Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung in Cuxland: Bewährungsprobe in den Herbstferien
Nach den Sommerferien geht's los: Jedem Schulanfänger muss ein achtstündiges Ganztagsbetreuungsangebot gemacht werden. Im Herbst 2026 muss der Landkreis als Träger der Jugendhilfe erstmals ein ganztägiges Ferienangebot auf die Beine stellen.
Um das hinzubekommen, hat die Kreisverwaltung eine Koordinierungsstelle Ganztag im Cuxland gegründet und drei Koordinatorinnen sowie einen Koordinator in Marsch gesetzt, die zusammen mit den Kommunen Lösungen erarbeiten sollen oder schon erarbeitet haben. Der Zwischenstand war am Mittwoch Thema im Jugendhilfeausschuss.
Der Ganztag soll die Vereinbarkeit von Schule und Beruf erleichtern sowie Bildungsgerechtigkeit und Teilhabe verbessern, jedoch sind die Startbedingungen kläglich. Bund und Land haben keinerlei Vorgaben zu den pädagogischen Rahmenbedingungen gemacht. Angesichts dieses Nebels brauche der Kreis Unterstützung, Rückendeckung und HiIfe aus den Gemeinden, so Dezernent Friedhelm Ottens.
Am Mittwoch ging es vorrangig um die Ferien. Der Landkreis hat bis auf vier Wochen im Jahr eine Ferienbetreuung (inklusive Brückentage und Zeugnisferien) sicherzustellen, das sind 43 Tage. Ein Anspruch auf Beförderung besteht nicht und ein Mittagsangebot ist nicht gesetzlich vorgeschrieben. Das Angebot wird kostenpflichtig sein.
Chronische Unterfinanzierung
Das Umfeld ist schwierig angesichts einer chronischen Unterfinanzierung des schulischen Ganztags, einem durch unattraktive Arbeitszeitmodelle verschärften Personalmangel und einer schwierigen Suche nach externen Kooperationspartnern. Horte als etablierter Bestandteil der Kindertagespflege deckten einen großen Teil der Anforderungen ab, stünden aber politisch auf der Agenda, hieß es. Außerdem fehlten allerorten Räume, die dem Wandel vom Lern- zum Lebensort gerecht würden. Auch viele Mensen fehlten noch.
Der Betreuungsschlüssel soll bei zwei Kräften à 25 Kinder (mindestens eine Fachkraft und eine pädagogische Assistenzkraft) liegen; multiprofessionelle Teams werden gewünscht. Das Recht auf Inklusion, Partizipation und Teilhabe sowie ein Kinderschutzkonzept gelten auch hier. Eine der noch zu klärenden Fragen ist zum Beispiel die nach einer Schulassistenz in den Ferien.
Geordnet nach ihren Zuständigkeitsbereichen stellten Sylvia Roth (Beverstedt, Hagen, Loxstedt), Juliane Beutler (Geestland, Bad Bederkesa, Schiffdorf), Vanessa Jahn (Wurster Nordseeküste, Stadt Cuxhaven) und Arne Schlösser (Samtgemeinde Hemmoor, Börde Lamstedt, Samtgemeinde Land Hadeln) die aktuellen Planungen vor.
Das Besondere in den Gemeinden stärken
Der Grundsatz, das Besondere in den Gemeinden zu stärken, spiegelt sich in den unterschiedlichen Modellen wider, in denen vorhandene Schulstrukturen und erfolgreich laufende Modelle berücksichtigt wurden. Mancherorts bleiben die schulischen und die Ferienbetreuungsangebote in einer Hand, anderswo werden sie getrennt organisiert. Manche Angebote sind von Anfang an für alle Kinder der Klassen 1 bis 4 geöffnet.
Beverstedt wählt einen ganzheitlichen Ansatz und stellt für seine drei Grundschulen drei pädagogische Fachkräfte ein, die mit ihren Vollzeitstellen sowohl die schulische als auch die Ferienbetreuung bedarfsgerecht organisieren sollen. Hagen im Bremischen (wo es kommunale Kitas gibt) setzt auf gemeindeeigene Erzieherinnen und Erzieher und ein vorhandenes Theaterpädagogik-Angebot.
In der Stadt Cuxhaven mit ihren elf Grundschulen bleiben vorerst die Horte bestehen und das Angebot soll durch Kooperationen mit freien Trägern und weiteren Anbietern ausgebaut werden.
Bauspielplätze sollen einander ergänzen
In Hemmoor und Umgebung will der Paritätische als Partner des Landkreises drei Bauspielplätze etablieren, einen beim Jugendzentrum Hemmoor, einen in Hechthausen und einen in Lamstedt beim ehemaligen Penny-Markt (diesen jedoch erst im Jahr 2027). Durch die Verzahnung mit der offenen Jugendarbeit soll die Betreuungszeit sogar noch deutlich verlängert werden. Alle Angebote sollen auch für Kinder aus anderen Gemeinden zugänglich sein und so miteinander koordiniert werden, dass damit sogar sechs Wochen Sommerferien abgedeckt sind. Für Otterndorf, Cadenberge und Neuhaus sollen noch weitere Formen der Ferienbetreuung entwickelt werden. Der DRK-Hort Otterndorf mit 60 Plätzen bleibt ebenso wie der Hort in Hechthausen noch mindestens bis zum 1. Juli 2027 geöffnet.
Während die Betreuung in der Schulzeit kostenfrei ist, wird für die Ferienbetreuung ein Kostenbeitrag fällig. Vorgeschlagen ist ein Wochenpreis von 35 Euro (für Sozialleistungsempfänger: 15 Euro); deutlich günstiger als beispielsweise in Stade, wo 90 bis 110 Euro verlangt werden. Auf ein Mittagsangebot möchten die Fachleute angesichts des Acht-Stunden-Tags nur ungern verzichten.
Die Ausschussmitglieder zeigten große Anerkennung, waren sich aber der weiterhin schwierigen Situation bewusst. Denn die Lage bleibt angespannt, wenn der Ganztagsanspruch in den kommenden drei Jahren schrittweise für den gesamten Grundschulbereich ausgebaut wird.