Mentale Gesundheit im Kreis Cuxhaven: So beeinflussen Stress und Vorsorge unser Leben
Die physische und psychische Gesundheit sind wichtig und hängen voneinander ab. Für Erkrankungen in beiden Bereichen können unterschiedliche Alltagsfaktoren der Grund sein. Aufklärung und Vorsorge sind essenziell, wie Experten aus dem Cuxland wissen.
Die Gesundheit ist eines der wichtigsten Themen im Leben des Menschen und beschäftigt jeden auf unterschiedliche Weise. Unter den Begriff fallen sowohl Faktoren der physischen als auch psychischen Gesundheit. Die beiden Bereiche hängen unvermeidbar miteinander zusammen und sind gleichermaßen Auslöser für spürbare Probleme. Leider kommt es oftmals erst im Fall einer Erkrankung zur Selbstreflektion und die Betroffenen suchen nach Antworten.
In der heutigen Zeit gibt es einige Gründe, die zu physischen Problemen führen können. Unter anderem sind der fehlende oder schlechte Schlaf, die falsche Ernährung, die ausbleibende Bewegung und vorhandene Abhängigkeiten solche Faktoren. Diese Angelegenheiten unterscheiden sich in den einzelnen Altersstufen deutlich und sorgen für eine höhere Anfälligkeit für Krankheiten. Dies belegen einige Studien.
Nachdem sich im Jugendalter der Körper langsam formt und entwickelt, besitzt man im Alter von circa 20 bis 35 Jahren die maximale Leistungsfähigkeit des Körpers. Anschließend nimmt die mögliche Leistungsfähigkeit wieder ab, bis im Rentenalter Muskelkraft und Knochendichte abnehmen. Laut einer gemeinsamen Studie mehrerer Berliner Forschungseinrichtungen, darunter das Max-Planck-Institut für Bildungsforschung (MPIB), sind ältere Menschen jedoch heutzutage fitter als Gleichaltrige vor 20 Jahren. "Die Zugewinne, die wir an kognitiver Leistungsfähigkeit und Wohlbefinden in Berlin gemessen haben, sind beträchtlich und von großer Bedeutung für die Lebensqualität im Alter", kommentiert Ulman Lindenberger, Direktor am Forschungsbereich "Entwicklungspsychologie" des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung (MPIB). Gründe dafür sind unter anderem die Entwicklung im Gesundheitssektor und die Bereitschaft der körperlichen Aktivität und Veränderung der täglichen Routine. Um Erkrankungen vorbeugen zu können, helfen zudem Vorsorgetermine beim Hausarzt beziehungsweise Impfungen. Aus diesem Grund gibt es aber auch verschiedene Angebote von Sportvereinen, denen man gerne nachgehen kann.

Auf der anderen Seite bleiben psychische Faktoren, wie zum Beispiel Traumata aufgrund der sozialen Lage oder Veränderungen im Lebensumfeld, das durch soziale Medien gesteigerte Gefühl der Unzulänglichkeit sowie Stress im Alltag, meist unbemerkt oder unterschätzt. In den letzten Jahren ist die Zahl an in Therapie befindlichen Personen stark angestiegen. Laut der Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK) erkranken rund 20 Millionen Menschen jährlich an psychischen Krankheiten, davon erhalten 1.9 Millionen eine ambulante psychotherapeutische Behandlung, die Tendenz ist steigend. Das Problem sind fehlende Kapazitäten und daraus resultierende Wartezeiten, die bis zu 20 Wochen andauern können, so die BPtK.
Die Entwicklungen bei den Jugendlichen sind dabei am drastischsten. Sie leiden vor allem unter dem Druck in der Schule sowie durch soziale Medien. Außerdem machen sie sich um ihre Zukunft Gedanken, ebenso wie die Erwachsenen, die bereits für später vorsorgen. Dazu kommen die Pflichten im privaten Bereich und im Beruf, wozu die finanzielle Lage, bürokratische Angelegenheiten sowie das Familienleben zählen. Im Rentenalter fällt die Routine weg und der Körper lässt allmählich nach. Es wird versucht, eine neue Balance zu finden, in der der Körper weitestgehend geschonter behandelt wird. Die Gedanken fallen auf das Erlebte und Verpasste im bisherigen Leben und gleichzeitig auf Themen wie die Pflege. Die Betroffenen möchten keine "Last" für die Angehörigen sein, haben jedoch Angst vor der drohenden Einsamkeit oder vor finanziellen Engpässen.

Die Gemeinsamkeit, der entgegengewirkt werden muss
Die Generationen vereint der zum Teil besorgte Gedanke an die Zukunft. Diese Besorgnis sorgt für emotionale Konflikte und senkt laut Studien aus Kopenhagen und New York die Lebenserwartung um mehrere Monate. Um das zu vermeiden, braucht es in schwierigen Situationen eine gewisse Gefühlssouveränität sowie eine positive Grundeinstellung. Das Leben sollte als Chance gesehen werden, die man selbst gestalten kann. Des Weiteren helfen kleine Ziele im Alltag und Gespräche mit Personen aus dem Umfeld.
Die ehemalige deutsche Fußball-Nationalspielerin und heutige TV-Expertin Tabea Kemme bestätigt, dass mentale und körperliche Gesundheit einander bedingen.
Statt physischen Trainings "visualisiert" die Olympiasiegerin vermehrt Abläufe im Kopf. Dies hat ähnlichen Einfluss wie das physische Training. Aus ihrer Sicht brauche es mehr Aufklärung und die Anwendung von mentalem Training. Neben Einflussfaktoren auf die Leistung wie Schlaf, Regeneration und Ernährung, würden wir noch immer die Bedeutung des Gehirns unterschätzen. In der heutigen Schnelllebigkeit kämen wir schnell an die Grenze unserer Ressourcen. Die Folge wäre eine mentale Überlastung, die wir körperlich nicht mehr tragen könnten. Man spricht dann von einem "Mental overload", so die Geversdorferin. Als Beispiel führt sie die aktuellen Zahlen der Herzinfarkte und Schlaganfälle junger Menschen an.
Sie meint: "Dein Körper spricht mit dir und zieht die Reißleine. Es gilt, die Verantwortung für die eigene Gesundheit für sich zu übernehmen. Dabei darf fehlende Zeit keine Ausrede sein."
Von Julian Birkholz
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