Die Lüdingworther Wilde-Schnitger-Orgel ist ihr Favorit: Mari Fukumoto nach ihrem Orgelkonzert in St. Jacobi. Foto: privat
Die Lüdingworther Wilde-Schnitger-Orgel ist ihr Favorit: Mari Fukumoto nach ihrem Orgelkonzert in St. Jacobi. Foto: privat
Orgelkonzert

Konzert in Lüdingworth: Mari Fukumoto zeigt die Farben der Wilde-Schnitger-Orgel

25.08.2026

Mari Fukumoto verzaubert mit einem außergewöhnlichen Programm an der restaurierten Wilde-Schnitger-Orgel in Lüdingworth und entfesselt ein Spektrum seltener Klangfarben, die das Publikum in Staunen versetzen.

Mit ihrem Konzert an der gerade restaurierten Gloger-Orgel in Otterndorf hatte sie schon im April vergangenen Jahres ihr Publikum begeistert. Nicht anders war es nun in St. Jacobi Lüdingworth, wo Mari Fukumoto an der Wilde-Schnitger-Orgel ein in seiner Klangfarbenvielfalt geradezu ungewöhnliches Programm aufblätterte.

Im Kalender des Jubiläumsjahres der Stiftung "Historische Orgeln in Altenbruch und Lüdingworth" war es das letzte Konzert des diesjährigen Internationalen Orgelsommers. Die als Orgelinterpretin international geschätzte Japanerin, derzeit auch als Gastprofessorin an der Berliner Hochschule für Künste in Berlin tätig, hatte 2025 schon von Otterndorf aus ihre Fühler nach Lüdingworth ausgestreckt. Die Wilde-Schnitger-Orgel und keine andere sollte es sein, an der sie demnächst konzertieren würde.

Ihre Zuhörerinnen und Zuhörer überraschte sie in Lüdingworth vor allem mit einem wahren Kosmos an überaus feinen, ja geradezu zarten und durchsichtigen Klangfarben. Das kommt in Lüdingworth allzu häufig nicht vor, denn manch einer der Interpreten, die das Instrument in Konzerten spielen, setzen auf dessen Kraftfülle - auf den so charakteristischen "deftigen" Klang. Natürlich ignoriert den auch Mari Fukumoto nicht. Ihr Konzertauftakt mit Johann Kaspar Kerlls "Toccata" verweist gleich darauf und die klanggewaltigen Passagen im abschließenden Vincent
Lübeck-Praeludium bringen ihn am Ende noch einmal nachdrücklich in Erinnerung.

Mit Orgelwerken so unterschiedlicher Komponisten wie William Byrd, Delphin Strunck, mit den Spaniern Antonio de Cabezon und Francisco Correa de Arauxo, mit Samuel Scheidt und Vincent Lübeck löste die Japanerin ihr Versprechen, Vielfalt im wahrsten Sinne des Wortes bieten zu wollen, auf eine ganz besondere Weise ein. Denn mit alldem konnte sie ihrem Publikum in der Tat alles präsentieren, was Werk und Instrument zu bieten haben: Formen und Farben aller Arten und dazu ganz spezielle Register, die den historischen Klang unmittelbar erfahrbar machen. Sehr schön in Struncks "Magnificat noni toni" die Echo-Wirkungen, in Samuel Scheidts Choralbearbeitung "Vater unser im Himmelreich" die figurativen Umspielungen und bei Correa de Arauxo die brillante Toccata über einer
fast meditativen Grundierung.

In Mari Fukumotos Orgelspiel ist alles klar, betont durchsichtig. Die Interpretin will die Formen- wie die Klangvielfalt des europäischen Barock ihren Hörern in jedem Fall transparent machen, will ihm Zugang verschaffen zu einem wahrlich spannenden musikalischen Erlebnis. Dass sie mit dem "Praeludium in C" von Vincent Lübeck einen Einheimischen an den Schluss setzt, ist eine Referenz an Stade, dessen jahrelangem Wirkungskreis, und natürlich an den so vielfältigen norddeutschen Barock.

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