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Deckel. Zum Rücktransport der sauberen Wäsche wurde der
Deckel einfach umgedreht auf die Kiste geschoben.
Wellenbad gefällig? – Immer wieder stößt man auf ungewöhnliche
Sammlungsstücke. Wie die Wellenbadschaukel, eine lustige
Badewanne. Oder Wöchnerinnengeschirr aus dem Jahr
1830.
Acker und Scholle – Der Pflug mit zwei selbstgebauten Holzpferden,
die sich mit dem Zügel sogar bewegen lassen, wird
manches Kinderherz erfreuen. Und manch alten Bauern daran
erinnern, wie er damals seine Felder bestellte.
Stein auf Stein – Nach dem 2. Weltkrieg waren noch drei Ziegeleien
in Oberndorf ansässig. Die letzten Steine der Ziegelei
Dohrmann sind aufgestapelt. Früher wurden die Ziegel auf der
Oste bis nach Hamburg transportiert.
Das waren noch Zeiten, als man seine kaputten Schuhe in die
Schusterwerkstatt bringen konnte. Heute steht die Einrichtung
im Museum. Es gab auch zwei Reepschläger im Ort, ein
damals wichtiger Handwerksberuf für die Seilherstellung.
Kriegsgefangene wurden zu Freunden – Dass es in Oberndorf
nicht nur heile Welt gab, zeigen „dunkle“ Regalfächer mit ihrem
Inhalt: An das Schicksal der Josefa Sierun, die in der Oste
ertrank (wahrscheinlich durch Selbstmord), wird im Museum
erinnert. Schauerlich ist die Geschichte zweier betagter Frauen,
die im Armenhaus unter engsten Verhältnissen untergebracht
waren. Die eine brachte die andere um, weil sie deren Anwesenheit
nicht mehr ertragen konnte. Die Täterin war übrigens
die letzte Todeskandidatin, die auf dem Richtplatz bei Cadenberge
enthauptet wurde. Aber es gab auch Lichtblicke. Zum
Beispiel, dass Gefangene zu Freunden wurden. Sie schenkten
als Dank für die gute Behandlung auf den Höfen dem Ort eine
Puppe aus Polen.
Fährmann, hol över – Bis zur Eröffnung der Ostebrücke 1977
schipperte der Fährmann mit der Prahmfähre, die von der
Strömung angetrieben wurde, Menschen und Vieh über die
Oste. Seine lederne Tasche mit den Billetts hängt heute an der
Wand. Und die Fähre im Kleinformat zum Ausprobieren
überrascht die
B e s u c h e r.
„Wir haben
den letzten
Fährmann
in unserem
H e i m a t v e r -
ein“, erzählt
Dieter Köpke.
Keine Fälschung. Sondern ein echter Oberndorfer Ziegel.
Wie alles im Museum Originale aus längst vergangenen
Zeiten sind.
Durch Spurensuche werden die Geschichten des Ortes lebendig
wie nie. Wie das Wasser der Oste sind auch die Ideen der Oberndorfer
Heimatfreunde in ständigem Fluss. „Gerade sind wir dabei,
ein altes Schöpfwerkgebäude zur Außenstelle des Museums
umzugestalten“, verrät der 1. Vorsitzende. Dort soll das Modell
der damaligen Werft entstehen. Und ein Rundumerlebnis ist geplant:
Führung durch das Museum und Rundgang durchs Dorf
bis zum Schöpfwerk. Krönender Abschluss ist in der Kombüse.
Man kommt aus dem Staunen nicht heraus: Die Oberndorfer
sind wirklich ideenreich, und setzen sie auch noch um. Ihre Spuren
sollte jeder suchen! Heidi Giesecke
Öffnungszeiten: Freitags von 14 bis 18 Uhr
Mai bis September Sonntags 14 bis 17 Uhr