Diese Idee propagiert der Verkehrsverein Cuxhaven1927 Central beim Thema Versorgungshafen: Die Gebäude (rosa Dächer) wurden im Vergleich zur Original-Zeichnung des WSA gedreht, vor allem aber auf die gegenüberliegende Fährhafen-Seite (Norwegerpier) verlegt. Grafik: © OpenStreetMap-Mitwirkende; Hafenanlage nach Unterlagen des WSA; ergänzende Darstellungen nach VV Central
Diese Idee propagiert der Verkehrsverein Cuxhaven1927 Central beim Thema Versorgungshafen: Die Gebäude (rosa Dächer) wurden im Vergleich zur Original-Zeichnung des WSA gedreht, vor allem aber auf die gegenüberliegende Fährhafen-Seite (Norwegerpier) verlegt. Grafik: © OpenStreetMap-Mitwirkende; Hafenanlage nach Unterlagen des WSA; ergänzende Darstellungen nach VV Central
Bürgerdiskussion

Pläne für Versorgungshafen in Cuxhaven: Kritiker regen einen "Seitenwechsel" an

03.06.2026

Verkehrsvereinsmitglieder haben eine eigene Variante gezeichnet - aber wäre sie tatsächlich realisierbar? Die Bauherren des künftigen Anlegers verweisen auf Besitzverhältnisse.

Bauingenieur Alexander Isheim (Wasser- und Schifffahrtsamt) stellte die Pläne seines Hauses in der Bürgerhalle im Cuxhavener Rathaus vor. Foto: Koppe

Die Einladung zu einer Infoveranstaltung stieß auf viel Resonanz: Interessierte, mehrheitlich auch besorgte Bürgerinnen und Bürger belegten am Dienstag nicht nur die Stuhlreihen im Rathaus-Foyer, sondern auch diverse "Stehplätze" auf den Rängen. Gastgeber waren Vertreter des Wasser- und Schifffahrtsamtes (WSA) Elbe-Nordsee, die ihre Pläne für einen Versorgungshafen im Bereich des heutigen Fährhafens öffentlich vorstellten.

Tatsächlich überwogen im Rahmen der Veranstaltung Stimmen, die sich kritisch zu den bisherigen Plänen des Wasser- und Schifffahrtsamtes äußerten. Wie berichtet will das WSA einen neuen Versorgungshafen errichten. Er soll nicht nur das Nachfolgemodell des Mehrzweckschiffs "Neuwerk" beherbergen, sondern auch über Lagerkapazitäten, Werkstätten oder Sozialräume für die Schiffsbesatzungen verfügen. Nach derzeitigem Sachstand sollen entsprechende Gebäude (darunter eine lang gestreckte Halle) und die ebenfalls benötigte Pier an der Nordwest-Seite des Fährhafens errichtet werden - an der Innenkante einer 80 mal 300 Meter langen Mole. Zu solch einer Mole soll der heutige, die Grimmershörnbucht begrenzende Steindamm ausgebaut würde.

Standortwahl ist offenbar kein Wunschkonzert

"Wir nehmen das, was wir kriegen können", antwortete Isheim auf die Frage, warum der künftige Versorgungshafen ausgerechnet an der beschriebenen Stelle, also in unmittelbarer Nachbarschaft der von vielen Cuxhavenern als Naherholungsraum genutzten Bucht, entstehen soll: Offenbar erkannten die Verantwortlichen in Gesprächen mit der Hafenverwaltung keine echten Alternativen. So sei im Bereich der Industriehäfen ("Hätten wir gerne genommen") schlicht und einfach kein Platz, antwortete Isheim auf eine Bürgerfrage. In einer vorangegangenen Projektpräsentation hatte sein Kollege darauf hingewiesen, dass Gebäude, die in einer ersten Planzeichnung zu sehen sind, architektonisch gefällig gestaltet werden. Ein von Pavillons gesäumter Fußweg, der auf der Westseite der Mole bis zu deren Spitze und zu einem als Aufenthaltsfläche gedachten Rondell führt, bildet ein weiteres Zugeständnis an Bürger-Interessen: Diese "Promenade" - nicht Teil des eigentlichen Hafens - habe sogar das Zeug, zu einer touristischen Attraktion zu werden, glaubt man beim WSA.
Dass die Planer mit dieser Auffassung nicht vollkommen falsch liegen, zeigt eine Reaktion des Verkehrsvereins Cuxhaven Central. Dort ist man von den Versorgungshafen-Plänen am Eingang der Grimmershörnbucht wenig begeistert. Trotzdem bleibt jene begehbare Mole Teil einer Lösungsvariante, die der Cuxhavener Frank Oehne beim Dialogtermin im Namen des Verkehrsvereins vorstellte. Im Kern sieht die als "schlicht" (und deswegen gut) beschriebene Verkehrsvereinslösung allerdings vor, das Vorhaben auf das Ostufer des Fährhafens, nämlich an die heutige Norwegerpier, zu verlegen.

