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Die von Norbert Balzer (l.) moderierte Talk-Runde zum Thema Musik: Prof. Dr. Eckart Altenmüller (2.v.l.), Matthias Matzke und Goran Stevanovich. Foto: Cordes
Die von Norbert Balzer (l.) moderierte Talk-Runde zum Thema Musik: Prof. Dr. Eckart Altenmüller (2.v.l.), Matthias Matzke und Goran Stevanovich. Foto: Cordes
Talk im Schloss Ritzebüttel

"Musik muss man machen": Talk-Runde in Cuxhaven über Musik, die gebraucht wird

02.10.2026

Eine Talk-Runde im Schloss Ritzebüttel mit Prof. Dr. Eckart Altenmüller und den Akkordeonisten Goran Stevanovich und Matthias Matzke widmete sich der Frage, warum Musik gerade in unsicheren Zeiten wichtig ist.

Von der Musik als Kraftquell, von ihrer heilenden Wirkung sprechen Jahrtausende alte Erfahrungen. Wie sehr wir Musik heute, in so verunsichernden Zeiten wie diesen, brauchen, war das zentrale Thema im Schloss Ritzebüttel. Ein Abend mit in der Tat hochkarätigen Gästen - dem Neurologen und Hirnforscher Prof. Dr. med. Eckart Altenmüller und den beiden auf nationalen wie internationalen Konzertpodien hochgeschätzten und bewunderten Akkordeonisten Goran Stevanovich und Matthias Matzke.

Dass das Thema auch die Menschen in unserer Stadt bewegt, zeigte der Besuch der von Norbert Balzer moderierten Talk-Runde: Der Ansturm auf die Plätze im Großen Festsaal des Schlosses war mehr als beachtlich. Balzer, Diplom-Designer und selbst passionierter Akkordeonspieler, wollte mit seiner Veranstaltung im "Jahr des Akkordeons 2026" ein markantes Zeichen setzen, und genau das ist ihm mit diesem Abend gelungen. Mit Prof. Dr. Altenmüller, der als einer der international führenden Vertreter der Musikphysiologie gilt, hat er eine Kapazität nach Cuxhaven geholt. Altenmüllers jüngste Publikation (in einer Reihe von über 300) lieferte Balzer auch den Titel des Abends: "Warum wir Musik zum Überleben mehr denn je brauchen".

Darin geht es zwar zuallererst um ein "Plädoyer für aktives Musizieren" (so der Untertitel), aber auch darum, was Musik mit den Menschen macht, und zwar vom frühkindlichen Alter bis in die späten Jahre. Spannende und aufschlussreiche Themen also für eine solche Talk-Runde. Besonders heutzutage, wo viele Kinder und Jugendliche viel zu viel Zeit am Handy und Smartphone verbringen, statt sich ganz real mit Musikmachen und Bücherlesen zu beschäftigen. Dabei, so Altenmüller im Gespräch, hätten Kinder von klein an eine "unheimliche Affinität zur Musik". Davon berichtete auch Goran Stevanovich, der mit Kleinkindern gearbeitet hat. Wichtig sei, und darin sind sich der Neurologe und der Akkordeonist einig, dass die Kleinen die Instrumente im Moment des Vorspielens "sehen und hören".

Zusammen musizieren sie einen brasilianischen Tanz: die Akkordeonisten Goran Stevanovich (l.) und Matthias Matzke. Foto: Cordes

Musik "wieder zurück in die Familie holen"

Altenmüller zufolge muss die Musik "wieder zurück in die Familie geholt werden". Er weiß sehr wohl, dass das an einem gesamtgesellschaftlichen Problem rührt. Denn wenn Eltern nicht mehr mit ihren Kindern singen, ihnen nicht mehr vorlesen, hat das tiefgreifende Auswirkungen auf die spätere sprachliche Kompetenz oder die Lust, einmal selbst Musik zu machen. Obwohl gerade die ein ständiger "Quell der Freude" und eine Befriedigung sein kann. Dass das für jedes Alter gilt, hat der Wissenschaftler und studierte Musiker in seiner während Corona entstandenen Studie mit älteren Menschen bewiesen, die zuvor noch nie Musik gemacht hatten. Auch davon handelt unter anderem sein 2026 bei Schott erschienenes neuestes Buch.

Das Thema an diesem Abend ist weit gespannt und die von den Dreien auf dem Podium im Gespräch vermittelten Erkenntnisse werden so manchen im Publikum zum Nachdenken angeregt haben. Aber natürlich ging es im Schloss auch um das "Instrument des Jahres" - um das Akkordeon. Wie groß und immer wieder von Neuem faszinierend die Vielfalt ist, das bewiesen die beiden Ausnahme-Musiker. Goran Stevanovich, aus Bosnien-Herzegowina stammend und später Schüler von Elsbeth Moser in Hannover, lehrt heute selbst an der dortigen Hochschule für Musik, Theater und Medien. Stevanovich ist ein ausgesprochener Klangästhet. Anfangs sehr verinnerlicht im Spiel, die Klänge seines Instrumentes ganz bewusst bis ins Letzte auskostend, spürt er dann mit Bartók und Piazzolla ganz anderen Klängen nach und das mit beeindruckender Intensität.

Anders als Stevanovich versetzt Matthias Matzke seine Zuhörerinnen und Zuhörer mit seinem Digitalakkordeon in elektronische Akkordeonwelten. Da entstehen unüberhörbar orchestrale Klänge, setzt sich raumfüllend-Sinfonisches in den Ohren fest. Und genau das habe ihn gereizt, erzählt der auf vielen Podien im Lande zu erlebende Akkordeonist. Als es dann am Ende "irisch" wird, bekommt aber auch jeder (und jede) im Saal einen Begriff davon, warum Matthias Matzke international immer wieder für seine "Fingerakrobatik" bestaunt wird. Die Begeisterung für beide - Goran Stevanovich und Matthias Matzke - kennt keine Grenzen.

Von Ilse Cordes

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