
Die Eisbärenmädchen Anna und
Elsa jagen im Sonnenschein einer
Elster hinterher, spielen mit
dem Ball im Wasser und schauen sich die
Besucher ohne Scheu ganz dicht an der
Glasscheibe an: Im Bremerhavener Zoo
am Meer sind die Eisbären-Zwillinge der
Besuchermagnet.
Die meisten Zoobesucher sind ganz verzückt.
Sie stehen direkt vor der Scheibe
und können ihr Glück kaum fassen:
Eines der Eisbärenmädchen springt an
die Scheibe, rubbelt mit den Tatzen über
das Glas, richtet sich auf. Anna und Elsa
zu sehen, das findet auch die kleine Pia
schön. Die Fünfjährige ist schließlich Fan
der Zeichentrick-Schwestern, die den
Eisbärchen den Namen geben. Dass so
viele Erwachsene im Zoo Fragen stellen,
macht sie allerdings schüchtern.
Am 8. Dezember 2019 sind die beiden
Eisbären geboren. Die fressen gerne kleine
Fische und wollen am liebsten Mama
Valeska die ganz großen Rindfleischstücke
abjagen, erzählt Pfleger Thomas
Grunert, der sichtlich vernarrt ist in den
Nachwuchs. „Sie strecken die Zunge
raus, jetzt wollen sie gleich gesäugt werden“,
sagt der Pfleger, der nach 26 Jahren
im Job die Sprache der Eisbären spricht.
Er erzählt den Besuchern gerne mal etwas
über die Tiere. Doch in Zeiten der
Corona-Krise heißt es für die Pfleger, Abstand
zu halten. Sie arbeiten weiterhin in
zwei festen Teams, um im Infektionsfall
keinen Totalausfall zu haben.
Abstandsmarker am Boden und Abtrennungen,
wie man sie vom Flughafen
kennt, gibt es am Eingang und beim Eisbärengehege.
Zudem stehen dort Sicherheitsleute
parat. 25 Besucher pro Viertelstunde,
also 100 pro Stunde, werden
in den Zoo gelassen. Der Spielplatz ist
geöffnet, die Gastronomie geschlossen.
Im Zoo Shop muss Mundschutz getragen
werden, auf dem Außengelände nicht. Es
gilt, Abstand einzuhalten.
Die Chefin Dr. Heike Kück freut sich, den
Zoo wieder öffnen zu können: „Ein Zoo
ohne Besucher ist nur die halbe Wahrheit,
wir haben eine Botschaft zu vermitteln,
den Artenschutz. Dafür brauchen
wir Besucher und vor allem Kinder. Wir
haben durch die Pause ein hohes Defizit
und schauen auch, wo wir Unterstützung
beantragen können.“ Dafür, dass bei einer
Stunde Aufenthalt der volle Eintritt
bezahlt werden muss, bittet sie um Verständnis.
„Wir haben zum einen höhere
Kosten durch die Sicherheitskräfte und
Schutzmaßnahmen“, so Kück. Zum anderen
habe die Gastronomie geschlossen
und auch die Zahl der Bänke im Zoo ist
begrenzt worden, um den Abstand zu
wahren. „Wir sind ein kleiner Zoo, es ist
also möglich, in Ruhe durchzugehen, in
einem Rundgang alles zu sehen. Die Besucher
helfen uns sehr, wenn sie sich an
die Regeln halten, damit wir alle diese
schwere Zeit überstehen“, so Kück.
Das Team werde immer auf das aktuelle
Aufkommen reagieren: Wenn sich nur wenige
Gäste angemeldet haben, gebe es
an der Kasse auch Hinweise, dass man
etwas länger bleiben darf. „Wer am Deich
spazieren geht, kann sich mit dem Handy
ja auch schnell ein Zeitfenster buchen, so
ganz unspontan muss der Zoobesuch also
nicht sein“, ergänzt Prokuristin Nicole
Tönjes. Für die 600 Dauerkarteninhaber
(inklusive Familien) stehen übrigens drei
Termine pro Woche als Zeitfenster zur
Verfügung. Die Zeiträume würden auch
mal wechseln, je nach Aufkommen. Das
muss sich alles entwickeln, erklärt die
Prokuristin.
Einer hat dann doch schlechte Laune:
Eisbärenvater Lloyd macht im Nebengehege
Radau, ruft mit bärigem Grummeln.
Das Männchen vermisst seine Valeska,
würde sich gern paaren. Doch die Mutter
hat nur Augen für den Nachwuchs. Das
wird auch noch eine Weile so bleiben. Anderthalb
bis zwei Jahre können die Kleinen
bei der Mutter bleiben. Das Zoo-Team
richtet auch schon ein Teilgehege her.
Maike Wessolowski
24
Foto: Hartmann
Eisbären-Zwillinge Anna und Elsa
sind die Lieblinge im ZOO am Meer
Eisbärin Valeska und ihr weiblicher
Zwillingsnachwuchs Anna und Elsa
genießen die Morgensonne.