Mindestens vier Personen haben sich nach dem Besuch eines Piercing-Studios im Landkreis Cuxhaven mit einem gefährlichen Bakterium infiziert und werden jetzt im Klinikum Reinkenheide in Bremerhaven behandelt. Foto: Hartmann
Mindestens vier Personen haben sich nach dem Besuch eines Piercing-Studios im Landkreis Cuxhaven mit einem gefährlichen Bakterium infiziert und werden jetzt im Klinikum Reinkenheide in Bremerhaven behandelt. Foto: Hartmann
Mit Keim infiziert

Freundinnen nach Piercing-Studio-Besuch in Cuxhaven in Klinik: "Kann tödlich enden"

von Christian Mangels | 05.08.2025

Ungefährlich ist das Stechen von Piercings nicht. Das mussten zwei Freundinnen aus Cuxhaven nach dem Besuch in einem Studio erfahren. Sie landeten im Krankenhaus, liegen jetzt in einer Klinik in Bremerhaven. Und nicht nur sie.

Die Punks taten es schon Mitte der 1970er-Jahre und wollten vor allem eins: schockieren. Sie ließen sich kleine Löcher durch Ohren, Lippen, Augenbrauen oder Wangen stechen. Darin befestigten sie Ringe, Ketten oder Sicherheitsnadeln. Piercing nannten sie ihre Mode, denn das englische Verb "to pierce" bedeutet "durchstechen" oder "durchbohren".

Heute regt sich kaum noch jemand über Piercings auf. Im Gegenteil: Immer mehr Menschen tragen Körperschmuck. In Deutschland sind rund 5,3 Millionen Menschen gepierct. Mehr Frauen als Männer lassen sich Körperteile durchstechen. Nicht um zu schockieren, sondern weil sie es schön finden. 

Doch der Körperschmuck birgt Risiken. Fast 30 Prozent haben nach dem Stechen eines Piercings Beschwerden. Manche sind so stark, dass die Gepiercten ärztliche Hilfe brauchen. So wie Gesa Schulz (26) und ihre Freundin Stefanie Christiansen (22) aus Cuxhaven (Namen von der Redaktion geändert). Sie haben sich vor zwei Wochen in einem Tattoo- und Piercing-Studio in der Stadt Cuxhaven ein sogenanntes Helix-Piercing stechen lassen. Es wird an der Helix, der wulstartigen Umrandung der Ohrmuschel, platziert.

Probleme begannen schon am Tag nach dem Stechen

Die Probleme begannen bei Stefanie schon am Tag nach dem Stechen, bei Gesa ein paar Tage später: Die Stellen am Ohr wurden dick, entzündeten sich und begannen zu eitern. Als die Schmerzen immer schlimmer wurden, gingen sie auf Empfehlung eines Cuxhavener Hals-Nasen-Ohren-Arztes ins Klinikum Reinkenheide in Bremerhaven. Dort werden beiden Frauen seitdem behandelt.

Und sie sind nicht allein: Zwei weitere Kunden des Tattoo- und Piercing-Studios, die ebenfalls ein Helix-Piercing erhalten haben, werden nach Angaben der Freundinnen aktuell in Reinkenheide versorgt. Sie alle wurden mit dem Bakterium Pseudomonas aeruginosa infiziert. Es handelt sich um ein durchaus gefährliches und widerstandsfähiges Bakterium, das gegen viele Antibiotika resistent ist. "Im Extremfall kann es sogar tödlich enden", sagt Gesa Schulz, die noch immer unter Schmerzen leidet. Langzeitschäden seien nicht auszuschließen. "Derzeit wird getestet, welche Antibiotika überhaupt anschlagen", so die 26-Jährige.

Das Klinikum Reinkenheide wollte sich "aus Gründen der ärztlichen Schweigepflicht" zu den Piercing-Behandlungsfällen und den Patientenzahlen nicht äußern.

Blickfang mit Risiken: Wenn das Helix-Piercing entzündet ist, sollten Betroffene schnell handeln, um Schlimmeres zu verhindern. Foto: Vorontsov

Um andere Leidensgenossen zu finden und zu warnen, haben Gesa und Stefanie einen Aufruf in einem Cuxhavener Instagram-Kanal veröffentlicht. Die Resonanz war enorm: "Es haben sich zwölf Leute gemeldet, die sich alle in den vergangenen Wochen ein Helix oder ein ähnliches Piercing haben stechen lassen", berichtet Stefanie. Ihre Freundin Gesa mahnt: "Es ist ganz wichtig, dass sie den Ernst der Lage begreifen und sich behandeln lassen."

Wie es zu der Infektion mit dem Bakterium Pseudomonas aeruginosa kommen konnte, ist noch unklar. Mangelnde Hygiene könnte ein Grund sein. Eine Stellungnahme des Tattoo- und Piercing-Studios war am Dienstag nicht zu erhalten. Das Gesundheitsamt wurde eingeschaltet. Ob auch juristische Schritte gegen das Tattoo- und Piercing-Studio eingeleitet werden, ist noch offen.

Wie hat Ihnen der Artikel gefallen?

(1 Stern: Nicht gut | 5 Sterne: Sehr gut)

Feedback senden

Google News

Wenn Sie etwas googeln, bekommen Sie neben den normalen Ergebnissen auch eine Box mit aktuellen News angezeigt. Wenn Sie CNV-Medien als bevorzugte Quelle hinterlegen, tauchen unsere Inhalte dort häufiger für Sie auf. Hier CNV-Medien als bevorzugte Quelle hinzufügen.


CNV-Newsletter

Wissen, was im Cuxland los ist: Alle wichtigen Nachrichten aus der Stadt und dem Landkreis Cuxhaven direkt in Ihr Postfach. Hier für den CNV-Newsletter anmelden.


Top Nachrichten



Bild von Christian Mangels
Christian Mangels

Redakteur
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

cmangels@no-spamcuxonline.de

Lesen Sie auch...
Für Vielfalt 

Pro Familia in Cuxhaven zum "Idahobit": "Sichtbarkeit macht Mut - es ist ein Signal"

von Märthe Werder

Am Sonntag (17. Mai 2026) findet der Internationale Tag gegen Homo-, Bi-, Inter- und Transfeindlichkeit (Idahobit) statt. Auch Pro Familia in Cuxhaven macht darauf aufmerksam. In der Region fehle es an Sichtbarkeit und sicheren Räumen.

Das war der Tag der offenen Tür

Musik, Tombola, Führungen bei der CNV: Der Tag der offenen Tür in Cuxhaven im Video

von Redaktion

Erleben Sie das 50-jährige Jubiläum der Cuxhavener Nachrichten mit einzigartigen Einblicken in die Welt des Lokaljournalismus, begleitet von Musik, kulinarischen Genüssen und spannenden Begegnungen. Der Tag der offenen Tür im Video.

Zwei Veranstaltungen zusammen 

Ehrentag-Premiere in Deutschland und Cuxhaven: Das erwartet die Gäste

von Maren Reese-Winne

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat für den 23. Mai erstmals zu einem deutschlandweiten "Ehrentag" aufgerufen, einem Mitmachtag zum Geburtstag des Grundgesetzes. Das ließen sich die Akteure in Cuxhaven nicht zweimal sagen.

Rückblick auf 2025

Cuxhavener Feuerwehren mussten 934-mal ausrücken

von Kai Koppe

Bei einer Versammlung des Feuerwehr-Stadtverbands ging es unter anderem um das Einsatzgeschehen des Vorjahres.