"Es funktioniert", hatte Oehne schon vor der Veranstaltung unserer Redaktion mitgeteilt: Das neue Mehrzweckschiff finde dort Platz und könne daneben seinen "Tonnenhof" haben. Das Deichvorland der Bucht aber bleibe in seiner heutigen Form vom Fährhafen aus erreichbar.
Mit dieser Option konfrontiert machte Isheim machte , dass ein touristisches Angebot wie besagte Flaniermeile an den bisherigen Plan gekoppelt sei: "So etwas wird es nicht geben, wenn dort kein Tonnenhof hinkommt", sagte er über das Fährhafen-Westufer. Er wies ferner darauf hin, dass der gegenüberliegende Bereich - bekannt als die von Wohnmobilisten genutzte "Platte" - Im Besitz der Niedersachsen Ports GmbH liege. Offenbar soll sich daran nichts ändern: Die Platte sei dem WSA bei der Standortsuche nicht angeboten worden. Man wolle diese Option aber gerne noch einmal prüfen, fuhr  der Projektleiter fort. Er reagierte damit auf die Frage, ob bei einem obligatorischen Planfeststellungsverfahren auch andere Varianten "gründlich in die Prüfung aufgenommen werden würden".

Planungen stecken noch in den Kinderschuhen

Weitere Wortmeldungen aus dem Publikum bezogen sich unter anderem auf möglichen Lärm, der beim  Anlanden von Fahrwassertonnen entsteht: Ein Bauhof, nichts anderes, solle direkt an der Grimmershörnbucht entstehen, ärgerte sich eine Besucherin. Hinweisen auf die Kur-Nutzung in Grimmershörn begegneten die Veranstalter, indem sie klarstellten, dass sie sich mit ihrem Vorhaben auf Hafengebiet bewegen. Es sei aber noch in Stein gemeißelt, betonten die Gastgeber: Gegenwärtig stehe man ganz am Anfang eines Planungsprozesses, der ("wenn alles gut geht") erst im Jahr 2034 in einen fertigen Versorgungshafen mündet. Weil der "Neuwerk"-Neubau schon im kommenden Jahr ausgeliefert wird, muss man notgedrungen einen Interims-Liegeplatz an der Seebäderbrücke beziehen. Eine Idee, das Mehrzweckschiff des Bundes in die Weser oder die Jade zu verlegen, wies Alexander Isheim zurück. "Die maritime Notfallvorsorge muss in der Elbmündung stattfinden."

Nichts zu rütteln gibt es daran auch für den Wahl-Cuxhavener Jürgen Grzeskowiak. Auf der Versammlung sprach der Schifffahrtsexperte einen von seiner Seite forcierten Systemwechsel in den Feldern Baggerei und Bergung an. Grzeskowiak wirbt für den Einsatz kleiner Transportschiffe, die turnusmäßig am geplanten Tonnenhof anlegen sollen, um Kraftstoff und Personal aufzunehmen. Auch könnten dort Ausrüstungsgegenstände gelagert und kleinere Reparaturen durchgeführt werden.

Die WSA-Präsentation zum Thema Versorgungshafen war nicht die erste ihrer Art. Vor vier Wochen war das Projekt der Ratspolitik vorgestellt worden. Ein Termin beim Cuxhavener Deichverband soll folgen. Anschließend werde man sich äußern, stellte Schultheiß Jürgen Schubel in Aussicht.

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