Nach Angaben von Pro Familia wurden am Standort Cuxhaven im Jahr 2025 insgesamt 320 Beratungen durchgeführt. Foto: Jens Büttner
Nach Angaben von Pro Familia wurden am Standort Cuxhaven im Jahr 2025 insgesamt 320 Beratungen durchgeführt. Foto: Jens Büttner
Schwangerschaftskonfliktberatung

AfD greift Pro Familia an: Was im Kreis Cuxhaven auf dem Spiel steht

von Bengta Brettschneider | 29.07.2026

Die Debatte um die Schwangerschaftskonfliktberatung wird im Bundestag geführt - die möglichen Folgen könnten aber auch den Landkreis Cuxhaven betreffen. Die Beratungsstelle von Pro Familia in Cuxhaven blickt deshalb mit Sorge auf einen Antrag.

Eine Debatte im Bundestag wirft ihren Schatten bis nach Cuxhaven. Die AfD-Fraktion forderte in ihrem Antrag Anfang Juli, Pro Familia die staatliche Anerkennung als Schwangerschaftskonfliktberatungsstelle zu entziehen. Nach ihrer Auffassung berücksichtige die Beratungsstelle den gesetzlichen Schutz des ungeborenen Lebens nicht ausreichend.

Für die Beratungsstelle in Cuxhaven geht es dabei um mehr als eine politische Auseinandersetzung. Sie verweist auf ihre tägliche Arbeit mit Schwangeren, Paaren und Familien - und auf die schwierige Versorgungslage im Landkreis.

Nach Angaben von Pro Familia wurden am Standort Cuxhaven im Jahr 2025 insgesamt 320 Beratungen durchgeführt. Darunter waren 95 gesetzlich vorgeschriebene Schwangerschaftskonfliktberatungen. Hinzu kamen Beratungen zu Schwangerschaft, sozialen Hilfen, Kinderwunsch, Verhütung, Partnerschaft und Sexualität sowie die Unterstützung bei Anträgen an die Bundesstiftung Mutter und Kind.

Versorgung bleibt Herausforderung

Nach Angaben des Verbandes zählt der Landkreis Cuxhaven laut der ELSA-Studie zu den sechs niedersächsischen Landkreisen mit einer unzureichenden Versorgung bei Schwangerschaftsabbrüchen. Betroffene müssten häufig weite Wege zurücklegen - sowohl für den Eingriff als auch für die verpflichtende Beratung. Besonders Menschen von den Inseln seien davon betroffen. Um Hürden zu senken, bietet die Beratungsstelle in Cuxhaven inzwischen Online-Terminbuchungen und Online-Beratung an, erläutert die stellvertretende Landesgeschäftsführung Jasmin Richter. Die gesetzlich vorgeschriebene Schwangerschaftskonfliktberatung selbst darf jedoch weiterhin nicht vollständig digital erfolgen.

Die Beratungsstelle Pro Familia steht im Fokus der politischen Debatte um Schwangerschaftskonfliktberatung. Foto: Arne Dedert

Streit um gesetzliche Beratung

Auslöser der aktuellen Debatte ist der Antrag der AfD-Fraktion im Bundestag. Pro Familia weist die darin enthaltenen Vorwürfe entschieden zurück. Die Beratungsstellen seien staatlich anerkannt und würden regelmäßig von den zuständigen Landesbehörden kontrolliert. Eine Anerkennung werde nur erteilt, wenn die gesetzlichen Vorgaben dauerhaft erfüllt würden. Bundesweit betreibt der Verband rund 190 Beratungsstellen. Nach eigenen Angaben wurden dort 2024 rund 73.000 Schwangerschaftskonfliktberatungen durchgeführt; insgesamt nahmen mehr als 462.000 Menschen Beratungsangebote in Anspruch.

Pro Familia fordert Reform des Paragraf 218

Nach Auffassung des Verbandes richtet sich der Antrag nicht nur gegen Pro Familia. Das Schwangerschaftskonfliktgesetz sehe bewusst ein vielfältiges Netz staatlich anerkannter Beratungsstellen vor. Neben Pro Familia gehören dazu unter anderem Caritas, Diakonie, Arbeiterwohlfahrt, Deutsches Rotes Kreuz, donum vitae und der Paritätische Wohlfahrtsverband. Deshalb wertet Pro Familia den Antrag als grundsätzlichen Angriff auf das bestehende Beratungssystem.

Regine Wlassitschau, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit beim Bundesverband pro familia, verweist darauf, dass sich der Verband seit Jahren für eine Entkriminalisierung des Schwangerschaftsabbruchs einsetzt. Hintergrund sei die seit dem 150-jährigen Bestehen des Paragrafen 218 Strafgesetzbuch im Jahr 2021 intensiv geführte öffentliche Debatte.

Eine repräsentative Studie des Bundesfamilienministeriums habe gezeigt, dass sich 81 Prozent der Befragten dafür aussprechen, dass Frauen künftig bis zur zwölften Schwangerschaftswoche selbst über einen Schwangerschaftsabbruch entscheiden können. Für Pro Familia zeige dies, dass sich eine deutliche Mehrheit der Bevölkerung eine Änderung der gesetzlichen Regelung wünsche.

Der Antrag der AfD-Fraktion wurde Anfang Juli erstmals im Bundestag beraten und anschließend zur weiteren Beratung an die zuständigen Ausschüsse überwiesen. Eine Entscheidung des Parlaments steht noch aus.

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