026 folgte die nächste Insolvenz, Ende März schloss der Cuxhavener Markt.

Seit Mai steht fest, dass die gesamte Fachmarktkette endgültig Geschichte ist. Wie die Deutsche Presse-Agentur berichtete, blieben Gespräche mit mehr als 300 potenziellen Investoren erfolglos. Bis Ende Mai sollten auch die letzten Filialen schließen. Allen rund 1100 Beschäftigten war bereits gekündigt worden.
Knapp ein halbes Jahr später verschwinden nun auch in Cuxhaven die letzten Überbleibsel. Während die nächsten Regalböden abgeschraubt und Ausstellungsmöbel hinausgetragen werden, leert sich der einstige Fachmarkt ein letztes Mal. Diesmal ganz ohne Preisschilder.





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