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aus der Fischerei. Ohne die Schleppschifffahrt
würde hier nichts laufen,
da würde der gesamte Schiffsverkehr
vor unserer Küste zusammenbrechen“,
betont Kapitän Norbert Harms.
Der Seemann ist ein echter Kenner
der Materie. Er war viele Jahre Inspektor
der Bugsier-Reederei Hamburg
und bewegte als Offshore-Towmaster
mit seinen von ihm zusammengestellten
Teams zum Beispiel ganze Bohrinseln
in den Meeren. Norbert Harms
ist aktives Mitglied des Fördervereins
Schifffahrtsgeschichte Cuxhaven. Er
stand Inga Brantzky für die Zusammenstellung
der Sonderausstellung
mit Rat und Trat zu Seite.
So ist die neue Schau „Schlepper –
Kraftpakete in Aktion“ eine schöne Ergänzung
zu den Hauptthemenfeldern
des Museums. Die Dauerausstellung
beleuchtet bekanntermaßen ausführlich
die Themen Fischfang und Schiffsuntergänge.
„Natürlich habe ich auch
einige weitere packende Geschichten
von havarierten Schiffen recherchiert“,
sagt Inga Brantzky, die viel in
Archiven unterwegs gewesen ist. Die
Schau gewährt nicht nur Einblicke in
die Bergungsarbeit, sondern beantwortet
auch technische Fragen: Wie
wird zum Beispiel ein Schleppgeschirr
aufgebaut? „Bei solchen und vielen
anderen Detailfragen konnte ich vom
großen Wissensschatz von Norbert
Harms profitieren“, freut sich Inga
Brantzky, die mit ihrem Mitstreiter
viele interessante Exponate, Fotografien
und Geschichten aufgespürt hat,
die die Sonderausstellung bereichern.
„Viele Exponate stammen vom Förderverein
Schifffahrtsgesichte. Aber
auch das Deutsche Schifffahrtsmuseum
in Bremerhaven, die Cuxhavener
Firma Schlepper Wulff sowie der private
Sammler Peter Weber haben uns
sehenswerte Leihgaben zu Verfügung
gestellt“, macht Inga Brantzky neugierig.
Selbst der Dichter Joachim Ringelnatz
ist in Kürze Gast im maritimen
Museum. „Ringelnatz war zu seinen
Zeiten als Mariner Kommandant
auf einem Minenhilfssucher“,
sagt die Museumsmitarbeiterin,
die sich freut, dass auch
Erika Fischer vom Ringelnatz-
Museum die Sonderausstellung
mit einer Arbeit unterstützt.
Auch die Cuxhavener Mützelfeldtwerft
wird in der Schau mit
einer kleinen Station gewürdigt.
Letztere stellte Spezialschiffe
her, zu denen eben auch die Schlepper
gehören. Last but not least gibt die
kommende Sonderausstellung auch
einen Einblick darüber, wie sich das
Leben an Bord eines Schleppers für
die Besatzungen gestaltete.
„Wir werden sicherlich nicht alle Aspekte
der Schleppschifffahrt beleuchten,
der Fokus liegt auf der Hafen-Schlepperei
mit den erwähnten Ergänzungen.
Das Thema ist einfach immens
groß“, sagt Inga Brantzky, die noch
einige Überraschungen für die Besucher
parat hat. Ohne schon zu viel zu
verraten, sei an dieser Stelle erwähnt,
dass zwei interessante Filmstationen
auf die Museumsbesucher warten
Jens Jürgen Potschka
Fotos: A. Behnk, Giessen • Stadtarchiv, Potschka
Ein Fernglas von der Queen
Kapitän Behnke
vom Nordischen Bergungsverein
Hans Detlef Johannes Behnke führte um
1900 den Schlepper Reiher des Nordischen
Bergungsvereins als Kapitän. Zu dieser
Zeit hatten die Schlepper noch keine
drahtlose Funktelegraphie an Bord. Kam es
auf der Elbe zu einer Havarie, riefen einkommende
Schiffe dies beim Passieren der
Alten Liebe durchs Megaphon an Land. Die
Bootsleute der umliegenden Schiffe informierten
dann die Schlepper. Dass sie hierbei
ihre Freunde bevorzugten, liegt nahe.
Es herrschte ein großer Konkurrenzkampf
zwischen den Schleppern. Behnke war,
was das Austricksen der anderen Schlepperkapitäne
zu seinem Vorteil anging,
recht geschickt. So soll er, wenn er nachts
als Erster von einer Havarie Kenntnis bekommen
hatte, zunächst in eine falsche
Richtung gedampft sein, um seine Konkurrenten
auf eine falsche Fährte zu locken.
Wenn er dann alle seine Positionslichter
gelöscht hatte, schlug er einen Bogen zum
Havaristen, um dort seine Hilfe anbieten zu
können.
Im Jahr 1899 konnte er das englische
Viermastschiff „Falls of Foyers“, das bereits
von seiner Mannschaft verlassen war, bei
Helgoland retten. Hierfür schenkte ihm die
britische Regierung als Anerkennung ein
versilbertes Fernglas.
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Windstärke 10
Wrack- und Fischereimuseum
Cuxhaven, Ohlroggestraße 1
Telefon (04721) 700 708 50
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www.windstaerke10.net
Öffnungszeiten:
täglich 10 bis 18 Uhr
Kapitän Hans Detlef Johannes Behnke.