800 Menschen unter die Lupe genommen: So lief die Großkontrolle am Wesertunnel
Mehr als 50 Einsatzkräfte führten am Wesertunnel eine Großkontrolle durch und nahmen rund 800 Personen ins Visier. Zoll und Polizei fokussierten sich auf Fahrtüchtigkeit, illegale Fracht und Drogen. Das Ergebnis.
Am vergangenen Freitag (6. November 2026) haben mehr als 50 Einsatzkräfte von Zoll und Polizei an der B437 hinter dem Wesertunnel eine unangekündigte Großkontrolle mit Fokus auf Fahrtüchtigkeit durchgeführt. Rund 800 Personen in etwa 500 Fahrzeugen, die in Richtung A27 unterwegs waren, wurden kontrolliert.

Einige Fahrer sprechen weder Deutsch noch Englisch. Einzelne Einsatzkräfte beherrschen aber auch Fremdsprachen, darunter Arabisch, Spanisch, Russisch und Polnisch. Im Notfall helfen Übersetzer-Apps.

Für die Kontrollstelle gibt es einen einfachen Grund: "Nach der A27 ist die B437 die am stärksten befahrene Verkehrsachse der Region. Der Platz an diesem Standort macht die logistische Umsetzung der umfangreichen Verkehrskontrolle möglich, erklärte Stephan Hertz, Pressesprecher der Polizeiinspektion Cuxhaven, in Bezug auf die Kontrolle, die die Polizei in den vergangenen Jahren regelmäßig unangekündigt im Herbst durchgeführt hat.
Vor Ort waren zwölf Kontrollplätze für Fahrzeuge aufgebaut sowie eine mobile Wache in zwei Containern, in der unter anderem Dokumente geprüft und bei Bedarf Blutproben durch einen Arzt entnommen werden konnten.

Schon kurz nach Beginn der Großkontrolle am Wesertunnel gab es erste Erfolge. Die Insassen eines Kleinbusses hatten viele unversteuerte Flaschen Alkohol und Zigarettenstangen dabei. Ein weiterer Fahrer, der ein Baustellenfahrzeug steuerte, fiel durch einen unsachgemäß geladenen Anhänger mit Minibagger auf. Dieser war lose mit teils kaputten Gurten befestigt und das zu hohe Gewicht hatte einen platten Reifen verursacht. Hinzu kam: Der Fahrer hatte keinen Führerschein, der das Ziehen eines Anhängers erlaubt.

Die Fahrzeuge werden bei der Großkontrolle willkürlich überprüft. Ein besonderes Augenmerk liegt auf Fahranfängern und jungen Menschen mit teuren Autos. "Natürlich muss das nicht der Fall sein. Aber wenn jemand um die 20 Jahre ein 100.000 Euro teures Fahrzeug fährt, fragt man sich, ob es einen Bezug zu einem Clan oder zu Drogen geben könnte", verdeutlicht Stephan Hertz.
Federführend bei der Kontrolle war das Polizeikommissariat Schiffdorf. Unterstützung kam unter anderem von den Kommissariaten aus Geestland und Nordenham, der Ortspolizeibehörde Bremerhaven, dem Hauptzollamt Bremen und der Verfügungseinheit der Polizeiinspektion Cuxhaven. Zusätzlich kamen sechs Spürhunde zum Einsatz. Die Straßenmeisterei Brake sicherte die Zu- und Abfahrt an der Kontrollstelle, der Ortsverband Bremerhaven des Technischen Hilfswerks (THW) sorgte für Technik und Verpflegung.

Betäubungsmittel, fehlende Fahrerlaubnis und manipulierte Fahrzeuge
Die Bilanz der Großkontrolle, die von 18 bis 1 Uhr stattfand: zwei Fahrer unter Betäubungsmitteln, ein Fahrer unter Alkoholeinfluss. Bei einer Person wurde eine geringe Menge Kokain und Opiate gefunden. "Alkohol- oder Betäubungsmittelbeeinflussung machen einen großen Teil der Unfallursachen der Verkehrsunfallstatistik aus, gerade bei Unfällen mit schweren Folgen. Entsprechend hoch müssen wir den Kontrolldruck halten und den Verkehrsteilnehmenden das Gefühl geben, dass wir uns aktiv für ihre Sicherheit einsetzen", betonte die Einsatzleitung.
Sechs Personen, darunter ein Baggerfahrer, hatten keine oder keine ausreichende Fahrerlaubnis. Eine Person wollte mit Dokumenten seines Vaters täuschen - er hatte nämlich keinen Führerschein. Mehrere Fahrzeuge hatten unzulässige Bauartveränderungen (Tuning). In einem Fall erlosch dadurch die Betriebserlaubnis. Ein Fahrer transportierte zudem etwa 100 Liter Diesel ohne ausreichende Sicherung.

Zudem wurden zahlreiche Ordnungswidrigkeiten festgestellt: fehlende Dokumente, nicht vorhandene Warnwesten oder Verbandkästen, Verstöße gegen Ladungssicherung und Überladungen.
Der Zoll stellte zahlreiche unversteuerte Zigaretten sicher. Hierfür wurden Sicherheitsleistungen im vierstelligen Eurobereich erhoben.
Stephan Hertz zeigte sich zufrieden, besonders in Bezug auf das Verhalten der Kontrollierten. "Alles blieb absolut friedlich und kooperativ, was uns sehr freut", resümierte der Polizist.
Von Mareike Blumenthal

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