
Fotos: Joppien (2), privat
Er ist der prominenteste Hadler auf
vier Beinen: Deister, das weltweit
erfolgreichste Springpferd seiner
Zeit, starb vor 20 Jahren im August
2000. Der „springende Geldschrank“,
wie das Ausnahmepferd auch genannt
wurde, hat vor Ort bis heute Spuren
hinterlassen. Als Denkmal wacht der
einstige Superstar in der Mitte von Osterbruch
über seinen Geburtsort. Und
sein ehemaliger Reiter Paul Schockemöhle
ist nicht zuletzt seinetwegen
Schirmherr des Dobrock-Turniers in
der Wingst und verleiht damit dem ältesten
Reitturnier ganz Deutschlands
einen besonderen Glamour.
Auch bei den Nachkommen des Züchters
sind die Erinnerungen noch immer wach.
Sabine Hahl und Kerstin Müller-Hahl,
die beiden Enkeltöchter von Deister-
Züchter Hermann Hahl, betreiben auf
dem Hof, auf dem die Ikone des Springsports1971
zur Welt gekommen ist, bis
heute eine kleine Pferdezucht. Und wer
hier zu Besuch ist, der kann sich vorstellen,
wie Deister im idyllischen Osterbrucher
Norderende aufgewachsen ist.
„Am Anfang war er sehr nervig, ließ
sich nur schwer auf der Koppel halten
und beförderte meinen Sohn bei den
ersten Reitversuchen unzählige Male
auf den Boden“, soll Hermann Hahl
gesagt haben. Für den inzwischen verstorbenen
Günther Hahl sei es auch
nicht das reinste Vergnügen gewesen,
den störrischen Halbstarken einzureiten.
„Papa hat immer erzählt, dass
Deister sich noch während des Spring-
Parcours den Wassergraben ausgesucht
hat, in dem er ihn nach der Siegerehrung
während der Ehrenrunde absetzen
wollte“, erinnern sich die beiden
Töchter an bewegte vergangene Zeiten.
Dennoch waren die Züchter zunächst davon
ausgegangen, ein Dressurpferd vor
sich zu haben und verkauften es 1974
als solches für 17 000 DM bei der Verdener
Auktion. Daran kann sich Elisabeth
Hahl, die Witwe von Günther Hahl, noch
gut erinnern. „Wir waren damals gerade
erst verheiratet, als Deister auf der November
Auktion verkauft wurde“, sagt
sie und weiß noch, wie spannend die
Versteigerung damals abgelaufen ist.
Unter dem Sattel von
Paul Schockemöhle
erzielte Deister in
den 1980er-Jahren
seine großen Erfolge.
Für die Dressur erwies sich Deister
aber letztendlich als nicht geeignet,
weshalb er als Fünfjähriger zu Hartwig
Steenken kam, der ihn als Springpferd
ausbildete. Erste Erfolge stellten sich
ein, doch Steenken verunglückte kurze
Zeit danach tödlich.
200 000 DM zahlte Paul Schockemöhle
schließlich für das Pferd aus dem
Hadler Stall. Doch auch der musste
erst einmal hart arbeiten mit seinem
Neuzugang: „Mich beeindruckte seine
Mentalität, sein Kämpferherz und sein
großes Vermögen. Seine Schwierigkeiten
wurden freilich von mir unterschätzt.
Hätte ich bloß mein Geld wieder,
habe ich anfangs oft gedacht. Wäre
einer zu mir gekommen, um Deister zu
kaufen, ich glaube, ich hätte ihn auch
mit Verlust weggegeben“, erinnert sich
Schockemöhle auf seiner Homepage
über die Anfänge.
Doch all die Mühe sollte sich am Ende
lohnen: Paul Schockemöhle schaffte
das Meisterwerk, dreimal in Folge mit
Deister die Europameisterschaft der
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Die Enkeltöchter von
Deister-Züchter Hermann
Hahl, Sabine Hahl (r.) und
Kerstin Müller-Hahl (2.v.l.),
sowie dessen Schwiegertochter
Elisabeth Hahl (l.)
haben sich um das Deister-
Denkmal in Osterbruch
versammelt.
Deister –
ein Superstar aus Hadeln
Vor 20 Jahren starb das Osterbrucher Ausnahmepferd von Paul Schockemöhle