Für Friseurbetriebe war die Soforthilfe damals die Rettung, um laufende Kosten wie Miete und Versicherungen bezahlen zu können. Foto: dpa/Weigel
Für Friseurbetriebe war die Soforthilfe damals die Rettung, um laufende Kosten wie Miete und Versicherungen bezahlen zu können. Foto: dpa/Weigel
Es geht um Tausende Euro

"Müssen gekündigt werden": Corona-Hilfen belasten jetzt Friseure im Kreis Cuxhaven

von Denice May | 01.04.2026

Was einst als schnelle Hilfe gedacht war, wird für viele Friseure im Kreis Cuxhaven zur Belastung: Corona-Hilfen sollen zurückgezahlt werden - mit teils schweren Folgen für Betriebe und Beschäftigte.

Auch Jahre nach Beginn der Corona-Pandemie leiden zahlreiche Friseurbetriebe noch unter erheblichen finanziellen Belastungen. Grund sind die Rückforderungen von Corona-Soforthilfen aus dem Jahr 2020. Für viele kleine Unternehmen im Kreis Cuxhaven geht es dabei um mehrere tausend Euro.

Auch Michaela Bock, selbstständige Friseurin aus Cadenberge, ist betroffen. Sie kritisiert vor allem den Zeitpunkt und die Konsequenzen der Rückforderungen: "Die Hilfen wurden 2020 entsprechend ihrer Zweckbindung eingesetzt. Dass Jahre später Rückforderungen gestellt und vielfach bereits umgesetzt wurden, stellt viele Betriebe vor große Herausforderungen." Die wirtschaftlichen Folgen sind deutlich spürbar. Rücklagen, die eigentlich für Investitionen oder die Altersvorsorge vorgesehen waren, mussten in vielen Fällen aufgelöst werden. Besonders kleine Betriebe geraten dadurch zunehmend unter Druck.

Rückforderungen zwischen 9.000 und 12.000 Euro

Ingo Toborg, Obermeister der Friseur-Innung Cuxhaven-Land Hadeln-Stade, bestätigt diese Entwicklung. "Wir kämpfen immer noch. So lange es nicht zum Abschluss kommt, kämpfen wir", versichert er. Aus Gesprächen mit Innungsbetrieben weiß er, wie unterschiedlich die Situationen sind: "Von Salons aus der Innung weiß ich, dass einige schon die Corona-Soforthilfe zurückgezahlt haben, andere haben eine Ratenzahlung vereinbart, wieder andere gehen den Klageweg." Um welche Summen geht es? "Es geht um Rückforderungen zwischen 9.000 und 12.000 Euro. Das ist für kleine Betriebe eine Menge", so Ingo Toborg.

Auch Mitarbeiter müssen gekündigt werden

Um diese Beträge aufzubringen, mussten viele Unternehmerinnen und Unternehmer ihre Reserven anzapfen: "Um zu bezahlen, mussten einige ihre Rücklagen für die Altersvorsorge aufbrauchen." Und das ist längst nicht die einzige Konsequenz. "Viele Betriebe sind dadurch einfach nicht mehr liquide, um auch den Salon auf den neuesten Stand zu bringen", erklärt der Innungsmeister mit Salon in Lamstedt. Auch personelle Konsequenzen seien spürbar: "Es müssen auch Mitarbeiter gekündigt werden. Immer weniger Betriebe bilden aus, weil sie das nicht stemmen können."

Bis zu 12.000 Euro Corona-Soforthilfe-Zuschuss mussten und müssen Betriebe zurückzahlen. Foto: dpa/Michael

Kritisch sieht die Branche zudem die unterschiedliche Handhabung der Rückforderungen in den Bundesländern. Während es in Baden-Württemberg in vielen Fällen gelungen sei, Rückforderungen abzuwenden oder bereits gezahlte Beträge zurückzuerhalten, seien sie in Niedersachsen größtenteils umgesetzt worden. "Das ist eine Ungleichbehandlung und wir fühlen uns in Niedersachsen einfach stark benachteiligt", ärgert sich Ingo Toborg. Auch Michaela Bock verweist auf die unterschiedliche Entwicklung zwischen den Bundesländern: "Es ist für viele schwer nachvollziehbar, warum in anderen Bundesländern Rückforderungen erfolgreich angefochten wurden, während sie hier umgesetzt wurden."

Jede und jeder Niedersachse darf unterzeichnen

Um auf die Situation aufmerksam zu machen, wurde inzwischen eine Petition beim Niedersächsischen Landtag gestartet. Die Petition fordert den Erlass aller Rückforderungen aus Landesmitteln, die Erstattung bereits geleisteter Rückzahlungen sowie den Einsatz des Landes Niedersachsen für einen bundesweiten Stopp der Rückforderungen. Sie ist öffentlich und kann von allen Bürgerinnen und Bürgern mit Wohnsitz in Niedersachsen unterzeichnet werden. Die Initiatoren hoffen auf breite Unterstützung - auch aus dem Landkreis Cuxhaven.

Innungsmeister Ingo Toborg macht noch einmal deutlich: "Es geht nicht nur um das Friseurhandwerk." Viele Selbstständige seien betroffen. Dennoch richtet er einen klaren Appell an Politik und Öffentlichkeit: "Wir geben nicht auf. Wir wollen uns zeigen. Man darf mit uns und unserem Handwerk so nicht umgehen."

https://friseure-nds.de/petition/

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Denice May

Redakteurin
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

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