
„Ich bin rund – na und?“
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Eine Liebeserklärung an Cuxhavens Wasserturm
Ein
backsteinerner
Zeitzeuge
Fotos: Tonn (2), Sassen
Aus der Ferne schon prägt er die Silhouette
der Stadt: Unser runder
Wasserspeicher. An diesem Gemäuer
kommt keiner vorbei. Weder die Urlauber,
die gerade den Bahnhof verlassen,
noch die Cuxhavener. Viele hat er kommen
sehen – und gehen. Ein backsteinerner
Zeitzeuge. Schwerfällig steht er da mit
seiner Zipfelmütze aus Kupfer und den
zwei Dachgauben. Jahrgang 1897 und 47
Meter hoch. Tausendfach auf Postkarten
gedruckt oder hin getupft in Wasserfarben.
Eine wahre Schönheit mit seinem
ausladenden Überhang für den, der ihn
mag. So viel Charakter muss man schon
besitzen, um zu seinen Rundungen zu stehen.
107 Jahre lang zuständig
fürs Trinkwasser
Ab Mitte des 19. Jahrhunderts entstanden
in Deutschland über 2500 Wassertürme;
in Cuxhaven aufgrund der Choleraepidemie.
107 Jahre versorgte der liebenswerte
runde Turm die Cuxhavener mit Trinkwasser.
Der stählerne Hochbehälter mit
den vielen Nieten ist heute leer, die 920
Kubikmeter Wasser sind abgelassen. Mit
Fertigstellung des neuen Pumpwerks auf
der höher gelegenen Drangst wurde die
Trinkwasserversorgung durch den Turm
2004 eingestellt und der Wasserbehälter
vom Netz genommen. Je mehr die Häuser
in den 60er-Jahren in die Höhe wuchsen,
desto mehr fehlte es an Gefälledruck für
die oberen Etagen. In den Ferienappartements
der Kurgäste tröpfelte es in der
Hochsaison vielerorts nur noch aus den
Leitungen. Auch Pumpen zur Druckerhöhung
konnten da kaum etwas ausrichten.
Er war den Anforderungen der Zeit nicht
mehr gewachsen.
87 Treppenstufen sind
zu meistern
Den zugigen Turmschacht geht es die
staubigen Treppenstufen hinauf. Immer
schön am Holm des schmiedeeisernen
Gitters festhalten! Von oben blickt man
über die halbe Stadt. Früher wurde das
Wasser vom Wasserwerk auf der Drangst
auf den Turm gepumpt. Der Druck von
oben sorgte dann für die Verteilung in die
Haushalte. Der Zugang zum komplett verschlossenen
Wasserspeicher war nur dem
Wasserwerker erlaubt. Er ist heute in Rente.
In den ehemaligen Werkswohnungen
wohnt niemand mehr. Der letzte Mieter,
ein Wasserableser, ist 2011 ausgezogen.
Ganz unten hatte sich mal die Verbraucherzentrale
ihr Büro eingerichtet. Wie
wohnt es sich in runden Räumen? „Es ist
einfach spannend, in so einem ungewöhnlichen
Gebäude zu leben“, fand schon da-