
Bitter, Friedrich Hausmann und Otto
Garvens besetzten Quartetts, war einst
Schüler Joseph Joachims und hatte in
dessen Streichquartett musiziert. Wie das
Stross-Quartett, das in den ersten Jahren
nach dem Zweiten Weltkrieg wiederholt
in den Programmen des Konzertvereins
auftaucht, spielte es Quartett-Literatur in
Joachims Tradition und gehörte seit den
1920er-Jahren zu den bedeutendsten deutschen
Streichquartetten.
Schon 1929 hatte Klingler beim Cuxhavener
Konzertverein konzertiert, auch
damals mit einem Beethoven-Streichquartett
(op. 127 in Es-Dur). Als die Nationalsozialisten
1933 alle Kulturvereine
gleichschalteten, traf es auch den Konzertverein.
Im Handstreich kippte der in
SA-Uniform erschienene Pastor Roth in
seiner Funktion als Leiter der Ortsgruppe
des „Kampfbunds für Deutsche Kultur“
den Vorstand, um die Positionen mit willfährigen
Parteileuten zu besetzen. Nachzulesen
in der von Johannes Meyer aufgezeichneten
Geschichte des Cuxhavener
Konzertvereins bis 1933. Meyer, Rektor der
Döser Schule und Organist und Kantor an
der St.-Gertrud-Kirche, hatte bereits 1902
die Cuxhavener Chorvereinigung gegründet,
mit der er seitdem große Konzertaufführungen
veranstaltete. 1909 initierte er
die Gründung des Konzertvereins.
In den Jahren nach der Neugründung
des Cuxhavener Konzertvereins taucht
der Name Beethoven häufig in den Programmen
der Konzertvereins-Konzerte
auf, häufiger als in so manch späteren
Jahrzehnten. Bei den ersten Klavierabenden
der Nachkriegsjahre scheint er ein
absolutes Muss gewesen zu sein. Der Pianist
Hans Richter-Haaser beispielsweise
hat ihn im November 1948 im Programm
,und zwar gleich dreimal. Der später vor
allem als großer Brahms-Interpret geltende
Detlef Kraus spielt wenige Monate
später neben Händel und Brahms natürlich
ebenfalls Beethoven. Wer ihn erstaunlicherweise
in Cuxhaven nicht spielte,
obwohl er doch einer der berühmtesten
und bedeutendsten Interpreten Beethovenscher
Klaviermusik war, war Wilhelm
Kempff. Ihn hörte das Cuxhavener Konzertpublikum
am 12. April 1948 mit Händel,
Bach, Schuberts Sonate A-Dur op. 120,
Liszts „Petrarca“-Sonett und einer eigenen
Komposition, der 1945 entstandenen
Sonate g-Moll op. 47.
„Reine“ Beethoven-Programme jedoch
zählten zu den Seltenheiten im Konzertplan.
Wieder war es der Hamburger Pianist
Detlef Kraus, viele Jahre gern gesehener
Interpret in Cuxhaven, der in der Konzertsaison
1970/71 Beethovens Klaviermusik
einen ganzen Abend widmete. Er spielte
am Flügel in der Aula des Gymnasiums
für Jungen (heute Amandus-Abendroth-
Gymnasium) die Sonaten D-Dur op. 28,
Es-Dur op. 81 (Les Adieux) und c-Moll op.
111. Vier Jahre später kam er nochmal
mit zwei Beethoven-Klaviersonaten (c-
Moll op. 13 und As-Dur op. 110), die den
Rahmen für die von ihm so geschätzte
Brahms-Klaviersonate in f-Moll bildeten.
Der Geiger Andreas Röhn war im Januar
1968 der Solist des Beethoven-Violinkonzertes
in dem von Rudolf Alberth
geleiteten Sinfoniekonzert des Niedersächsischen
Symphonieorchesters in der
„Sonne“. Auch das ein „reines“ Beethoven-
Konzert, eingeleitet von der „Coriolan“-
Ouvertüre und am Ende die 7. Symphonie
des Komponisten. Und Beethoven pur gab
es natürlich auch und ganz besonders im
März 1962 bei der gleichfalls in der „Sonne“
stattfindenden Aufführung der „Neunten“
mit dem berühmten Schlusschor „An
die Freude“. Zum 60-jährigen Bestehen
der Cuxhavener Chorvereinigung hatte
Walter Knape (1906 – 2000) Chorvereinigung
sowie Sänger und Sängerinnen
sämtlicher Cuxhavener Chöre zusammengerufen,
um das anspruchsvolle Projekt
zusammen mit den Hamburger Symphonikern
und vier Gesangssolisten zu realisieren.
„Ein Markstein in Cuxhavens Musikgeschichte“
hieß es dazu wenige Tage
später in der „Cuxhavener Presse“. Und so
werden es viele – ob Mitsingende oder Zuhörer
– auch empfunden haben.
Würde man die hierorts erlebten Konzerte
mit Musik von Ludwig van Beethoven auflisten
wollen, gäbe das eine nicht enden
wollende Liste. Zahlreiche der hier zu hörenden
Kammermusik-Ensembles haben
des Komponisten Musik gespielt, nicht anders
die gastierenden Sinfonieorchester,
die Solisten und vor allem die internationalen
Streichquartette – ob sie nun Kodály
Quartett, Kuss Quartett, Auryn Quartett,
Mandelring oder Takács Quartett heißen.
Sie alle reizt es, Beethovens einzigartige,
unvergleichliche Musik zu interpretieren.
Und das ganz sicher nicht „nur“, weil sein
Name auf dem Konzertprogramm auch so
etwas wie ein Garant für die Akzeptanz
des klassik-musikbegeisterten Publikums
ist. Natürlich ist was dran an dieser Einschätzung,
nicht zuletzt wegen des vielzitierten
Wiedererkennungseffekts. Und
doch waren auch Duo-Abende wie der im
Mai 2003 beim Konzertverein ein Wagnis,
wo Paul Gulda (Klavier) und Clemens
Hagen (Violoncello) ausschließlich Beethoven
spielten. Wenn des Komponisten
allseits so geliebte „Mondscheinsonate“
(cis-Moll op. 27,2) mit ins Programm genommen
wurde, zeigte das, man war sich
des Wagnisses sehr wohl bewusst.
Und dennoch: Beethoven ohne Ende also.
In Corona-Zeiten wie diesen ist Musikhören
übers Radio, von CDs und Schallplatten
angesagt. Und Lesen – Martin Gecks
Beethoven-Biographie beispielsweise
oder – ganz neu – Jan Caeyers Buch „Beethoven.
Der einsame Revolutionär“.
Ilse Cordes
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Fotos: Cordes, pixabay
Der Pianist Detlef Kraus.