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Fotos: Tonn, pixabay, privat
Lachfalten. Ein richtiges Sonnengesicht,
das Wärme ausstrahlt.
Gefühlte 80 Grad ist die Mangel heiß. Entsprechend
aufgeheizt ist der Raum. „Das
muss man aushalten können“, lacht Ursula
Holsten. „Wenn es draußen richtig heiß ist,
ist das ein Brutkasten hier. Die Kollegin,
mit der ich am längsten zusammengearbeitet
habe, war 30 Jahre hier. Die mochte die
Wärme.“
„Die Leute kommen auch vermehrt mit Leibwäsche
oder Hemden zum Bügeln. Da freut
sich das neue Team, auch hier seine Dienste
anbieten zu dürfen. Den Hauptteil nehmen
aber noch Bettwäsche, Tischtücher, Gardinen
und Decken zum Mangeln ein. 2,50 Meter
ist unsere Mangel breit. Da passt ein Bezug
locker durch. Da arbeiten wir mit zwei
Personen dran: Manchmal mangelt die eine
und die andere legt. Man muss darauf achten,
dass keine Falten reinkommen. Wenn
eine drin ist, müssen wir das Wäschestück
anfeuchten und dann muss es noch mal
durch. Die Erfahrung spielt dabei eine große
Rolle. Das kann auch nicht jeder. Falten
dürfen auch nicht beim Zusammenlegen
entstehen. Richtig schwierig sind runde
und ovale Decken. Vor allem die gehäkelten.
Da muss man nach dem Fadenlauf gucken,
nicht dass da ein Ei rauskommt. Schief
mangeln geht gar nicht! Man muss auch
einen guten Draht zur Wäsche haben und
viel Liebe reingeben. Das macht man schon
im Schlaf – wenn man so lange dabei ist.
Man muss lieben, die Stoffe, in der Hand zu
haben. Es gibt nichts Schöneres, als in ein
frisch bezogenes Bett zu hüpfen. Frischer
Wäschegeruch ist etwas sehr Angenehmes.“
Eine Sitzecke fürs Päuschen
Wasserdampfwölkchen quellen aus der Kaffeemaschine.
Nur das sanfte Blubbern ist
zu vernehmen. Merci verlockt zur schnellen
Sünde. Die Kunden finden das immer gemütlich,
so eine kleine alte Mangelstube. So
was gibt es heute nicht mehr. Eine Sitzecke
lädt zwischendurch zu einer Tasse Kaffee
ein. Es hat was Heimeliges, Gemütliches.
Vor allem die Stammkunden nehmen da
gerne Platz. „Einige kommen schon über
20 Jahre“, sagt Ursula Holsten stolz und
faltet gewissenhaft einen Bettbezug zusammen.
„Das ist eine Kunst für sich“, sagt sie.
Und dann zeigt sie, wie man Anzughemden
schnell und symmetrisch faltet. „Der Trick
besteht darin, die Knopfleiste nach innen,
anstatt nach außen zu falten“, lacht sie verschmitzt.
Auch die Handtücher werden dekorativ in
Form gebracht – perfekt wie im Hotel. Ursula
ist vom Fach. Man merkt, dass die gelernte
Hotelfachfrau selber eine Pension betrieben
hat. Gibt es Wäschestücke, die frustrierender
sind als Spannbettlaken? Ursula und
Michaela kriegen sie in den Griff. Leicht
geht ihnen auch das Falten von Spannbetttüchern
von der Hand. „Das sollen ja keine
wilden Knäule werden!“
„Abgerechnet wird pro Stück. Früher richtete
sich der Preis nach Zeit und Aufwand.
Wieder einmal hat sich die Farbe gewandelt,
der Trend geht zu weiß. Neu im Sortiment
haben wir unser Angebot, die Wäsche
auch zu waschen. Richtig so, dass sie gleich
schrankfertig ist“, sagt Ursula Holsten. „Ich
freue mich, dass ich was um die Ohren habe.
Und ich liebe den Kontakt zu den Kunden.
Das ist doch schön, wenn man sich kennt
und mal ein persönliches Wort spricht. Es
werden auch immer mehr, weil es fast keine
richtigen Heißmangeln mehr gibt.“
Was Ursula Holsten ärgert: Die Leute stellen
sich immer in die Auffahrt. „Die älteren
Herrschaften müssen dann meilenweit laufen,
wenn sie Wäsche bringen oder holen
wollen.“ Feierabend. „Lass noch zwei Minuten
ablüften und dann auf null.“ Eines ist
sicher: Obwohl die Mangel schon so alt ist,
wird sie genau wie die beiden Damen, nichts
von ihrem Schwung verlieren.
Joachim Tonn
Michaela Kraßmann und Ursula Holsten bei der Arbeit – glatt und fein muss es sein ...