
Josef und Maria Egg Rita Butt Übergabe Rita Butt an Ursula Holsten
Aus dem Hinterhof dringt ein musikalischer
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Leckerbissen: Vogelgezwitscher,
wie es in Literatur und
Musik besungen wird. Der Weg zur Heißmangel
ist mit Rotklinker gepflastert. Wie
anno dazumal alle Wege des Lotsenviertels.
Das etwa zehn Meter lange Werkstattgebäude
ist um 1909 gebaut. Auf der
Glasscheibe am Eingang klebt das Bild
einer Entenfamilie auf Kuschelkurs. Kuschelig
weich sind auch die Wäschestücke,
die hier zur Abholung bereitliegen.
Ursula Holsten und Michaela Kraßmann
arbeiten in der wohl ältesten Mangelstube
Cuxhavens. Seit mehr als 85 Jahren ist sie
in Betrieb und wird auch heute noch von
den Kunden hoch geschätzt. „Die Menschen
sind dankbar, dass es uns gibt“,
sagt Ursula Holsten.
Vor über 85 Jahren gründeten Maria und
Josef Egg die „Heißmangel Egg“ und legten
damit den Grundstein für den lange
Zeit von Rita Butt geführten Betrieb. Dort
schwingt seit zehn Jahren Ursula Holsten
Tischtücher und Laken. Als Kompagnon
holte sie sich gerade mit Thorsten Koth
mal wieder männliche Unterstützung an
ihre Seite. Allerdings plant er, eher im
Hintergrund zu agieren und sich nicht in
den Alltag einzumischen. Mit Michaela
Kraßmann und Nadin Thumann bringt
er aber die nächste Generation mit und
sichert so den Fortbestand. Seit bereits
sieben Jahren mit dabei ist Rotraut Haß.
Neu ist nun auch das Angebot einer Wäscherei
– somit gibt es nun schrankfertige
Wäsche im Portfolio. Da viele Kunden danach
fragten, bietet die Crew um Thorsten
Koth nun auch diesen Service an.
„Wenn die Wäsche nicht 100-prozentig
ist, kommen die Leute nicht mehr“, betont
Ursula Holsten und streicht die Tischdecke
glatt. „Die muss schön gesteift auf
dem Tisch liegen.“ Hektik ist hier fehl am
Platz. „Schneller als schnell geht nicht“,
kommentiert die Seniorchefin und lässt
sich nicht aus der Ruhe bringen. Schließlich
ist sie bei der Arbeit und nicht auf der
Flucht und jeder Arbeitsschritt braucht
seine Zeit. Alles geht Hand in Hand. Dabei
ist akkurates Vorgehen gefragt. Der
Duft frischer, warmer Wäsche zieht durch
den Raum.
Mit Michaela Kraßmann hat sie sich
gleich verstanden. Muss auch, wenn man
drei Stunden täglich auf engstem Raum
zusammenarbeitet. Die beiden stehen
hinter der 85 Jahre alten Heißmangel
und legen mit synchronen Bewegungen
Tischdecken und Bettlaken zwischen die
großen Walzen. Gemeinsam werden die
Stoffe schwungvoll herausgezogen und
sorgfältig gefaltet. Nadin Thumann komplettiert
das Trio seit Anfang Juni.
Heiße Luft:
Ein altbewährtes Erfolgsprinzip
Das Team hat gut zu tun. Während die Laken
routiniert im Gleichtakt geschwungen
werden, bleibt aber auch Zeit zu
erzählen. Ursula Holsten ist gebürtige
Cuxhavenerin. In der Catharinenstraße
hat sie die meiste Zeit ihres Lebens verbracht.
Seit neun Jahren betreibt sie die
Heißmangel selbstständig. Jetzt geht es
mit Volldampf ins zehnte Jahr. Vorher war
sie im Hotelwesen und der Gastronomie
tätig. „Elf Jahre lang hatte ich die Fischermanns
Kombüse gepachtet und zehn Jahre
das Hotel Pension Dienstbach in der
Catharinenstraße betrieben. Vier oder
fünf Jahre stand ich noch im „Huddel-
Hutt“ in der Kapitän-Alexander-Straße
hinter dem Zapfhahn.“
Mit Menschen konnte sie immer schon
gut. „Bei mir sind alle Menschen gleich.
Wenn sie zu mir kommen, wollen sie nur
eines: frisch gemangelte Wäsche. Wenn
ich nicht Wäsche mangele, habe ich privat
genug um die Ohren. Früher habe ich
noch Wassergymnastik gemacht“, erzählt
Ursula Holsten.
Sauber gefaltet statt wilde Knäule
„Das Grundrauschen der Heißmangel
ist gleich da, wenn man die Mangel anschmeißt“,
sagt Ursula Holsten. Die alte
Mangel von Stolte wurde nach der Umstellung
auf Erdgas gegen eine moderne
Miele ausgetauscht. „Ich schmiere sie alle
drei Monate“, erklärt Ursula. Sie hat ein
offenes, freundliches Gesicht und viele
Ehemals Heißmangel Egg & Butt,
seit zehn Jahren Heißmangel Ursula Holsten
Wie von
Zauberhand –
knitterfreie Wäsche